Gedankenstrich…

Gedankenstrich…

Heute ist ein ganz besonderer Tag: mein Blog hat Geburtstag!!!

Heute vor 3 Jahren bin ich mit „…ein Stück untröstlich“ online gegangen und seitdem steht mein Trauerblog mit meinen Gedanken nun für alle sicht- und lesbar im Netz. WOW!

Viel Herzblut ist in diesen 3 Jahren in und auf diese Website geflossen… Wie ihr nachlesen könnt, war ich am Anfang sehr viel aktiver als in letzter Zeit. Es passt gut zu meiner Entwicklung: mittlerweile sind es oft nicht mehr ganze Blogbeiträge, sondern eher kurze Impulse, die ich dann auf Instagram und Facebook teile. Eine Begeisterung für Social Media darf gerne stets mit einem Fragezeichen betrachtet werden – was ich jedoch unschätzbar wertvoll finde, sind die vielfältigen Angebote und Netzwerke, die dort gemacht werden. Toller, inspirierender, wertvoller Austausch (in der Regel auch wertschätzend!) findet dort statt und jede und jeder hat dort die Möglichkeit, für sich passende Kontakte zu knüpfen. Ich gestalte meinen Anteil daran gerne mit…

Während dieser 3 Jahre hat sich vieles bewegt. Als ich als Bloggerin mit dem Thema Trauer startete, gab es noch nicht allzu viele, die im Netz zu den Themen Sterben, Tod und Trauer veröffentlicht haben. Mittlerweile gibt es eine tolle, sichtbare, starke, bunte, vielfältige Community!
…hm, da fällt mir mal wieder auf, dass meine Ver-LINK-te Trauer… bei weitem nicht alle Lieblingsseiten zeigt. Da geht noch was ;0)

The dash…

Als Geburtstagsspecial möchte ich ein englischsprachiges Gedicht mit dir teilen, das eine liebe Freundin im Irland-Urlaub entdeckte… Ein laminierter Zettel im Gras, ziemlich unscheinbar und doch so wertvoll mit seinen Worten, wie ich finde:

the dash – poem by Linda Ellis

I read of a man who stood to speak
At the funeral of a friend.
He referred to the dates on the tombstone
From the beginning… to the end.

He noted that first came the date of birth
And spoke of the following date with tears,
But he said what mattered most of all
Was the dash between those years.

For that dash represents all the time
They spent alive on earth.
And now only those who loved them
Know what that little line is worth.

For it matters not, how much we own,
The cars… the house… the cash.
What matters is how we live and love
And how we spend our dash.

So, think about this long and hard;
Are there things you’d like to change?
For you never know how much time is left
That still can be rearranged.

To be less quick to Anger
And show appreciation more
And love the people in our lives
Like we’ve never loved before.

If we treat each other with respect
And more often wear a smile…
Remembering that this special dash
Might only last a little while.

So, when your eulogy is being read
With your life’s actions to rehash…
Would you be proud of the things they say
About how you lived your dash?

(„The Dash Poem“ von Linda Ellis)

Ich weiß nicht, wie es dir geht – mir ist dieser Text sehr ans Herz gegangen… Dieser Strich, dieser Gedankenstrich zwischen zwei Daten… Wie häufig kommt er uns erst ins Bewusstsein, wenn er feststeht: wenn ein Leben zu Ende gegangen ist.
So häufig ist das Bewusstwerden dann mit dem Gedanken verbunden „hätte ich/er/sie/es doch…“ oder „warum?“… Das schmerzt dann fies, oder?

Reflexion…

Vielleicht ist es mit Mitte 40 im Leben eh „dran“, Rückschau, Innenschau und Vorausschau zu betreiben… Ich kann allerdings nicht mit Sicherheit sagen, dass ich diese Reflexion ohne Andreas‘ Tod angegangen wäre.
Wie auch immer: ich fühle mich dankbar, dass ich nun so bewusst durchs Leben gehe. Nein, nicht immer in jeder Minute und auch nicht an jedem Tag – aber sehr häufig:

Ich hole mir diesen „-“ ins Bewusstsein und prüfe, wie ich ihn für mich gestalten kann. An verrückten, glücklichen Tagen würde ich ihn am liebsten schnappen, aufpusten und mit dem entstandenen Luftballonstrauß durch die Gegend hüpfen. An nicht so leichten Tagen würde ich ihn lieber nur mit Bleistift ziehen oder noch lieber einfach übermalen.
Wenn ich schon jetzt zurückblicke, mir meinen „-“ anschaue: ui, da ist ordentlich was los. So ein mit Tastatur getippter Bindestrich wird dem in keinster Weise gerecht. Und das ist gut so! Das Leben ist bunt!

Heute…

Ich schaue heute auch auf so einen „dash“: 1. Juli 2017 – 1. Juli 2020

Ich habe mit-bewegt und mitgeholfen, das Thema Trauer aus der Tabuzone zu holen. Darauf blicke ich nun ein wenig stolz zurück. Gleichzeitig habe ich vor, weiter mit-zu-bewegen… Denn, es gibt trotz aller Sichtbarkeit noch immer viel Handlungsbedarf. Da schwirren mehrere Ideen in meinem Kopf… Wollte auch längst endlich mal wieder etwas fürs Trauer-Radio aufzeichnen undundund…
Gab es zwischendurch einmal den Gedanken, den Blog zu schließen und quasi einen Punkt hinter diesen Blog-Zeitraum zu setzen, fühlt es sich jetzt gerade anders an:

…ich darf hinter diesen Zeitraum die von mir über alles geliebten „…“ setzen, denn es geht ja weiter ;0)
Wie und in welcher Intensität, das weiß ich Stand heute noch nicht. Wie lang und wie dick der Strich werden wird, zeigt sich beim Weitermachen <3

…und ich frage dich:

How do you intend to live YOUR dash?

Rezension: „Wenn Trauer spricht“ von Kai Sender

Rezension: „Wenn Trauer spricht“ von Kai Sender

Ich habe von Kai ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen und freue mich sehr darüber: Dankeschön!!!

Kai betreut den Trauer-Chat auf trauer.de (siehe auch Ver-LINK-te Trauer…) und setzt sich dort sehr engagiert dafür ein, dass Trauernde sich als Selbsthilfegruppe online finden können.

Zugegebenermaßen habe ich das Buch mittlerweile schon sehr lange im Regal stehen und es hat mir häufig genug zugezwinkert „Hey, hallo?!? Du hattest eine schriftliche Rückmeldung versprochen – was ist denn nun?“

Ha! Heute nun ist es soweit: ich schreibe ein paar rezensierende Worte, damit ihr vielleicht ein wenig extra-Lust bekommt, euch das Buch zu kaufen…?

Ich kenne Kai nun eine Weile und habe ihn als herzensguten Menschen kennengelernt, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Zwei Eigenschaften von vielen, die ihn besonders ehren, finde ich… Nebenbei bemerkt, ist er der Mann meiner Trauerbegleiterin Gisela Sender – also keineswegs eine zufällige Namensgleichheit ;0)

Wie ist es denn nun?

Im „Chat-Style“ gedruckt, liest es sich erfrischend anders als Trauer-Ratgeber. Das Layout ist sehr abwechslungsreich und kitzelt das Auge: Textseiten schwarz auf weiß, Texte weiß oder gelb auf schwarz, viel Gelb, grau hinterlegte Kurznachrichten, Sinnsprüche auf farbigen Bildern,…
Beim Durchlesen-am-Stück war mir das ehrlich gesagt etwas „too much“. Als ich das Buch aber jetzt anlässlich der Rezi wieder in die Hand genommen habe, fand ich das wiederum gut: das Buch ist ja nicht so geschrieben, dass man es von vorne bis hinten durcharbeiten „muss“, sondern man kann sich sein passendes Thema aussuchen. So kann ich das Buch durchblättern und mich inspirieren lassen, an welcher Stelle ich mit dem Lesen beginnen möchte.

Ein kleiner Einblick ins Trauerbuch
Buchausschnitt „Wenn Trauer spricht“

Kai zitiert aus Kommunikationssträngen im Trauer-Chat, ergänzt angenehm lesbare Hintergrundinformationen, die die Lesenden nicht überfordern. Die Formulierung finde ich sehr unpathetisch – ich werde abgeholt, statt mich mit erhobenem Zeigefinger belehrt zu fühlen.

Erinnerungen, Schuld, Freundschaften, Feiertage, Einsamkeit, Spirituelles… Kai macht den Fächer breit auf und findet einen guten Mix aus Chat-Zitaten und Fachinformationen.

Manche Zitate „erwischen“ einen in ihrer puren und ergreifenden Wortwahl. Am liebsten habe ich noch immer dieses hier – das hat es auch aufs Cover des Buches geschafft ;0)

„Bist du etwa immer noch traurig?“

„Ja, denn er ist immer noch tot.“

Fazit: Ein Buch, in dem in erster Linie Trauernde zu Wort kommen – so fühlt man sich als Trauernde/r weniger alleine auf der Welt. Hintergrundinformationen bilden eine wichtige Informationsquelle zum besseren Verständnis von Trauer.
Lesenswertvoll!

Verlag: BoD – books on demand
ISBN: 978-3748139973

„Wenn Trauer spricht“

Lieblingsessen…

Lieblingsessen…

Ich grüble seit dem Wachwerden: Was war dein Lieblingsessen?!
…es will mir nicht einfallen… Erst hat mich das ganz traurig gemacht. Wieso weiß ich das nicht mehr? Weshalb finde ich keine Erinnerung dazu? Vergesse ich?

Fakt ist: ich könnte es dir heute nicht kochen, weil es mir nicht einfallen will… Fakt ist auch: das macht nichts, denn du bist nicht hier…

Das 6. Mal schon…

Der sechste Geburtstag, den du nicht mehr mit uns gemeinsam feierst… 54 Jahre könnten wir heute feiern – wenndenndann…
Nein, heute gibt es keine Party, kein Erinnerungsfeiern. Mir ist nicht danach.
Aber ich fühle mich dir heute ganz besonders verbunden, bin in Gedanken bei dir.

„Du bist ein Geschenk…“

Was für eine tolle Wertschätzung, wenn man so etwas gesagt bekommt, oder? Ich fühle mich reich beschenkt, dass ich Menschen in meinem Leben habe, die solche Sätze zu mir sagen und denen ich solche Sätze sagen mag.
…tja, und diese Menschen sind nur in meinem Leben, weil du nicht mehr da bist… Das fühlt sich ein wenig traurig an – aber tatsächlich nur ein wenig…

Denn… eigentlich bist du gar nicht so weg, wie ich das anfangs dachte (am Anfang der Trauerzeit). Es ist tatsächlich eine Verbundenheit geblieben und als Teil von mir, von meinem Leben, gehst du weiter mit mir mit. Jede/r auf der jeweiligen Seite… Zu spirituell? Zu abgedreht? Nein, finde ich nicht. Ich fühle mich frei, weil da diese Verbindung besteht. Ob das andere auch so fühlen, kann mir dabei gleichgültig sein.

Vor ein paar Tagen hast du mich im Traum besucht. Das war voll schön, denn ich hatte gar nicht mit dir gerechnet… Dein Bild war in meinem Alltag gar nicht so recht präsent. So war es schön, kurz mit dir zu reden – allerdings traumgesteuert, ich hatte da keinen direkten Einfluss… Ich glaube, das war ziemlicher Blödsinn, den wir da geredet haben ;0)

Rosenkohlabenteuer…

Nun ist mir auch eingefallen, dass es wohl gar kein Lieblingsgericht gab, das dein absoluter Favorit war. Du warst einfach stets sehr „dankbar“ beim Essen, hattest keine großen Ansprüche. In einem Haushalt groß geworden, in dem das Kochen eher „Glückssache“ war (wie oft habe ich wohl die Augen verdreht, wenn du mal wieder getönt hast, wie lange es angeblich gedauert habe, bis du wusstest, dass Rosenkohl beim Kochen nicht braun werden muss – hahaha…), hatte das Essen keine große Wichtigkeit.

Essen gehen, sich im Restaurant verwöhnen lassen – das hast du geliebt…
In diesen Zeiten ist ein Restaurantbesuch nicht so schön, wie er sein müsste, um dich zu feiern… Wir holen das nach, ja?

Auf dich!

Trauer muss nicht immer traurig aussehen...
…du fehlst!

Alles Liebe zum Geburtstag!!!

Rezension: „Trauer durchleben“ von Stefan Bitzer

Rezension: „Trauer durchleben“ von Stefan Bitzer

Ich kann es gar nicht recht fassen… So richtig persönlich und live habe ich „den Bitzer“ erst vor 1 Jahr getroffen (auf der Messe „Leben und Tod“ in Bremen war das). Es fühlt sich an, als kennten wir uns schon irre lang…

Stefan ist Trauerbegleiter, Trauerredner, Trauredner (man bemerke die Wortähnlichkeit…), Vorsorgeberater und noch vieles mehr.
Ich schätze seine Ehrlichkeit, seinen Humor und seine Echtheit ganz besonders.

…was er selbst über sich sagt, findest du auf seiner Website *klick*.

„Ich will ein Buch von dir“ war ein Spruch, der uns viel Spaß gemacht hat – ich hatte Glück und habe eines geschenkt bekommen… Danke!

Buch Trauer von Stefan Bitzer

„Trauer durchleben“


Ich habe das Buch nun seit einem Jahr immer dabei, wenn ich „in Sachen Trauer“ unterwegs bin. Es ist klein, handlich und behandelt vermutlich alles, was einem in der Trauer begegnen kann.

Wie ist es denn nun?

Klein, aber oho! Ein tolles Buch, das ich gerne weiterempfehlen mag.

Es ist klein und passt daher in jede Tasche zum Mitnehmen und nach und nach Lesen. Stefan Bitzer schafft es, sehr klar und knapp wesentliche Themen der Trauer zu umschreiben. Ich bin fasziniert, wie wenig Worte ausreichen und finde es extrem angenehm, dass nirgends das Gefühl aufkommt, der Autor mache Vorgaben oder Ratschläge (= Schläge) im Sinne von „du musst nur dies oder jenes tun, dann geht es dir besser.“ Jedes kleine Kapitel endet mit Impulsen (einen für die Gedanken/Gefühle, einen fürs Handeln), die so „geschmeidig“ formuliert sind, dass man sich gerne inspirieren lässt.

Dieses Buch dient beiden Seiten: jedem/r Trauernden und allen, die Trauernden begegnen. Gerne mehr davon!

Prädikat: lesenswertvoll

Verlag: Down to Earth
ISBN: 978-3862709120


Lesung online bei „Leben und Tod – vernetzt“

Lesung online bei „Leben und Tod – vernetzt“

Die Messe „Leben und Tod“ wurde für Bremen abgesagt – jedoch fand sie online statt. Kostenfrei für alle gemeinsam von zu Hause.

Am 8.+9. Mai 2020 gab es ein beeindruckendes Live-Programm, die Aussteller, die wir eigentlich live getroffen hätten, stellen sich auf der Website vor und zusätzlich gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm anzuschauen… Alle Programmpunkte sind noch auf der Website verfügbar *klick*.

Screenshot von der Website http://www.leben-und-tod-vernetzt.de

Ich habe mich am Rahmenprogramm mit einer Lesung beteiligt. Hier findest du den Link direkt zu YouTube.

Da berühren sich Himmel und Erde…

Da berühren sich Himmel und Erde…

Dies ist mein Beitrag im Rahmen der März-Blogaktion vom Totenhemd-Blog:

„Wo spaziert der Tod durch euer Bild?“

Ich muss gestehen, dass ich nicht sofort inspiriert war, teilzunehmen – genau genommen: gar nicht. „Tolle Aktion, aber dieses Mal ohne mich!“ waren meine Gedanken… Mein Fokus war so ganz woanders und mir fiel nichts ein…

Nunja, irgendwie sperrt sich der Beitrag noch immer sehr vor mir – wenn ich meine Gedanken hier so festhalte und veröffentliche, werden sie noch ein wenig realer… Will ich das überhaupt?
Bekloppt? Ja, ein wenig… Manchmal hätte ich einfach ein wenig weniger Realität…

Tja, nun liest du hier von mir… Wie kommt das?!

Einwurf (abschweifende Gedanken): ich muss immer Tränen verdrücken, wenn ich den Titel dieses Beitrags lese… Kennst du das Lied dazu? Das hat die liebe Christine Kempkes neulich geteilt und es ging mir *zack* direkt ins Herz – ja, und auf die Tränendrüse ;0)
So, nun habe ich es nebenbei in ungefähr 5 unterschiedlichen Varianten gehört – nun geht’s, keine Tränen mehr…
Einwurf-Ende…

Wir sind wohl alle momentan im Ausnahmezustand und der Tod ist täglich allgegenwärtig – man muss schon sehr gut wegschauen, um ihn nicht durchs Bild huschen zu sehen (genau genommen huscht er gar nicht, sondern ist laut und groß und präsent)…

…von diesem Ausnahmezustand handelt mein Text jedoch nicht.

Sondern?

Da gibt es diesen Menschen, den ich Freundin nenne – obwohl wir uns weder besonders lange noch besonders intensiv kennen, habe ich bei ihr das Gefühl, unsere Seelen hätten schon einmal gemeinsam auf einer Wolke gesessen und mit den Beinen gebaumelt.
…und gekichert hätten sie ganz sicher!

Diese wunderbare Frau schleppt schon seit einigen Jahren eine Krebserkrankung mit sich mit – und das macht sie so mutig, offensiv und vorbildlich, dass ich jedes Mal den Hut vor ihr ziehen wollen würde.
Lange Zeit hat sie dem Krebs den Stinkefinger gezeigt… Nun revanchiert er sich. Was für ein Sch…

#KrebsisteinArschloch

Sie geht weiter ihren Weg und teilt ganz viel davon mit ihrer Community. Ich bin ganz doll stolz auf sie, dass sie das so macht, wie sie es eben macht – auf ihre ganz eigene Weise…

Ich könnte nun einfach die Augen schließen oder woanders hinschauen… „Den Tod?! Hab ich nicht gesehen…“ *pfeif*
Puh, hab ich aber nicht hinbekommen.
Stattdessen hat sie wieder einmal angeklopft: die Endlichkeit.
Vor knapp einem Jahr hatten wir auf der Messe „Leben und Tod“ in Bremen einen Riesenspaß in der Fotobox. Zu fünft haben wir in verschiedenen Konstellationen Fotos geschossen, die jeweils mit dem Aufdruck „ich werde sterben“ aus dem Drucker kamen. Total witzig, denn das ist ja kein großes Geheimnis – gilt doch eh für jede und jeden von uns.
Uff, nun wird der Aufdruck greifbarer… Bald wird eine von uns nicht mehr bei uns sein. Bin ich dann die Nächste?!
Völlig irrational und sinnfrei, ja… Schließlich ist das definitiv außerhalb meiner Kontrolle – hättewärekönnte ja auch sein, dass ich zuerst „dran“ bin?!?
…ich habe trotzdem geheult.

Ich versuche, dieses Gedankenkarussell zu stoppen und rufe einfach mal ganz laaaaaaut:

Jetzt noch nicht!!!

Ich will nicht, dass sie geht und ich will nicht, dass ich gehen soll und ich will auch nicht, dass überhaupt irgendwer jetzt schon gehen soll…

Ich freue mich über jeden Tag Aufschub, der uns vergönnt ist. Und ich bin gerade wieder sehr bei mir und beim „heute“. Auf Social Media habe ich gerade das Geheimnis von Beppo Straßenkehrer aus „Momo“ von Michael Ende geteilt… Schritt für Schritt… Strengt man sich zu sehr an, kriegt man es mit der Angst zu tun und ist zum Schluss ganz außer Puste.
Ich versuche, wieder bewusster einen Tag nach dem anderen zu leben, so gut wie ich es kann…

Einwurf (abschweifende Gedanken):
Zwei Seelen sitzen beinebaumelnd auf einer Wolke und kichern vor sich hin… Wackelt die eine mit den Bömmeln: „weißt du, warum die nicht endlich alle hierher zu uns kommen?“ Antwort der anderen mit bömmelnden Bömmeln: „nö, aber die wissen halt einfach nicht, wie schön’s hier ist…“
Einwurf-Ende…

Humor hilft durch Tiefs…

Wenn man herumalbert, kann man nicht gleichzeitig trauern – oder? Doch, natürlich bleibt die Trauer da, aber sie wandert für den Moment in den Hintergrund. Ab und an hilft mir das sehr, schwere Phasen durchzustehen.
Mittlerweile bin ich gut darin, mit mir ganz alleine herumzuulken. Ich setze mir Bömmel auf, wackle wie wild damit und versuche, möglichst viele unterschiedliche Grimassen einzufangen… Zu schlicht für dich? Probiere es doch einmal aus?!

Wer Quatsch macht, kann nicht gleichzeitig trauern...
(c) Selbstportrait mit wackelnden Bömmeln (daher sind sie unscharf)

Worte an eine einzelne Leserin, die das hoffentlich liest: Ich danke dir (ja, genau du bist gemeint!) für die Inspiration, immer etwas zum Aufheitern greifbar zu haben! Du bist meine Lieblingsbömmelfrau und ich habe bestellt, dass du noch zu einer meiner Lesungen kommen können sollst. So!


In meiner Phantasie berühren sich gerade Himmel und Erde – und jemand flüstert mir zu:

„Bleib ganz ruhig… Es gibt Verbindungen, die bleiben!“

Rezension: „Männer trauern anders“ von Thomas Achenbach

Rezension: „Männer trauern anders“ von Thomas Achenbach

Schon ganz zu Beginn meiner Bloggerinnen-„Karriere“ bin ich Thomas Achenbach begegnet. Unser Interview aus 2017 kannst du hier (*klick*) nachlesen.

Thomas ist Journalist und Trauerbegleiter und sorgt wie ich eifrig dafür, dass das Thema Trauer in der Gesellschaft mehr Aufmerksamkeit bekommt. Als Mann hat er einerseits möglicherweise einen anderen Blick auf Trauer – in jedem Fall hat er viel Erfahrung in der Begleitung von trauernden Männern und stellt seine Perspektive in seinem Buch wohl recherchiert und fundiert zur Verfügung.

Ich freue mich sehr, dass Thomas dieses Buch veröffentlicht hat – fragt man sich doch als Begleitende/r häufig, wie man denn trauernde Männer erreicht. Brauchen sie Begleitung? Brauchen sie vielleicht etwas ganz anderes?
Sind Männer wirklich „anders“? Ist nicht jede und jeder in ihrer/seiner Trauer per se individuell? Ja, schon. Und doch fällt doch gerade in der Trauerbegleitung auf, dass nur vereinzelt Männer an Gruppenangeboten teilnehmen. Der Frauenanteil in den Gruppen ist im Vergleich enorm hoch.
Dennoch stellt jawohl niemand in Frage, dass Männer auch trauern – oder?!

„Männer trauern anders – was ihnen hilft und gut tut“


Thomas zeigt in seinem Buch ein Verständnis für die männliche Art, mit Trauer umzugehen. Er verstrickt sich dabei jedoch nicht in eine klischeehafte Darstellung, sondern zeigt Möglichkeiten auf.

Wie ist es denn nun?

Es gefällt mir sehr, dass das Buch in thematische Kapitel aufgeteilt ist. So kann ich selbst entscheiden, in welcher Reihenfolge ich lesen möchte – oder ob mich gerade ein Kapitel speziell interessiert.
Etwas irritiert haben mich die vielen Fußnoten. Diese zeugen aber von Thomas‘ sorgfältiger Dokumentation seiner Recherche. Vielleicht auch eine männliche Darstellungsweise?! ;0)

Im Buch finden sich zahlreiche Beispiele aus seiner Praxis als Trauerbegleiter. Sie holen das Thema nah heran und bieten Handlungsmöglichkeiten. Erwähnenswert finde ich auch, dass ein Kapitel auf das Thema Arbeitsplatz eingeht. So wichtig.

Fazit: Rundum viele Informationen, um den eigenen Blick zu weiten. Also tatsächlich „ein Buch, das hilft, trauernde Männer besser zu verstehen und zu begleiten.“
Eine wirkliche Bereicherung für die Trauerliteratur. Danke, Thomas!

Verlag: Patmos Verlag
ISBN: 978-3843611312


Kurzinterview mit dem Autor

Anja: Lieber Thomas, aus ganz privaten Gründen habe ich es erst jetzt geschafft, eine Rezi zu deinem Buch zu schreiben (Asche auf mein Haupt!). Gratuliert habe ich dir bereits, gelesen habe ich es mit Freude. Herzlichen Dank an dich und den Patmos-Verlag, dass ich ein Rezensionsexemplar erhalten habe!

Thomas: Also, mal ganz ehrlich: Die Frage, wieviel Asche da über wessen Haupt ausgestreut gehört, fällt aus meiner Sicht ziemlich ungünstig für mich aus. Ich habe es ja selbst noch nicht geschafft, etwas über Dein Buch in meinem Blog zu veröffentlichen. Und wo Du jetzt mein Buch rezensiert hast, wären an den Kopf geworfene Kohlestücke statt Asche sicher die angemessene Reaktion…

Okay… (Kohlestückewerfundlach)
Du hast nun mittlerweile einige Lesungen gehalten – ist das für dich anders als Workshops oder Vorträge?

Ehrlich gesagt: Ich habe noch gar nicht so viele Lesungen gehalten. Eine für Osnabrück geplante ist leider ausgefallen, jetzt in Paderborn steht wieder eine Lesung auf dem Programm. Ansonsten war ich viel mit Workshops und mit Vorträgen unterwegs. Und das ist jedes Mal was ganz Anderes. Bei Workshops lasse ich die Teilnehmer viel selbst erarbeiten und bin vor allem darum bemüht, die Energie im Raum zu managen – und dann im zweiten Schritt die Inhalte -, und bei Vorträgen ist immer spannend, wie sich am Ende die Diskussionen entwickeln. Ein Vortrag ist für mich selbst das am wenigsten Anstrengende – nach Workshops bin ich manchmal echt erschöpft. Das ist dann aber ein gutes Zeichen, dann war es eine gute Gruppe, die viel mitgemacht hat und ganz wissbegierig gewesen ist.

Ohja, das mit den Workshops kann ich gut nachempfinden (Vorträge habe ich bislang noch nicht gehalten). Da wünsche ich dir aber noch ein paar Lesungen – da ergibt sich meist auch noch ein anderer Austausch, finde ich.

Dein Buch ist nun fast 1 Jahr auf dem Markt – gibt es für dich neue Erkenntnisse, die du ergänzen würdest? Gibt es ein weiteres Buch?

Ich habe nach jedem Vortrag und nach jeder neuen Begegnung wieder neue Impulse mitnehmen dürfen, das sind sehr wertvolle Erfahrungen, für die ich sehr dankbar bin. Immer mal wieder bin ich in jüngster Zeit gebeten worden, Beiträge für Zeitschriften zu schreiben, entweder aus dem Hospizsektor oder einmal sogar aus dem Bereich Psychologie und systemische Beratung. Da merke ich dann, wie diese neuen Erfahrungen in die Texte mit einfließen. Das ist alles ein Prozess. Würde ich das Männerbuch jetzt nochmal schreiben, wäre es schon an manchen Stellen ein anderes. Ein zweites Buch wird es geben, allerdings zu einem anderen Thema, nämlich Trauer am Arbeitsplatz. Ich hatte die Ehre, diesmal für den Campus-Verlag schreiben zu dürfen – das kommt am 11. März raus („Mitarbeiter in Ausnahmesituationen –  Trauer, Pflege, Krise“). Mit kleinem Augenzwinkern gefragt: Willst Du ein Rezensionsexemplar?

Uuunbedingt! Ja, bitte! Das Thema finde ich hochspannend und es ist so wichtig, dass sich da was tut – wie schön. Petra Sutor veröffentlicht auch zu dem Thema, dann gibt es gleich doppelten Sachverstand auf dem Büchermarkt. Ich bin begeistert!
Sag mal, so von Autorin zu Autor – hast du immer ein Buch dabei, um es bei Bedarf zu zücken?
(lach)

Da juckt es mir in den Fingern, die Gegenfrage zu stellen: Hast Du denn? Also, ich bin ziemlich oft ohne mein Buch unterwegs, wenn ich so mal kurz darüber nachdenke…

Hm, das Buch eher selten, aber ich habe in der Regel Flyer in der Tasche – nur denke ich meist im Gespräch nicht dran oder traue mich nicht… Da kann ich vielleicht noch dran arbeiten, hihi.

Sag mal, eine Frage habe ich noch, die mich brennend interessiert, aber vielleicht ein wenig heikel ist…: Ist das Absicht gewesen, das Buch so zu nennen wie das eines anderen Trauerbegleiters?!?

Das ist eine wichtige Frage, die sich viele stellen. Ich bin mit allem, was der Patmos-Verlag entschieden hat – übrigens auch mit dem Lektorat, das ich erfahren durfte – in höchstem Maße einverstanden. Bei der Frage nach dem Titel hatten wir „Männer trauern anders“ immer nur als Arbeitstitel stehengelassen. Als es am Ende um die Frage ging, wie das Buch nun wirklich heißen soll, wollte der Verlag den Titel am liebsten stehenlassen. Ich habe dann darauf aufmerksam gemacht, dass es bereits zwei Bücher mit gleichem Titel gibt – das von der Psychologin Elizabeth Levang aus dem Herder-Verlag, gibt es derzeit nur antiquarisch, und das im Selbstverlag herausgegebene von Martin Kreuels. Daraufhin hat Patmos noch einen Untertitel ergänzt. Mein Buch heißt ganz korrekt „Männer trauern anders – was ihnen hilft und gut tut“. Martin Kreuels war damit verständlicherweise nicht so wirklich einverstanden, aber wir haben das auf der Messe Leben und Tod dann besprechen können, dafür war ich dankbar. Ich bin zwar diesmal das erste Mal mit etwas Magenzwicken zur Messe gefahren, aber es war gut und wertvoll, diese Chance auf dieses Treffen zu haben. So kam das.

Siehst du – gut, dass ich mich getraut habe, die Frage zu stellen. Danke!
Danke auch für dieses Interview. Ich habe mich sehr gefreut, dass du dir die Zeit genommen hast.
Bleibt mir jetzt, deinem Buch einen guten Weg in die Welt zu wünschen – möge es viele erreichen!!!

Thomas Achenbach (Foto von Stefanie Hiekmann)

(c) Stefanie Hiekmann

Fällt aus – Lesung am 24.03.2020

Fällt aus – Lesung am 24.03.2020

…ungewöhnliche Umstände erfordern ungewöhnliche Maßnahmen: wir haben uns entschieden, die geplante Lesung bei Tee Gschwendner abzusagen.

Es wird einen neuen Termin geben – den können wir jedoch erst festlegen, wenn die Situation überschaubarer ist…

Auf diese Lesung hatte ich mich ganz besonders gefreut und es hat weh getan, diese Entscheidung zu treffen. Jedoch ist es momentan die einzig vernünftige Option.


In diesem Moment…

In diesem Moment…

Jedes Jahr erneut finde ich es schwierig, den Jahreswechsel zu feiern. Als eher trockenhumorig veranlagte Sprotte fällt es mir per se schon schwer „auf Knopfdruck lustig“ zu sein und quasi gezielt lustig auf eine Veranstaltung zu gehen (im Spontanfeiern bin ich hingegen ganz groß ;0).
Feste Termine wie eben Silvester sind solche Veranstaltungen, die mir irgendwie auf den Zeiger gehen – es wird gefeiert, ob „man“ will oder nicht.

Dabei sind wir doch alle groß und mündig genug, um für uns zu entscheiden, wann und mit wem wir feiern mögen… Und auch wie fröhlich diese Zeit verbracht wird – es liegt bei uns.

Manchmal vergesse ich diese Mündigkeit und fühle mich unter Druck gesetzt…
Spätestens im November kommen doch die ersten Fragen:

„Und?! Was machst du Silvester?“

…und zu dem Zeitpunkt will ich das noch gar nicht beantworten – und doch: den richtigen Zeitpunkt, um eine Feier zu bekommen, wie sie mir liegt – den mag ich nicht verpassen…

Ist das nun ein „Trauer-Phänomen“?! Nee, ich fand Silvester schon immer ziemlich doof und anstrengend.
Allerdings hatte ich in Partnerschaft stets die Wahl: Feiern oder gemütlich zu Hause bleiben… Nie musste ich in Betracht ziehen, alleine zu bleiben, denn ich war ja

Teil eines „Wir“

Mit dem Tod des Partners (oder der Partnerin) endet dieses „Wir“ abrupt und neben dem Schmerz des Verlustes stellt sich die Frage nach einer neuen Rolle: wer bin ich, wenn ich nicht mehr „die Frau von…“ bin?!
Dann kommt hinzu, dass Parties wie Silvester dafür prädestiniert zu sein scheinen, sie als Paar zu verbringen.

Bist du auf eine Feier eingeladen? Fühlt es sich an, als seist du der einzige Gast, der alleine kommt? Ich kann das Gefühl so gut nachvollziehen…
Fritz kommt mit Frieda, Hein und Kuddel sind auch als Frischverliebte dabei, Hans und Rita das alte Ehepaar, Gundel und Gundula glucken wieder den ganzen Abend zusammen,… Pärchen, Pärchen, Pärchen,…
Früher, ja früher warst du Teil eines Paares unter vielen… Seufz…

Aaaber hast du „damals“ auch XY gesehen, die alleine dazu gekommen ist? Sah sie glücklich aus? Hat sie ganz selbstverständlich mitgefeiert? Oder war sie eher bedrückt und wirkte, als fühle sie sich unwohl…? Hast du dich zu ihr gestellt und dich mit ihr unterhalten, gelacht, ernst geredet,…?
Ist es in deinem Freundeskreis selbstverständlich, dass jeder so willkommen ist, wie er eben gerade ist?

Also: es liegt an deinem Umfeld, an deiner Wahrnehmung, es liegt an deiner Einstellung, deiner Laune, deiner Stimmung,… Vielleicht fühlt sich das unkontrollierbar an, aber das ist es keineswegs: du hast es in der Hand!

Wäge doch in Ruhe für dich ab: möchtest du feiern? Ja/nein? Wenn ja: in welcher Gesellschaft fühlst du dich aufgehoben/getragen? Oder magst du alleine für dich feiern? Wenn nein: was tut dir gut? Kannst du den Abend gut alleine verbringen oder brauchst du eine Art „Backup“, falls es dir doch schlecht geht? Das Wichtigste aus meiner Sicht ist eine gesunde Selbstfürsorge…

Ich habe das erste Silvester ohne Andreas alleine verbracht. Es gab etwas Leckeres zu essen, Fernsehen und dann früh zu Bett. Ich wollte diesen Zauber nicht mitfeiern. Ich habe es gehasst, dass die anderen fröhlich gefeiert haben – dabei spürte ich einfach nur bodenlosen Schmerz und Vermissen. Trotzdem war es für mich die richtige Entscheidung, mich zurück zu ziehen.
Ich möchte dir gerne ans Herz legen, dass du genauso für dich prüfst, was für dich richtig ist.

Bei allem Tamtam um den Jahreswechsel… Der 31.12. ist doch trotzdem einfach

Ein Tag wie jeder andere…

Das Zählen der Tage ist menschenerdacht, nicht per se gegeben… Und in anderen Kulturen wird ein anderer Tag gefeiert…

Ob nun heute oder an einem anderen Tag: Wenn dieser vergeht, beginnt ein neuer Tag, eine neue Möglichkeit!
Macht dir das neue Jahr Bammel? Es ist auch „nur“ ein Tag nach dem anderen aneinandergereiht. Aufstehen, durchhalten, überleben,… Und mit jedem neuen Tag darf neues Leben zu dir kommen – du schaffst das!

Ich verbringe diesen Abend in Lieblingsgesellschaft. Dort bin ich willkommen, wie ich bin: fröhlich, nachdenklich, traurig, enthusiastisch, lachend, weinend,…

Um Mitternacht bin ich voraussichtlich am Meer und proste dir von dort aus zu:

Lass das Licht in dir scheinen…

Leuchtend hell oder zart und zögerlich… Ich werde dich sehen und dir gute Wünsche schicken – kannst du es spüren?!

…in diesem Moment!