…ein Stück untröstlich

…ein Stück untröstlich

Oh, wie schön, dass du hier bist: Herzlich willkommen auf meiner Seite!

Ich bin Anja (44) und lebe im schönen Norden an der Ostseeküste als „lübsche Sprotte“ (in Kiel geboren hat es mich auf meinem Weg nach Lübeck verschlagen).

„untröstlich“… Klingt das nicht furchtbar deprimierend?!? Nein, ich finde nicht. Ich habe mich Stück für Stück und Schritt für Schritt durch meine Trauer gekämpft. Ein Teil von mir kann nicht geheilt oder glattgebügelt werden. Eine Lücke bleibt… Und das darf so sein und bleiben – macht es mich doch zu der Person, die ich heute bin.

Ich bin stark und mutig, ich bin herzlich und positiv… Ja, ich bin lebensfroh. Aber bei all‘ der Stärke und Leichtigkeit, die in mein Leben kommen durfte:

Ich darf ein Stück untröstlich bleiben!

Dieser Satz ist für mich der größte Schatz, den ich während meiner Trauerarbeit erspürt habe.

Also, was ist mein Anliegen in diesem Blog? Du ahnst es… Hier soll es um Tod und Trauer gehen, aber auch um das Leben und Lebensfreude. Dies ist mein Beitrag dazu, dieses tabuisierte Thema aus seiner dunklen Ecke zu holen. Darüber offen schreiben und sprechen zu können, empfinde ich als befreiend – vielleicht geht es dir ähnlich? Der Tod hat mich das Leben gelehrt und ich möchte zeigen, dass der Tod uns keine Angst machen, sondern eher das Leben selber spüren lassen sollte, solange es geht.

„Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur, doch mit dem Tod der andern muß man leben.“
(aus „Memento“ von Mascha Kaléko)

Ich für meinen Teil habe diesen Blog ins Leben gerufen, weil ich mit dem Tod meines Mannes im November 2014 leben muss. Andreas‘ Tod hat mich so richtig aus der Bahn gekegelt, meine kleine Welt stand Kopf und es hat mich harte Arbeit gekostet, mich neu zu sortieren und Lebenslust zu finden. Ein paar Gedanken dazu findest du auf „Dein Tod und ich“ Ich danke an dieser Stelle ganz herzlich Judith Peller, die diese Plattform ins Leben gerufen hat und Silke Szymura, die sie von Judith übernommen hat – danke, dass ihr mir diese Möglichkeit der Veröffentlichung geöffnet habt!

Ich habe es geschafft! Ich habe überlebt! Es wäre vermessen zu behaupten, dass ich nicht mehr trauere. Aber ich habe mich neu gefunden, meine Welt neu zusammengesetzt und gestaltet. Die Trauer bleibt ein Teil von mir, aber nicht belastend, sondern wie ein Schatz – denn ich darf in meinem neuen Leben eines bleiben:

…ein Stück untröstlich!

Diese Seiten hier werde ich (recht egoistisch, muss ich zugeben) für mich nutzen – meine Gedanken äußern und mich öffnen. Wenn ich es aber schaffe, dich damit zu bewegen, auch dich ein Stück weit zu öffnen, Kommentare zu hinterlassen und oder auf anderem Wege mit mir ins Gespräch zu kommen: super! Ich freue mich darauf!

Eine weitere Herzensangelegenheit ist es für mich, dir zu zeigen „du bist nicht alleine“. Es ist glücklicherweise nicht die Regel, dass man früh in seinem Leben Witwe oder Witwer wird – aber es passiert deutlich häufiger, als ich je gedacht hätte. Zu Beginn meiner Trauerzeit habe ich mich als „Sonderfall“ empfunden. Nach und nach habe ich viele Frauen und auch Männer kennengelernt, die ein ähnliches Schicksal tragen müssen. Mit meinen Texten möchte ich einerseits berichten, wie es mir ergangen ist oder ergeht – andererseits teilen, wer oder was mir geholfen hat auf meinem Trauerweg.

Ich bin gespannt, wohin diese Blog-Reise führt…

© Martine Blankenburg

Anders als gedacht…

Anders als gedacht…

Es gibt diese recht breit gültige Ansicht, dass es eine besondere Ehre sei, wenn man dabei sein darf, wenn jemand stirbt.

Mal ganz unwissenschaftlich daher geschrieben: Sterbende scheinen in gewisser Weise ihren Todeszeitpunkt „steuern“ zu können. Mal scheint jemand, der im Sterben liegt, ausgerechnet dann zu sterben, wenn der Betreuende einkaufen gegangen ist. Oder aber es liegt jemand im Sterben und scheint zu warten, bis noch jemand ans Sterbebett kommt, mit dem noch ein klärendes Gespräch geführt werden muss, bevor er oder sie sterben „darf“… Read more

Bist du etwa immer noch traurig?!?

Bist du etwa immer noch traurig?!?

JA, verdammt… Bin ich… Jedenfalls ab und zu…

Ich glaube, diese Frage steht auf der Rangliste der „Hass“-Fragen bei Trauernden gaaaaanz weit oben… Es wurde schon häufiger darüber geschrieben und so langsam, langsam dreht sich vielleicht etwas an der breiten Akzeptanz und Trauernde werden nach und nach in ihrem eigenen Tempo „gelassen“.

Aber ich habe sie mir nun einmal selbst gestellt (bissel masochistisch vielleicht?!?) Read more

Unkomplett…

Unkomplett…

Neulich wollte ich vor allem eines: abschalten. Der Tag war anstrengend, ich eigentlich total müde… Einfach mal die Glotze an und den Kopf aus… So der Plan.

Dieser „Schubidu“-Film, der da lief, war aber nicht so schubidu, wie ich es gebraucht hätte. Hauptfigur: eine Mutter von 2 Kindern – alleinerziehend, weil ihr Mann bei einem Arbeitsunfall ums Leben gekommen ist. Mit den Details des Filmes möchte ich dich gar nicht langweilen… Da sind aber Zeilen aus einem Mutter-Kind-Gespräch, die mich ganz schön aus der Bahn geworfen haben. Es waren Vorwürfe des Kindes an die Mutter Read more

Das Grau

Das Grau

Es gibt so Tage… die sind einfach grau… Nicht schwarz, nicht weiß, nicht grün oder gelb oder blau… Sie sind einfach grau und bleischwer…

Ich bin gar nicht sicher, ob dieses Grau immer trauerbedingt zu mir kommt – vielleicht sind es kleine Tiefs in meinem Leben, die ich nun einfach intensiver spüre…
Wie auch immer fällt es mir schwer, diese Nicht-Farbe anzunehmen. Hinzunehmen, dass ich morgens nicht fröhlich aus dem Bett hüpfe und „hurra, ein neuer Tag“ rufe. Zu akzeptieren, dass ich dann einfach kraftlos und unmotiviert bin. Read more