Eigentlich…

Eigentlich…

Eigentlich ist alles gut – Zustand: zufrieden und glücklich!

Uneigentlich spüre ich diese Traurigkeit in mir… Oder ist es Sehnsucht? Sehnsucht nach dem, was einmal war…? Oder Vermissen? Ich weiß auch nicht… Es ist halt, wie es ist.

In meinem Kopf ist jedenfalls eine riesengroße 4…

Das vierte Mal… Schon der vierte Geburtstag, den wir nicht mit dir gemeinsam feiern können. Das will einfach nicht in meinen Kopf. Wie kann das sein? Wo ist die Zeit geblieben? (naja, einmal kurz in den Spiegel geblickt – da sind ausreichend Zeichen der Zeit, die diese Zeitspanne bestätigen ;0)

Trotzdem stolpere ich immer und immer wieder über diese Fassungslosigkeit. So viel Zeit ist vergangen – ohne dich. Irgendwann in naher Zukunft werde ich mehr Zeit „nach dir“ verbracht haben als „mit dir“.
Das macht mich irgendwie traurig.

Nur: was ist eigentlich „Zeit“ in diesem Zusammenhang? Ist nicht viel bedeutungsvoller die Intensität, die Nähe, die man verspürt oder verspürt hat?

Weitergehen…

Schwierig zu fassen ist eher das Gefühl, dass man „so lange schon“ doch weitergehen konnte. Und das auch noch so erfüllt, glücklich und aufregend. Wie geht das?!? Dachte ich doch nach Andreas‘ Tod, dass mein Leben – wenn überhaupt – nur dunkel und schwer weitergehen kann…
Schmerzhaft erinnere ich mich an diese Sprüche nach dem Motto „ach, das wird schon wieder“ – wie oberätzend war es, das in tiefster Trauer zu hören. Auch wenn man jetzt wo es mir gut geht meinen könnte, dass an diesem schlauen Spruch doch etwas Wahres ist – ich empfinde das nicht so. Nein, es wird nicht wieder! Es wird anders, ja! Und es wird auch wieder gut und schön, ja! Aber es macht den Tod nicht weniger schwer und es schmälert auch nicht die Gefühle… Und vor allem wird es nie mehr, wie es war.

In den letzten Tagen läuft im Radio ständig U2… Ja, es ist sicher eine Laune der Radiomoderatoren, was sie auf die Playlist setzen und sicher auch stimmungsabhängig, ob und wie man das überhaupt wahrnimmt – aber gleich morgens zum Frühstück ist das irgendwie wie ein Boxhieb in den Magen.
Von meinen selbst erstellten Playlists habe ich U2 jedenfalls (vorerst) verbannt.

Beim Grübeln hatte ich zuerst das Gefühl, dass mich diese Schwere zurück in die Vergangenheit zieht… Geht es mir jetzt so schlecht wie früher?
Und dass sie gleichzeitig große Fragezeichen an die Zukunft malt… Muss ich immer und immer und immer wieder durch diese Schwere stapfen?
Aber: nein! Diese Schwere ist hier und gerade jetzt und hat wieder eine Aufgabe für mich mitgebracht: Annehmen, was da ist. Erneut.
Und akzeptieren, wie ich nun mal bin. Mit allen Facetten. Leicht und schwer zugleich.

Kraft tanken

Im Wald am Meer, da fühle ich mich dir – mir – uns nah. Dort die Ruhe unter den Buchenblättern genießen, dem Vogelgezwitscher und Blätterrascheln lauschen, das Meer rauschen hören… Einfach sein und atmen. So wohltuend!
Ja, ich werde auch einen Baum umarmen und Kraft tanken. Und an meinem Lieblingsplatz sitzen und auf die Ostsee hinaus schauen… Und (mindestens) die Füße ins Wasser stecken. Ich freue mich drauf!

Es ist herrlichstes Wetter, die Sonne lacht. Für dich zum Geburtstag!

Du fehlst…

Herzlichen Glückwunsch ♥

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Quelle: Pixabay
Chapeau!

Chapeau!

Heute… Heute mache ich mal etwas ganz Seltsames: ich ziehe den Hut vor mir…

Chapeau, meine Liebe! Du bist einfach toll ♥

Huch? Wer mich kennt, weiß, dass das so gar nicht meine Art ist… Ich bin aufgewachsen mit dem Glaubenssatz „Eigenlob stinkt“ und dem quasi omnipräsenten „ach, naja, sooo toll war das jetzt auch nicht.“

Woher kommt also dieser „Ausbruch“?
Ich habe gestern mein E-Mail-Postfach aufgeräumt und wollte „nur mal ganz kurz“ noch nach einer E-Mail-Adresse schauen… Schwupps… Mit dem Hauch einer Sekunde saß ich in der Vergangenheit…

Dieser Ordner mit den E-Mails, die ich geschrieben und erhalten habe, als die Diagnose kam und in den 5 1/2 Wochen danach… als ich verzweifelt war… Ich habe sogar geschrieben, was für eine Scheiß-Angst (sorry, aber dafür gibt es einfach kein „korrektes“ Wort, das diese Wucht ausdrückt) ich habe angesichts der übermächtigen Verantwortung, die da auf mich zu rollte…

In mir tobt und tost es, während ich versuche, diese Zeilen zu formulieren… Es ist kein Schmerz im Jetzt, es ist der Schmerz, den ich damals fühlte… Ich erinnere mich…

Wenn ich könnte – ich würde zurückreisen zu dieser Zeit… Ich würde mich neben mich setzen und mich in den Arm nehmen. Mich selbst festhalten und mit mir aushalten, was da alles auf mich einstürzt…

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Quelle: Pixabay

Das war alles einfach übermenschlich groß und eigentlich nicht aushaltbar.
Ist es vielleicht sogar so passiert? Habe ich als Zukunfts-Anja neben der leidenden und zitternden Anja-2014 gesessen und ihr beigestanden? Wie sonst hätte ich das alles überleben können?!?

Denn… Ich bin da mitten durch. Ich habe mich von meiner Angst nicht einschüchtern lassen… Ich habe mir in der Situation bereits selbst geholfen, indem ich meine Sorgen aufgeschrieben habe…
Spannend finde ich, dass ich mich an das Meiste davon gar nicht mehr erinnern kann…
Ich habe in einer Klarheit kommuniziert, die ein wenig schockierend und doch gerade dadurch so passend war… Und durch diese Klarheit habe ich auch genau die Rückmeldung bekommen, die ich in dem Moment gebraucht habe. Wer schockiert war, hat halt nicht geantwortet – wer das aushalten konnte, hat mir zurückgeschrieben, was mir in der Situation gut tat.
Ich habe darum gebeten, dass man mir nur Ermutigendes schreibt. Mitleid und Schwere hätte ich partout nicht aushalten können – war doch mein ganzes Leben zu der Zeit schon leidig und schwer…

Die Nachrichten, die ich daraufhin erhielt, waren daher motivierend, mitfühlend und haben mich durch die Zeit getragen… Ich danke an dieser Stelle allen, die mir mit ihren Nachrichten in dieser Zeit zur Seite gestanden haben.

Ich habe keinen Schimmer, ob ich mich bereits bedankt habe. Wo sich die Gelegenheit bot, habe ich es sicher getan (bin ja schließlich wohlerzogen ;0)… Dennoch ist es mir wichtig, diesen Dank noch einmal explizit auszudrücken – er kommt aus tiefstem Herzen:

…einfach: DANKE!!!

Was mir auch am Herzen liegt: ich möchte mir selbst danken!!! Ich bin beeindruckt und gerührt, was ich da alles gestemmt habe. Das habe ich unfassbar toll geschafft!

Ich habe in dieser unermesslich niederschmetternden Zeit in meinem Leben gut für mich gesorgt. Das was sooo groß!

Steige ich so richtig tief ein in diese schmerzhafte Phase… Wie unglaublich und unfassbar ist es bitte, dass ich heute lachend und hüpfend durchs Leben gehe? Wie ist das möglich?

„There is within each of us a potential for goodness beyond our imaginings.“

(Elisabeth Kübler-Ross)

In mir liegt eine fast magische Kraft, die ich heute feiern möchte. Mit dir gemeinsam am liebsten – machst du mit? Auch du hast diese Kraft in dir – sie steht dir zur Verfügung, wenn du sie brauchst. Es braucht Vertrauen… Oder eben einfach pure Verzweiflung, die das Nachdenken ausschaltet und dieses Urvertrauen zulassen kann…

Hüpfen, tanzen, lachen,… Nie hätte ich gedacht, dass solche Leichtigkeit zurückkehren kann. Dass ich Glück verspüren kann in unterschiedlichsten Abstufungen und Intensitäten. Dass ich auch die dunklen Tage und Wochen durchschreiten kann, weil ich weiß, dass das Licht am Ende dieser Zeit auf mich wartet und mich wieder strahlen lässt…

Ich bin so dermaßen froh und dankbar, dass ich es tatsächlich geschafft habe, diesen Kraftakt zu stemmen – ich war ja aber auch zu keiner Zeit wirklich einsam: Neben so vielen wichtigen Herzens- und Wegbegleitern:

…ich war stets an meiner Seite… ♥

 

 

Herzensdinge…

Herzensdinge…

Wenn da jemand ist, der dein Herz zum Hüpfen bringt…

Wenn da jemand ist, der dir Schmetterlinge in den Bauch zaubert…

Wenn da jemand ist, dem du am liebsten entgegenrufen würdest, wie viel er dir bedeutet, du aber kein Wort in diese Richtung herausbringst, weil du irgendwie Angst davor hast, dass deine Gefühle nicht so erwidert werden…

Das ist doch wunderbar aufregend, total schön und berührend, oder?

In einem ganz „normalen“ Alltag sind das ganz „normale“, herzerwärmende Gedanken und Gefühle… Und wer sich an solche Verliebtheitsphasen zurückerinnert (oder sich gerade mittendrin befindet), der weiß, wie anstrengend es sein kann, das auszuhalten… Schön und schwer zugleich…

Als Trauernder – oder vielleicht auch nicht mehr Trauernder (wann ist man eigentlich nicht mehr trauernd?!?), jedenfalls als jemand, dessen Partner verstorben ist – hat man häufig zusätzliche Faktoren, die es noch um ein Vielfaches schwerer machen, dieses Gefühlschaos auszuhalten:

…darf ich das? Darf ich solche Gedanken haben, wenn ich meinen Partner verloren habe? JA, natürlich! Darf ich wieder glücklich sein? JA!

Aber häufig erwartet dein Umfeld entweder von dir, dass du bitte noch eine angemessene Zeit lang (wie lange bitte ist „angemessen“?!?) alleine zu bleiben hast, weil dein Partner ja tot ist. Oder du hättest dir längst einen neuen Partner suchen sollen… Ein „genau richtig“ gibt es irgendwie nicht, oder? Am „besten“ gibt es im Umfeld einen wilden Mix aus beiden Extremen – auf wen hörst du?

Ich stelle mich ganz eindeutig auf die Seite, dass jeder Trauernde den für sich richtigen Weg wählen mag. Wer kurz nach dem Tod eines geliebten Menschen einen neuen Herzensmenschen findet – wie wunderschön! Wer längere Zeit alleine bleibt – schön, wenn es für dich passt! Und wer einfach keine Partnerschaft mehr eingehen möchte – richtig, wenn es sich gut anfühlt!
Ich habe den Eindruck, dass darüber schon viel geschrieben wurde und hoffe sehr, dass auch du an dieser Stelle ausschließlich auf dich und dein Bauchgefühl hörst!
Das Umfeld möge an dieser Stelle bitte still halten und lieber versuchen, den Trauernden auf seinem Weg zu unterstützen. Es sollte egal sein, wie die eigene ganz persönliche Meinung dazu ist, welcher Weg „richtig“ ist: jeder hat es sowas von verdient, glücklich zu sein oder zu werden – und als Trauernder heißt es nicht, dass man vergisst, was war, nur weil man fröhlich und glücklich ist.

So, wenn nun dieses „ich darf glücklich sein“ bestätigt und okay für mich ist und somit feststeht… Wo bitte ist denn dann nun das Problem?

Dazu tauche ich noch ein Stück weiter in die Vergangenheit… Ich habe an anderer Stelle schon einmal erzählt, dass mein Sohn nicht der leibliche Sohn von Andreas ist. Es gibt da also logischerweise noch einen leiblichen Vater.
Worüber ich bislang aber nicht geschrieben habe, ist, dass der leibliche Vater meines Sohnes auch nicht mehr lebt. Darüber zu schreiben fällt mir definitiv ausgesprochen schwer, denn das war eine sehr problematische Geschichte. Wir waren lange getrennt, als er starb und unsere Geschichte verlief ganz anders als meine mit Andreas – und doch mit demselben Ergebnis: Tod.

Naja, und wenn man es dann einmal von außen betrachtet: mir ist bereits zweimal ein Lebensabschnittspartner in jungen Jahren weggestorben… Krass, oder?

Was stimmt nicht mit mir?

Bin ich kaputt? Habe ich irgendetwas an mir, das die Männer an meiner Seite sterben lässt? Was mache ich falsch, dass es mir nicht vergönnt sein soll, mit einem Partner an meiner Seite jahrzehntelang leben zu dürfen?

Das sind Schuldgefühle, die die Welt nicht braucht, was? Und doch: diese Gedanken können aufkommen.
Ich habe diese Gefühle nicht so empfunden – möchte die Gedanken aber trotzdem mit dir teilen. Ich habe sie nämlich von einem anderen Trauernden so gehört und war zu Tränen gerührt und erschüttert. Ich war fassungslos angesichts der Last, die da drückt. Nein, selbstverständlich bist du nicht schuldig! Du bist genau richtig wie du bist ♥
Hier gibt es keine Schuld, die getragen werden will – lass diese schwere Bürde beim Leben, außerhalb deiner Kontrolle…

Was ich aber sehr deutlich spüre momentan ist, dass ich einfach eine irre Angst in mir habe. „Irre“ steht einerseits für die Stärke dieses Gefühls und andererseits für seine Verrücktheit… Diese Angst ist in keinster Weise rational erklärbar.

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Quelle: Pixabay

Aber sie ist eben da…

Hmmmm…

In mir ist diese irre Angst, dass ich noch einmal erleben muss, wie mein Partner stirbt.
Dabei ist es doch eigentlich der ganz natürliche Lauf des Lebens. Früher oder später kommt jede Partnerschaft an einen Endpunkt. Das muss ja nicht einmal zwingend der Tod sein – auch eine Trennung, weil man sich nicht mehr liebt, ist ein Ende… Und dagegen kann man keine Versicherung abschließen oder sonstwelche Garantien vereinbaren… Wer eine Verbindung eingeht, muss auch das Risiko eingehen, dass sie zerbrechen kann. Das nennt man Leben…

Mir ist aber diese Unbefangenheit verloren gegangen. Natürlich habe ich mir immer mal Gedanken gemacht, ob eine Beziehung von Dauer ist… Bislang dachte ich allerdings immer, dass ich es mit in der Hand habe, ob eine Verbindung hält oder nicht.
Den Tod als zusätzlichen „Spielpartner“ hatte ich nie im Blick.
Nun ist er ständig präsent. So wie wir alle geboren werden, werden wir eines Tages sterben.

Diese Endlichkeit hat einen ganz besonderen Zauber in sich: Wie wäre es, einfach so viel Leben und Glück ins Jetzt zu packen, wie nur geht? Angesichts des unausweichlichen Endes alle Liebe im Moment verspüren…? Einfach immer mein Bestes versuchen?

Zähneklappern

Eigentlich, ja eigentlich bin ich mutig und packe an, was ich möchte. Hier schlottern mir aber definitiv die Knie und ich mag mich nicht trauen, obwohl ich so sehr neugierig bin, was wäre wenn…

Ich wünsche mir also sehr, dass ein Mann, dem ich genauso viel bedeute, wie er mir… Ja, ich wünsche mir, dass der mutig auf mich zugeht, mich abholt, mich an die Hand nimmt und mir Mut macht:

„Komm, vertrau mir. Lass uns schauen, wo das hinführt…“

Tja, und solange der hier nicht auf seinem Schimmel vorbeigeritten kommt oder ich einen wagemutigen Schritt gehe – solange genieße ich dieses pure Leben, das ich in mir spüre ♥♥♥

Schwindlig…

Schwindlig…

Wenn wir jetzt bitte einmal anhalten könnten… Ich möchte nur ganz kurz aussteigen und einfach die Landschaft genießen… Hallo?! Hört mich jemand???

Mein Leben dreht gerade durch… Und ich? Ich komme irgendwie nicht mit…

So viel Schönes, Wunderbares und Aufregendes passiert gerade und ich könnte eigentlich pausenlos hüpfen vor Freude… Read more

Wenn zählen nicht hilft…

Wenn zählen nicht hilft…

Maaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaannnnnnn!!! Grrr… Ich bin so wütend… Ich könnt’…

…ja, was denn?!?

Eigentlich wollte ich heute von meiner Wut schreiben – da gibt’s so Tage, da könnt‘ ich boxen… Brüllen… Mit dem Fuß aufstampfen… Heute ist so einer…

Tja, und dann habe ich ein passendes Foto zu diesem Beitrag gesucht… Und bei den Suchergebnissen hab ich erst die Stirn gerunzelt… Dann zuckte ein Mundwinkel… Und schließlich saß ich hier und habe schallend gelacht. Ich finde, dass Menschen unfassbar witzig aussehen, wenn sie wütend sind :)

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Quelle: Pixabay

Es gibt aber auch Zeiten, da ist so ein Wutgefühl nicht so schnell verschwunden. Ich weiß gar nicht so genau, ob die Wut erst so richtig präsent in Verbindung mit meiner Trauer wurde?! Spüre ich sie so stark, weil irgendwie alle Gefühle so potenziert auftreten?!? Oder macht Trauer einfach ab und an irre wütend?

Wie auch immer – ich habe so meine Probleme mit ihr… dieser Wut… Die passt nämlich nicht zu alten Glaubenssätzen, die ich gut verinnerlicht habe: so ein „sei hübsch brav“ oder „benimm dich!“… Da kann man nicht einfach so herumbrüllen, oder?!?

DOCH!

Ich kann das aber nur zu Hause am Meer oder im Wald – wenn keiner guckt… Manchmal würde ich mich gerne freier fühlen und meine Wut einfach raus lassen.
Jedenfalls merke ich, dass es mir so ohne Gebrüll nicht gut geht… Da brodelt es richtig in mir. Wut kocht… Und irgendwann fliegt der Deckel hoch. Und das meist in völlig unangemessenem Rahmen.

Ich kenne Trauernde, die lassen so richtig die Sau raus. Wenn nämlich die Wut so irre groß ist, dass man es nicht mehr aushalten kann – dann muss ein Ventil her. Denn sonst könnte sich die Wut gegen einen selbst richten… Ja, und wie alle unterdrückten Gefühle auch irgendwann krank machen.

Austoben…

Hilfreich ist es, wenn man dann eine Möglichkeit findet, wo man sich austoben kann ohne anderen zu schaden… Zum Beispiel:

  • Kissen boxen: einfach mal völlig hemmungslos das Kopf- oder Sofakissen vermöbeln. *zack* druff… Boxen, hineinbrüllen, an die Wand werfen… Da kann man herrlich Energie ablassen – und niemand kommt zu Schaden
  • Gartenschlauch: als Steigerung kann man auch ein Schlauchstück nehmen – die Tätigkeit bleibt die selbe: Draufhauen!
  • Crash-Room: die gibt’s in immer mehr Großstädten… Hier kann man sich einen möblierten Raum mieten und den nach Herzenslust mit Baseball-Schläger oder einem Hammer zerlegen.
  • Rasenmähen in erhöhtem Tempo: einfach super! Das Adrenalin wird abgebaut und hinterher ist auch noch der Garten schön ;0)
  • Joggen gehen, Kick-Boxen, Inlinerfahren,… Körperliche Aktivität baut Adrenalin ab – geh‘ raus und tob‘ dich dort aus!

Eine Übung hat meine Trauerbegleiterin mit mir gemacht. Kennst du noch von früher aus der Kindheit die nein-doch-Diskussionen? So ähnlich funktioniert das auch:

Man steht sich zu zweit gegenüber, hält sich an beiden Händen, schaut sich in die Augen… Einer von beiden beginnt mit einem lauten, wütenden „NEIN!!!“, der andere brüllt zurück „DOCH!!!“ oder „JA!!!“ so energisch und laut wie es geht… Das dann fröhlich abwechseln, immer hin und her…
Ogottogott, war das peinlich… Und meine Nachbarn haben sehr sicher gedacht, ich bin total bekloppt… Aber irgendwie war es auch befreiend – und letztlich sogar lustig *lach*

Tja, und was ich gerade merke: darüber schreiben hilft mir… Je länger ich hier tippe, umso friedfertiger werde ich.

Also: finde deinen Ausdrucksweg, um deine Wut rauszulassen. Sie darf da sein, sie darf explodieren… Und dann darf sie auch wieder gehen… still und friedlich…

…oder mit einem enormen Türenknallen!

Weg… einfach weg…

Weg… einfach weg…

Völlig gedankenverloren stehe ich abends im Bad, träume so vor mich hin, leicht müde vom Tag,…

Rechte Hand… Ring abstreifen… Ring hinlegen…

Linke Hand… Ring abstreifen… äh… Ring ab… ääääähhh…? Wie jetzt?!? Zack, hellwach und alarmiert ein ungläubiger Blick auf meine linke Hand: leer!

Er. ist. weg.

Ich bin einfach nur verdattert, irgendwie überfordert und ja, einigermaßen fassunglos. Mein Ring ist einfach nicht mehr da, wo ich ihn glaubte zu wissen.

Ich habe nichts bemerkt, ich habe bis zu dieser Sekunde nichts vermisst… Wie kann das sein??? Dieser Ring ist mir sooo wichtig und nun *schwupps* ist er nicht mehr da…?
Hab ich ihn schon abgelegt und es nicht gemerkt? …nein.

Ich hätte immer gedacht, ich verzweifle, sollte ich diesen Ring jemals verlieren – ich wäre tieftraurig und betrübt… Aber: bin ich nicht! In mir ist diese seltsame Ruhe… „Gut, dann soll es so sein.“ Vielleicht liegt er irgendwo… Vielleicht auch nicht…

Der Ordnung halber: ich habe die ganze Bude auf den Kopf gestellt, meinen Sohn verrückt gemacht, alle Taschen durchwühlt, wäre beinahe durch den Schnee gestapft, um alle Wege des Tages noch einmal abzulaufen… So viel zu dieser seltsamen Ruhe ;0)

…aber dennoch bleibt dieses Gefühl, dass es genau richtig so ist. Vielleicht war dieser Ring ein symbolischer Begleiter für die letzten 2 1/4 Jahre… Und nun ist es Zeit, neu zu denken…
Ich konnte mich so wunderbar an ihm „festhalten“. Es war ein silberner Drehring mit zwei darauf drehenden Ringen… Wenn ich Halt brauchte, konnte ich mich mit diesen beiden Drehringen beschäftigen – das war wie eine Erdung für mich. Ganz wunderbar…

Und nun?

Bin ich nun halt-los?

Nein, ganz und gar nicht. Ich fühle mich mittlerweile tief in mir gefestigt. Obwohl „fest“ irgendwie falsch ist. Habe ich doch für mich gelernt, dass man sich manchmal einfach umpusten lassen muss – mit der Bewegung, mit der Welle, mit dem Sturm (was auch immer) mitgehen, statt sich dagegen aufzulehnen. Das spart wertvolle Energie und hilft dadurch einfach, durchzuhalten…

Für eine Weile war mir dieser Ring aber ein wertvoller Begleiter… Es war kein Ehering oder sonst ein Ring, den ich von Andreas geschenkt bekommen hätte. Ich habe ihn mir selbst geschenkt – vielleicht macht es ihn daher noch wertvoller…?

Von Andreas hatte ich einen Ring geschenkt bekommen, den ich sehr liebte und der mich stets begleitet hat. Ungefähr ein dreiviertel Jahr nach seinem Tod konnte-wollte ich diesen Ring nicht mehr tragen. Von einem Moment zum anderen fühlte sich das total falsch an. Ich habe ihn versuchsweise abgelegt und in ein kleines Schatzkästchen getan – das war besser.
Nun fehlte aber ein Ring am Finger – der Platz durfte nicht leer bleiben… So habe ich ein wenig recherchiert und solche Drehringe entdeckt. Das gefiel mir ganz extrem gut. Im Kontakt mit der Goldschmiedin habe ich mir mein ganz persönliches Modell kreiert… Der schön geschwungene Silberring trug einen schmalen Silberring mit dem Aufdruck

„Alles ist gut – anders, aber“

Andreas hat so oft zu mir gesagt „alles ist gut“, das ist sehr hängen geblieben… Im Kreis geprägt war das mein Mantra: „Alles ist gut – anders, aber alles ist gut – anders, aber alles ist gut – anders, aber alles ist gut………“

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© Sonja Thiemann Schmuckdesign

Als zweiten Ring habe ich mir einen schmalen rotgoldenen Ring gewünscht – auf diesem waren die Koordinaten von Andreas‘ Ruhestätte im Ruheforst gedruckt.

An dieser Stelle einen lieben Gruß an Sonja Thiemann, die den Ring für mich gefertigt hat – *klick* ihr DaWanda-Shop… ♥
…vielleicht werde ich Kontakt aufnehmen und mir einen neuen Ring bestellen – wer weiß *lach*

Anjas-Ring
© Sonja Thiemann Schmuckdesign

Tja, nun ist er weg…

Es fühlt sich gut an, dass ich nicht von elender Verzweiflung überspült werde und unsagbar traurig bin.

Ich gebe zu: die Perfektionistin in mir hat ganz schön herumgezickt:
„Warum hast du denn nicht besser aufgepasst???“
„Du Schussel…“
„Weißt du eigentlich, was der gekostet hat???“
„Wieder nicht gut genug drauf geachtet…“
Kopfschüttel…
„Musste das jetzt sein?“

Tja, statt ihr beizupflichten habe ich sie nett angelächelt, ihr über den Kopf gestreichelt und zu ihr gesagt:

Alles ist gut ♥

 

 

Ich feiere…

Ich feiere…

…200+ Likes auf Facebook.

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Ja, ich gestehe: das blaue Datensammelmonster ist mir noch nicht recht geheuer… Dennoch hilft es mir, meine Gedanken ein wenig leichter in die Welt zu tragen. Nachdem ich mich ganz ursprünglich eher davor gesträubt hatte, so öffentlich zu texten, spüre ich nun immer stärker, wie gut und richtig das ist ♥

Promis feiern ganz andere Reichweiten – ich aber finde diese Zahl großartig und freue mich wie Bolle über jede und jeden von euch!

Um dich ein wenig an meiner Freude teilhaben zu lassen, gibt es einen kleinen, feinen Gewinn:

Verlosung

Ich verlose ein Exemplar „Vier minus drei“ von Barbara Pachl-Eberhardt, was sie mir netterweise zu diesem Verlosungs-Zweck genehmigt hat.

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Dieses Buch könnte bald dir gehören… (Foto: Anja Pawlowski)

Barbaras Geschichte war eines der ersten Bücher zum Thema Trauer, das ich gelesen habe… So beeindruckend es einen von den Füßen fegt, dieses Schicksal zu lesen – so wunderbar zaubert es einem auch ein Lächeln ins Gesicht durch die Stärke und die Lebensfreude der Autorin.

Dies ist nicht mein Exemplar (das ist deutlich abgegriffener ;) ), sondern natürlich ein nagelneues.

Möchtest du es haben?
Schreib mir als Kommentar hier unter dem Beitrag oder auf Facebook oder per E-Mail, welcher meiner Blogbeiträge dir bisher am besten gefallen hat – oder du schreibst mir, weshalb du das Buch unbedingt haben möchtest… Ich bin gespannt!

Beteiligen kannst du dich von Veröffentlichung dieses Artikels bis einschließlich Samstag, 24. Februar 2018 um 24:00 Uhr, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Den Gewinner oder die Gewinnerin ziehe ich am Sonntag, 25. Februar 2018 und melde mich dann, um die Versandadresse zu erfragen.

Viel Glück ♥