Zeitmaschine…

Zeitmaschine…

Ach, noch viel schöner, als einmal den geliebten Menschen  besuchen zu können („Ich würd‘ dich gern besuchen“) wäre doch, einfach durch die Zeit zurück zu reisen zu den Zeitpunkten mit den schönsten Erinnerungen ♥

Kinder sind großartige Wesen und in ihrer Phantasie noch so wunderbar frei…

„Wir bauen eine Zeitmaschine und fliegen einfach durch die Zeit zurück!“

So denkt sich ein Kind die Welt passend… Durch die Zeit zurückfliegen zu der Zeit, wo Papa oder Mama noch da war… Wo die Welt noch heil war… Wo alles irgendwie gut war…

Tja, als Erwachsener ist man schnell auf der „Vernunft-Schiene“ und versucht das Kind ganz behutsam wieder auf den Teppich zu holen. Ist es doch recht unwahrscheinlich, dass Zeitreisen in absehbarer Zeit möglich sein werden – das Kind soll einfach nicht enttäuscht werden in seinen Erwartungen…
Als Elternteil möchte man sein Kind schützen. Schließlich war der Schmerz schon unfassbar groß, diesen geliebten Menschen zu verlieren – da soll nicht noch mehr Schmerz durch nicht erfüllbare Hoffnungen generiert werden…

Was wäre wenn…

Aber… was wäre wenn genau diesem Kind später einmal der entscheidende Durchbruch gelingt und es eine Zeitmaschine baut…? Und wenn nicht dieses Kind, dann vielleicht eines, das später lebt…?

Zeit wird spätestens dann relativ und *schwupps* wäre es auf einmal möglich, diese Wunschzeitreise zu starten…

Wäre das nicht wunderbar?
Alleine davon zu träumen ist doch schon großartig…

Eines Tages holt dich diese Zeitreisekapsel ab, drin sitzt eine junge Frau aus der Zukunft (deine Ur-ur-ur-ur-ur-ur-…-Enkelin zum Beispiel) und sagt: „Hey, ich wollte dich abholen und mit dir gemeinsam meine Vorfahren besuchen!“
Wer bitte stellt sich dann hin und sagt: „äh, nein. Das geht doch gar nicht!“

Also, in der Zeit, wo du noch darüber nachdenkst, bin ich schon längst eingestiegen ;0)

Ich habe spontan irre viele Ideen, was ich gerne tun würde, wenn das möglich wäre… Ich würde zuallererst… und dann… und… undundund… Ein wunderbares, buntes Kopfkino!

Es gibt sie längst!

Sie ist da, diese Zeitmaschine! Und das Tollste daran: sie ist nicht zugangsbeschränkt und dazu noch vollkommen gratis!!!

Glaubst du nicht?

Jeder von uns trägt sie in sich: es sind unsere Erinnerungen!
Es hat mich unglaublich berührt, zu hören, wie ein Papa erzählt, dass er seinem Sohn so etwas wie dies hier gesagt hat:

„Du kannst jederzeit auf die Reise gehen…“

Du kannst dich jederzeit aus dem Alltagsgeschehen ausklinken und an einen Ort oder Zeitpunkt deiner Wahl träumen…
Wenn du dich so richtig fallen lassen kannst, werden diese Erinnerungen bunt und lebendig.

Wenn ich die Augen schließe und „verreise“, kann ich sogar Gerüche und Geräusche erinnern, das Meer zum Beispiel riechen, das Tosen der Wellen hören… Ich spüre die Kälte des Wassers an den Beinen, fühle die Sonne auf meiner Haut…
Ein Blick aus diesen Augen, von denen ich dachte, ich wüsste gar nicht mehr, wie genau die aussahen… DOCH! Es ist alles da…

Wie oft hatte ich manchmal fast panische Angst, ich könnte die Erinnerungen verlieren, könnte vergessen, wie es war… Wie er war…
Bei solchen Erinnerungsreisen merke ich aber: es ist unfassbar, wie viele Details ich erinnere. Das Herz ist ein irrer Speicher…

Klar, es kann auch unglaublich schmerzen, wenn man „nur noch“ die Erinnerungen hat, eigentlich aber ja viel lieber neue Erinnerungen schaffen würde… Zeit mit dem geliebten Menschen verbringen… Das Leben aufsaugen, lieben,…
Aber dieser Schmerz erinnert mich daran, wie viel Glück ich in meinem Leben spüren durfte. Er macht und hält mich lebendig…
Und bleibe ich aber bei dem, was gerade möglich ist, kann ich den Schatz der Erinnerungen genießen und die Glücksgefühle greifen, die ich in mir wiederfinde…

Und: vielleicht, ganz vielleicht wird eines Tages ja doch das Unmögliche möglich…?

Ich bin dann mal weg…

 

Inspiriert zu dieser Zeitreise haben mich meine lieben Zugehörigen-Café-Teilnehmenden – habt Dank für die wunderbaren Gespräche! ♥

Darf ich bitte trotzdem Witwe sein? …weiterführende Gedanken

Darf ich bitte trotzdem Witwe sein? …weiterführende Gedanken

Wịt·we     І      Substantiv [die]      І      Frau, deren Ehemann gestorben ist.

…da war es wieder… Dieses Unsichtbar-Gefühl… Ich dachte, das hätte ich hinter mir gelassen…

Ich hatte mit dem Beitrag „Darf ich bitte trotzdem Witwe sein?“ an Silkes Blog-Aktion „Alle reden über Trauer“ teilgenommen – damals noch ohne eigenen Blog.

Heute ist der Tag, an dem noch ein paar zusätzliche Gedanken formuliert werden wollen…
Heute ist der Tag, an dem wir meine Schwiegermutter zu Grab getragen haben…
Heute ist der Tag, an dem ich stur weiter von meiner Schwiegermutter schreibe, denn was wäre sie denn sonst? Was wäre ich denn sonst in ihrem Leben?

Trauerfeier…
Ich sitze da und höre seiner Rede zu… Mit jedem Satz werde ich wütender… Die Person, von der der Pastor da erzählt… ich kenne sie nicht… Ahne nur, um wen es hier geht – es steht ja vorne ein großes Foto…

Der Pastor kann nur das erzählen, was er von den Verwandten erzählt bekommt, denn er kannte die Verstorbene gar nicht persönlich…

Ich habe sie nur eine kleine Weile ihres langen Lebens begleitet – aber in der Zeit hat sie mir viel erzählt aus diesem Leben bevor wir uns kannten… Lange, verplauderte Nachmittage im Garten, wo SchwieVa eine Story nach der anderen erzählte und sich mit SchwieMu kabbelte, wer an welcher Stelle die richtigere Version kennt (du kennst sicher diesen schmalen Grat, wo man kurz vorm Augenverdrehen ist, Fluchtgedanken unterdrückt, weil man eigentlich keine Geschichten von früher mehr ertragen kann und andererseits so fasziniert davon ist, was die „Alten“ erzählen…)… Solche „weißt du noch…?“ Momente… Andreas, der mir Geschichten aus seinem Familienleben anvertraut – Schönes… Befremdliches… Wunderbares… Erschreckendes…..
Ein Leben voller Höhen und Tiefen…

Weichgespült

Nichts von diesem facettenreichen Leben wird vermittelt… Eine weichgespülte Version dieses Lebens war wohl alles, was die lieben Verwandten aushalten konnten……?

Weichgespült bedeutet auch: es gibt mich nicht… Kein Wort…
„Liebe Geschwister, liebe Nichte… Freunde… Bekannte… Nachbarn…“
ÄH?!? Tja, dann ordne ich mich mal unter „Sonstiges“ ein – das gibt’s doch immer, oder?

Okay, den Schmerz habe ich schon zu früherer Zeit ausgehalten… Das ist nicht neu und somit kann ich fast lächeln über diese Ignoranz…
Was aber neu für mich ist: mein Sohn ist genauso aus diesem Leben gelöscht wie ich. Hey, das geht mal gar nicht… Das könnt ihr nicht bringen… Die Zwei waren einander so wichtig, so nah… Das ist nicht fair!
DOCH, sie können… Mir zerreisst es das Herz, dass nicht einmal der geliebte (Stief-) Enkel erwähnt wird.

Und dann hilft wirklich nur noch atmen und aushalten… Und neben mich schauen: da sitzt dieser tolle Kerl! Er ist da! Er war und ist wichtig!
Wen interessiert denn, was der da vorne textet anhand von Vorgaben, auf die er nur wenig Einfluss hat…? Wen interessiert, was die liebe Verwandtschaft von uns denkt? Wen interessiert, was da für wilde Geschichten kursiert haben mögen? Scheiß drauf!

ES. IST. WAHR.

Es gab diese Verbindung… Da war ganz viel Liebe… Und wenn ich es zulasse (und das werde ich!), dann IST sie da – und bleibt.

SO!

Was braucht es…?

Ich lerne immer wieder Trauernde kennen, die nicht mit dem verstorbenen Partner verheiratet waren. Es schmerzt mich jedes Mal erneut, dass auch sie durch den gleichen dicken Nebel tappen müssen wie ich… Ohne Trauschein keine Rechte…

Diese kräftezehrenden Kämpfe darum, gesehen zu werden.

Dabei sieht man doch liebende Menschen… Ob die nun verheiratet waren oder nicht… Ein Trauschein macht doch keine Liebe? Macht ein Trauschein verantwortungsvoller? So ein Quatsch… Entweder ist da eine Herzensverbundenheit oder eben nicht.

Gut, es gibt diese rechtlichen Dinge, die geregelt sein wollen. Und so lange es eben nur die Ehe ist, die rechtliche Ansprüche regelt, muss man sich damit arrangieren.

Nur kann es doch wenigstens aus den Köpfen und vor allem aus den Herzen verschwinden, dass diese Lebenspartner und anderen nicht Blutsverwandten irgendwie nicht dazu gehören.
Holt sie in eure Mitte, akzeptiert ihre wichtige Rolle in der Familie – hier geht es um Herzensbindung!

Es gibt sogar ein Wandtattoo – also muss es wahr sein ;0)

29780_Familie_Wort
gefunden im Netz: https://wandtattoo.land/wandtattoos_familie.html

Dieser Begriff „Familie“ hat eben viele Facetten – wie das Leben…

„Eine Gruppe von Menschen, die sich gegenseitig lieben und unterstützen, in guten und in schlechten Zeiten“
…es wäre schön, täte so gut, wenn die Liebe das wäre, was zählt und alle Liebenden einfach dazu gehören könnten. Einfach so…

Ich bin froh und glücklich, dass ich anderweitig Halt in meinem Leben habe. Tolle Blutsverwandte und tolle Seelenverwandte, Herzensmenschen.
DANKE an euch da draußen, die mich akzeptieren und lieben wie ich bin ohne nach einem Berechtigungsnachweis zu fragen – ihr seid FAMILIE ♥

 

Wịt·we     І      Substantiv [die]      І      Frau, deren Lebenspartner gestorben ist

…und die trotzdem Familie bleibt!

Feel you in my heart…

Feel you in my heart…

Mit diesem Bild hier schicke ich dir, liebe Leserin und lieber Leser, herzliche Grüße – und meinen Lieblingsweihnachtsspruch:

„Maybe I can’t see you – but in the silent night I feel you in my heart…
And know everything will be alright.“

Ich wünsche dir, dass du besonders heute spürst, dass dein geliebter Mensch bei dir ist – in deinem Herzen… Als Stern… Wie auch immer… Und dir beisteht… Ich wünsche dir, dass du die Feiertage gut verbringst. Ruhig oder laut, traurig oder fröhlich, in Gesellschaft oder alleine… Alles darf, nichts muss… Höre auf dein Herz, was dir gut tut ♥

still-here
Quelle: Princess Sassypants

 

Heimatlose Liebe

Heimatlose Liebe

Jetzt, so am Ende des Jahres, schaue ich einmal zurück auf das vergangene Jahr… Viel Glück, viel Schmerz – ich habe es als extrem intensiv und ereignisreich empfunden…

Ich möchte diese Intensität sehr gerne mit in das neue Jahr nehmen. Ich spüre es förmlich in mir trappeln… Da ist ganz viel Energie, die noch nicht entfesselt darauf wartet, loszustürmen. Noch finde ich das ganz schön verwirrend… Ja, wohin soll sie denn stürmen? Was soll daraus werden?
Ich gönne mir an dieser Stelle ein Innehalten. Von Natur aus mit einem großen Topf Ungeduld überschüttet, fällt mir das nicht leicht. Dennoch tut es gut.

Mit der gestrigen Wintersonnenwende hat die „Zeit außerhalb der Zeit“ begonnen. Zwölf Rauhnächte beginnen mit der längsten Nacht des Jahres (hier findest du eine schöne Erklärung und Darstellung der Rauhnächte, wie ich finde: „Magie der Rauhnächte“). Für mich ein schöner Impuls, der so herrlich wohltuend der ganzen Weihnachtshektik und Feierei entgegensteht…

Ich versuche, zu vertrauen auf das, was da kommen mag. Schließlich hat das Bauchgefühl mir gut gezeigt, wann welcher Schritt „dran“ ist. Manches Mal habe ich meiner Intuition noch nicht vertraut. Habe sie ignoriert, weil ich zu der Zeit überzeugt war, etwas anderes zu wollen ;0)

In diesem Jahr bin ich meiner Intuition gefolgt, habe einen für mich monstermutigen Schritt getan und diesen Blog begonnen… Und es war ein so toller Schritt! Der Austausch zu diesem Thema ist bereichernd und ganz wunderbar für mich. Ich bin sehr dankbar für all‘ die Kommentare, Diskussionen, Gespräche und Nachrichten, die mich erreicht haben. Danke ♥
…ich freue mich auf alles, was sich hieraus noch entwickeln wird!

Einen Spruch habe ich dieses Jahr „geschenkt“ bekommen – der beschäftigt mich heute:

„Trauer ist heimatlos gewordene Liebe“

Als ich ihn das erste Mal las, habe ich genickt und konnte voll mitgehen… JA, wenn ein geliebter Mensch stirbt, dann liebt man irgendwie ins Leere… Der Mensch ist nicht mehr da, der eben noch der Empfänger dieser Liebe war… Und das schmerzt so unsagbar… Und dann fängt man an zu suchen, wo man mit dieser Liebe abbleiben soll – sie hört ja nicht einfach auf – daraus entsteht eine unglaubliche Sehnsucht…
Diese Sehnsucht habe ich bei Trennungen und auch nach meiner Scheidung erlebt. Auch da wird die Liebe irgendwie heimatlos… Beim Tod empfinde ich das aber noch irgendwie anders… Bislang gab es immer einen Grund für den Trennungsschmerz – wie auch immer gelagert, konnte mein Verstand auf eine Weise greifen, warum diese Trennung sein „musste“. Manches Mal war auch die Liebe erloschen. Jedenfalls hat einer die Entscheidung getroffen, dass eine Trennung gesünder ist, als ein Zusammenbleiben…

Als Andreas starb, hat keiner von uns diese Entscheidung getroffen – das wurde an mir unbekannter Stelle beschlossen…
Einen vorsichtigen Schritt nach dem anderen habe ich gelernt, diese heimatlose Liebe zu wandeln. Liebevolle Erinnerungen zu fördern oder zu gestalten… Einen neuen Platz für Andreas zu finden… Mein Leben neu zu gestalten… All das war nur möglich mit dieser Liebe, die „frei“ geworden ist… Sie birgt eine ganz magische Energie in sich.

Interessant fand ich die Erfahrung für mich, dass meine Liebe zu Andreas dabei einfach weiter existieren darf… Mein Herz ist so groß und liebensfähig – ein Teil liebt ihn weiter, ohne dass meine Liebensfähigkeit in irgendeiner Form eingeschränkt wäre.
Ich habe gelernt, dass das auch für alles gilt, was mir in meinem Leben begegnete und nicht mehr in meinem Leben sein darf. Es sind warme, schöne Erinnerungen an Begegnungen und die Liebe, die da entstand, die bleibt…

Bei kurzen Begegnungen habe ich dann spüren dürfen, dass auch zu mir Liebe strömt. Klingt vielleicht abgefahren, wenn man das liest – ich habe es für mich so erlebt.
So bleibt eine liebevolle Verbindung, die einfach – ja, ich nehme jetzt einfach dieses seltsame Wort: beglückend ist.

Heute habe ich das Gefühl, dass meine Liebe nicht mehr heimatlos ist. Nach vielem Suchen, Zweifeln, Verzagen, Irrungen und Wirrungen ist sie zurückgekehrt, wo sie zu Hause ist: verbunden und bei mir ♥

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Quelle: Pixabay
Ein Licht geht um die Welt…

Ein Licht geht um die Welt…

Jedes Jahr am zweiten Sonntag im Dezember geht am Worldwide Candle Lighting Day ein Licht um die Welt…

Um 19.00 Uhr heute stelle auch ich eine Kerze ins Fenster und trage zu dem Leuchten bei, das um die Welt geht… Du auch?

Wenn heute eine gute Fee zu mir käme, um zu fragen, was ich mir wünsche – ich wüsste gleich, was ich mir wünschen würde…

…Fliegen!

Nur einmal heute losfliegen und dann von oben zuschauen können, wie dieses Lichtermeer um die Welt geht. Ich würde mit der Zeitzone um die Welt fliegen und erleben, wie in allen Ecken der Erde Kerzen erleuchten. Ich bin sicher, es werden unglaublich viele Lichter scheinen. Das ist auf der einen Seite irre trauig, weil (fast) jede Kerze für ein verstorbenes Kind steht, das nicht mehr auf dieser Welt weiterleben darf… Auf der anderen Seite ist da so ein wohligwarmes Mitgefühl, das zu Herzen geht.
Hinzu kommt die Erinnerung an das Leuchten, das jedes dieser Kinder in diese Welt getragen hat. Egal, wie kurz oder lang sie selber strahlen konnten – sie leuchten in ihren Liebsten weiter…

Ich bin so unendlich dankbar, dass mir der Schmerz, ein Kind zu verlieren, bislang erspart geblieben ist. Gerade habe ich versucht, einmal hineinzuspüren, wie das wohl sein könnte – ich traue mich aber nicht weiter hinein. Ich kann nur ahnen, welche Qual damit verbunden sein mag und kann und will mir nicht ausmalen, was das mit mir machen würde. Somit entzünde ich meine Kerze heute Abend in großer Dankbarkeit, Demut und dem Mitgefühl für alle, die es brauchen…

In der letzten Zeit sind mir viele Artikel und Notizen zum Licht in der Vorweihnachtszeit begegnet. Meist stand dort geschrieben, wie quälend dieses helle, bunte Licht für Trauernde ist. Beim Lesen regte sich in mir leichter Widerstand… Das habe ich anders erlebt – oder?!? Ich war mir komplett unsicher, ob bei mir eine Erinnerungsverzerrung stattgefunden hat… Hab ich mich auch so gequält?! Weiß ich das nur einfach nicht mehr?
Tja, und nun habe ich wieder einen Trauerfall zu verarbeiten – ich trauere um meine Schwiegermutter und mit dieser Trauer kommen Erinnerungen, die nicht alle fröhlich und leicht sind… Ich kann also ohne Vorbehalte aus der Sicht einer Trauernden schreiben:

Mir hilft es sehr, dass in der Dunkelheit überall etwas leuchtet. Ich ziehe mich gerne in meine Lieblingsecke zurück und zünde Kerzen an, knipse Lichterketten und Herrenhuter Sterne an und lasse mich von der Wärme, die dieses Licht ausstrahlt, mit wärmen.
Ich persönlich habe auch kein Problem damit, wenn jemand solche Lichter schon vor dem Totensonntag anbringt… Ich empfinde es als seltsam, dass es ein festes Datum geben soll, ab dem dann Glitzerbeleuchtung okay ist und vorher nicht. Da ich mich an dem Leuchten nicht störe, empfinde ich es auch nicht als respekt- oder gefühlslos, wenn jemand schon vor dem Datum seine Beleuchtung anbringt. Für mich ist es okay, wenn man seinem Gefühl folgt und versucht, die dunkle Jahreszeit ein wenig auszuleuchten. Und die Tage werden nun mal bereits vor dem Totensonntag deutlich kürzer und dunkler…

Was nicht gut tut…

Dass das für mich nicht für diese wild-bunte Blinkedingsbums-Beleuchtung gilt, macht es jetzt ein wenig schwer… sorry, da bin ich intolerant. Die sollte man einfach grundsätzlich verbieten *lach*
…die fand ich aber schon immer scheußlich – egal, ob in Trauer oder nicht ;0)

Wofür das auch nicht gilt: diese unsäglichen WhatsApp-Bildchen für die Adventssonntage… Die Wünsche für einen schönen Advent sind sicher lieb gemeint, aber ein persönliches „Ich denke an dich – fühl dich gedrückt“ wäre echt schöner, oder? Liebe Grüße an dieser Stelle an die Chat-Mädels, wo ich diese Anmerkung aufgegriffen habe, weil sie mir so aus dem Herzen spricht ♥

In dieser bunt-glitzernden Vorweihnachtswelt scheinen viele davon auszugehen, dass alle sich zu dieser Zeit auf Weihnachten freuen, die Adventssonntage genießen und glücklich vertraut zu Hause Plätzchen backen…
Das ist doch aber nicht so, liebe Leute!!!
Ich wünsche mir, dass der eine oder andere vor dem Verschicken dieser Bildchen oder Videos noch einmal innehält, sie löscht und einfach ein paar herzliche Worte tippt…
Oh, verflixt… Wenn die Fee tatsächlich bei mir vorbei schaut, habe ich vermutlich nur einen Wunsch frei – da wäre mir das Fliegen deutlich wichtiger… Dann brauche ich deine Hilfe, bitte, denn dafür braucht es ja keine Fee:

Machst du mit?

Schreibst du in deiner nächsten WhatsApp einfach ein paar herzerwärmende Worte? „Ich denke an dich“ oder so ist tausendmal besser als nur ein Bild oder ein Video zu teilen… Welche Worte gut passen, weißt du sehr sicher besser als ich :0)

Und: stellst auch du heute Abend um 19.00 Uhr eine Kerze ins Fenster? Dann kann ich sie sehen, wenn ich über dein Haus fliege………

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Quelle: Pixabay