Chapeau!

Chapeau!

Heute… Heute mache ich mal etwas ganz Seltsames: ich ziehe den Hut vor mir…

Chapeau, meine Liebe! Du bist einfach toll ♥

Huch? Wer mich kennt, weiß, dass das so gar nicht meine Art ist… Ich bin aufgewachsen mit dem Glaubenssatz „Eigenlob stinkt“ und dem quasi omnipräsenten „ach, naja, sooo toll war das jetzt auch nicht.“

Woher kommt also dieser „Ausbruch“?
Ich habe gestern mein E-Mail-Postfach aufgeräumt und wollte „nur mal ganz kurz“ noch nach einer E-Mail-Adresse schauen… Schwupps… Mit dem Hauch einer Sekunde saß ich in der Vergangenheit…

Dieser Ordner mit den E-Mails, die ich geschrieben und erhalten habe, als die Diagnose kam und in den 5 1/2 Wochen danach… als ich verzweifelt war… Ich habe sogar geschrieben, was für eine Scheiß-Angst (sorry, aber dafür gibt es einfach kein „korrektes“ Wort, das diese Wucht ausdrückt) ich habe angesichts der übermächtigen Verantwortung, die da auf mich zu rollte…

In mir tobt und tost es, während ich versuche, diese Zeilen zu formulieren… Es ist kein Schmerz im Jetzt, es ist der Schmerz, den ich damals fühlte… Ich erinnere mich…

Wenn ich könnte – ich würde zurückreisen zu dieser Zeit… Ich würde mich neben mich setzen und mich in den Arm nehmen. Mich selbst festhalten und mit mir aushalten, was da alles auf mich einstürzt…

hug-1315552_1920
Quelle: Pixabay

Das war alles einfach übermenschlich groß und eigentlich nicht aushaltbar.
Ist es vielleicht sogar so passiert? Habe ich als Zukunfts-Anja neben der leidenden und zitternden Anja-2014 gesessen und ihr beigestanden? Wie sonst hätte ich das alles überleben können?!?

Denn… Ich bin da mitten durch. Ich habe mich von meiner Angst nicht einschüchtern lassen… Ich habe mir in der Situation bereits selbst geholfen, indem ich meine Sorgen aufgeschrieben habe…
Spannend finde ich, dass ich mich an das Meiste davon gar nicht mehr erinnern kann…
Ich habe in einer Klarheit kommuniziert, die ein wenig schockierend und doch gerade dadurch so passend war… Und durch diese Klarheit habe ich auch genau die Rückmeldung bekommen, die ich in dem Moment gebraucht habe. Wer schockiert war, hat halt nicht geantwortet – wer das aushalten konnte, hat mir zurückgeschrieben, was mir in der Situation gut tat.
Ich habe darum gebeten, dass man mir nur Ermutigendes schreibt. Mitleid und Schwere hätte ich partout nicht aushalten können – war doch mein ganzes Leben zu der Zeit schon leidig und schwer…

Die Nachrichten, die ich daraufhin erhielt, waren daher motivierend, mitfühlend und haben mich durch die Zeit getragen… Ich danke an dieser Stelle allen, die mir mit ihren Nachrichten in dieser Zeit zur Seite gestanden haben.

Ich habe keinen Schimmer, ob ich mich bereits bedankt habe. Wo sich die Gelegenheit bot, habe ich es sicher getan (bin ja schließlich wohlerzogen ;0)… Dennoch ist es mir wichtig, diesen Dank noch einmal explizit auszudrücken – er kommt aus tiefstem Herzen:

…einfach: DANKE!!!

Was mir auch am Herzen liegt: ich möchte mir selbst danken!!! Ich bin beeindruckt und gerührt, was ich da alles gestemmt habe. Das habe ich unfassbar toll geschafft!

Ich habe in dieser unermesslich niederschmetternden Zeit in meinem Leben gut für mich gesorgt. Das was sooo groß!

Steige ich so richtig tief ein in diese schmerzhafte Phase… Wie unglaublich und unfassbar ist es bitte, dass ich heute lachend und hüpfend durchs Leben gehe? Wie ist das möglich?

„There is within each of us a potential for goodness beyond our imaginings.“

(Elisabeth Kübler-Ross)

In mir liegt eine fast magische Kraft, die ich heute feiern möchte. Mit dir gemeinsam am liebsten – machst du mit? Auch du hast diese Kraft in dir – sie steht dir zur Verfügung, wenn du sie brauchst. Es braucht Vertrauen… Oder eben einfach pure Verzweiflung, die das Nachdenken ausschaltet und dieses Urvertrauen zulassen kann…

Hüpfen, tanzen, lachen,… Nie hätte ich gedacht, dass solche Leichtigkeit zurückkehren kann. Dass ich Glück verspüren kann in unterschiedlichsten Abstufungen und Intensitäten. Dass ich auch die dunklen Tage und Wochen durchschreiten kann, weil ich weiß, dass das Licht am Ende dieser Zeit auf mich wartet und mich wieder strahlen lässt…

Ich bin so dermaßen froh und dankbar, dass ich es tatsächlich geschafft habe, diesen Kraftakt zu stemmen – ich war ja aber auch zu keiner Zeit wirklich einsam: Neben so vielen wichtigen Herzens- und Wegbegleitern:

…ich war stets an meiner Seite… ♥

 

 

Neue Energie…

Neue Energie…

…wie soll es denn nun weitergehen? Wie kann es weitergehen?

Die Jahreszahl hat *klack* heute Nacht gewechselt. 365 Tage liegen unberührt vor uns (naja, einer ist schon fast rum)… Überall wird man überschüttet mit guten Wünschen fürs neue Jahr… Fröhlichkeit, Ausgelassenheit – auch der ein oder andere Kater und bleierne Müdigkeit… Ich freue mich, dass ich das mittlerweile gut aushalten und das ein oder andere Mal sogar mitgehen kann. Mein Empfinden hat sich tatsächlich gewandelt… Ich blicke ja inzwischen auf 4 Silvester zurück – ohne ihn. Anders. Ich kann diesem Tohuwabohu noch immer nicht wirklich etwas abgewinnen. Vielleicht bleibt das auch einfach so…?

Ich habe einen schönen Jahreswechsel verbracht – hoch über der Stadt auf einem Kirchturm. Weit ab von allem Getümmel aus der Vogelperspektive aufs Feuerwerk schauen hatte etwas ganz Besonderes. Irgendwie abgehoben und doch „mitten drin“. Das war toll.
Und doch… Leicht ist es mir nicht gefallen…

Aber das muss es auch nicht. Ich kann mein „anders Empfinden“ gut aushalten. Das tut gut.
In vorhergegangenen Jahren habe ich mich oft „falsch“ gefühlt, obwohl ich doch für mich richtig gehandelt habe. Zurückgezogen zu Hause für mich gefeiert… Früh ins Bett… Mit meinem Sohn am Strand… Ich habe immer einen für mich guten Weg gefunden, den Jahreswechsel zu überstehen (von Feiern keine Rede). Trotzdem war für mich immer ein Fragezeichen präsent: bin ich richtig so? Ist das okay? Muss ich nicht langsam mal wieder mitfeiern?
Nö! Das stelle ich nun nicht mehr in Frage. Ich bin gut so, wenn ich auf meinen Bauch höre und tue, was mir passend erscheint.

Nichtsdestotrotz waren der Rest von 2017 mit dem Tod meiner Schwiegermutter und der energieraubenden Trauerfeier anstrengend… Mir war daher nicht nach Jahresrückblick zumute. Viel lieber möchte ich nach vorne schauen und mir etwas zurecht legen, das mir durch die Tage hilft.

Auf Facebook bin ich über ein Ritual „gestolpert“, das mich sehr angesprochen hat. Eine liebe Freundin hatte mir in ganz ähnlicher Form nach Andreas‘ Tod schon einmal davon berichtet – zu der Zeit war es aber irgendwie nicht „dran“ für mich. Nun, da es mir wieder begegnet, scheint es sich geändert zu haben ;0)
Gerne möchte ich es mit dir teilen – vielleicht magst du es auch? Vielleicht passt es genau jetzt zu dir?

Notiere schöne Erlebnisse – oder schöne Erinnerungen, die aufkommen – auf einem Zettel… Halte dieses besondere Ereignis oder Gefühl fest (wirklich aufschreiben!) und lege den Zettel in ein Glas oder ein anderes Gefäß, das du schön findest.
Auch wenn man manchmal den Eindruck hat, es gebe nichts Schönes, kein Glücksgefühl mehr… Es gibt sie doch, diese besonderen Momente, wo ein Lächeln übers Gesicht huscht – oder du sogar von Herzen lachen musst. In dunklen Phasen verschwinden diese Glücksmomente im Dunkel und sind schnell vergessen… Mit dem kleinen Hilfsmittel, sie aufzuschreiben, gehen sie nicht verloren, sondern werden „greifbar“. Mit der Zeit werden sich Zettel ansammeln – vertraue auf die Zeit – und so sammelst du einen kleinen ganz persönlichen Schatz.

leave-839225_1920
Quelle: Pixabay

Aus diesem Schatz kannst du dir dann immer, wenn du es brauchst, ein Teil herauspicken (oder alle lesen). Liest du die Notizen, kannst du in das Gefühl eintauchen, das du hattest, als du den Zettel geschrieben hast…

Ich werde das tatsächlich einmal ausprobieren.

Um den Effekt, die „Magie des Positiven“ zu verstärken, werde ich mein Achtsamkeitstagebuch wiederbeleben. Das hatte ich schon einmal eine ganze Zeit lang gemacht, aber aus einem nicht definierbaren Grund wieder fallen lassen.

Ich nehme mir jeden Abend ein wenig Zeit, auf den Tag zurück zu blicken – nur ein paar Minuten (oder auch mal länger, wenn mir danach ist). Ich schreibe mir dann 3 Kleinigkeiten auf, die mich an dem Tag gefreut oder gar glücklich gemacht haben. Es dürfen natürlich auch mehr Dinge sein – aber 3 finde ich eine absolut machbare Anzahl. Selbst am vergurktesten Tag, wo ich abends das Gefühl habe, dass wirklich alles mies war… Ich finde am Abend trotzdem 3 Dinge, die schön waren. Es geht dabei nicht um große Emotionen oder bahnbrechende Ereignisse, sondern um Kleinigkeiten: Vogelgezwitscher, das Lächeln der Frau an der Ampel, eine Blume, ein Kaffee,… Es gibt so viele schöne Klitzekleinigkeiten, die den Tag leichter machen.
Dann habe ich noch eine Ergänzung meiner Schatzkiste… Ein Schatz im Glas und einer im Buch…

Es tut unglaublich gut, wenn man dann mal in diese Schatzkiste greifen kann und nachspürt, wie viele gute Momente es gab… Wie schön das Leben doch ist – trotz allem…

 

Kennst du auch schon die Achtsamkeitsübung mit den 3 Kaffeebohnen oder Erbsen oder Steinchen? Dazu steckst du dir am Morgen 3 Teile in die linke oder rechte Hosentasche und gehst etwas bewusster durch den Tag: jedes Mal, wenn du einen schönen Moment erlebst, wandert ein Teil in die andere Hosentasche. Am Ende des Tages sind die Teile immer gewandert, oder? Wenn man die „Messlatte“ niedrig hängt und einfach Kleinigkeiten wertschätzt, ist das einfach. Diese Übung tut total gut, finde ich – sie ändert den Fokus… Bei dieser Übung hat man allerdings nichts Nachvollziehbares, daher finde ich das Aufschreiben am Abend noch einen Tick wertvoller…

Kennst du solche Übungen auch? Hilft dir so was?

Ich wünsche dir für das kommende Jahr viele kleine schöne Momente, die dir Kraft geben, die schweren, dunklen, traurigen Momente aufzuwiegen oder zumindest tragbar zu machen ♥

Heimatlose Liebe

Heimatlose Liebe

Jetzt, so am Ende des Jahres, schaue ich einmal zurück auf das vergangene Jahr… Viel Glück, viel Schmerz – ich habe es als extrem intensiv und ereignisreich empfunden…

Ich möchte diese Intensität sehr gerne mit in das neue Jahr nehmen. Ich spüre es förmlich in mir trappeln… Da ist ganz viel Energie, die noch nicht entfesselt darauf wartet, loszustürmen. Noch finde ich das ganz schön verwirrend… Ja, wohin soll sie denn stürmen? Was soll daraus werden?
Ich gönne mir an dieser Stelle ein Innehalten. Von Natur aus mit einem großen Topf Ungeduld überschüttet, fällt mir das nicht leicht. Dennoch tut es gut.

Mit der gestrigen Wintersonnenwende hat die „Zeit außerhalb der Zeit“ begonnen. Zwölf Rauhnächte beginnen mit der längsten Nacht des Jahres (hier findest du eine schöne Erklärung und Darstellung der Rauhnächte, wie ich finde: „Magie der Rauhnächte“). Für mich ein schöner Impuls, der so herrlich wohltuend der ganzen Weihnachtshektik und Feierei entgegensteht…

Ich versuche, zu vertrauen auf das, was da kommen mag. Schließlich hat das Bauchgefühl mir gut gezeigt, wann welcher Schritt „dran“ ist. Manches Mal habe ich meiner Intuition noch nicht vertraut. Habe sie ignoriert, weil ich zu der Zeit überzeugt war, etwas anderes zu wollen ;0)

In diesem Jahr bin ich meiner Intuition gefolgt, habe einen für mich monstermutigen Schritt getan und diesen Blog begonnen… Und es war ein so toller Schritt! Der Austausch zu diesem Thema ist bereichernd und ganz wunderbar für mich. Ich bin sehr dankbar für all‘ die Kommentare, Diskussionen, Gespräche und Nachrichten, die mich erreicht haben. Danke ♥
…ich freue mich auf alles, was sich hieraus noch entwickeln wird!

Einen Spruch habe ich dieses Jahr „geschenkt“ bekommen – der beschäftigt mich heute:

„Trauer ist heimatlos gewordene Liebe“

Als ich ihn das erste Mal las, habe ich genickt und konnte voll mitgehen… JA, wenn ein geliebter Mensch stirbt, dann liebt man irgendwie ins Leere… Der Mensch ist nicht mehr da, der eben noch der Empfänger dieser Liebe war… Und das schmerzt so unsagbar… Und dann fängt man an zu suchen, wo man mit dieser Liebe abbleiben soll – sie hört ja nicht einfach auf – daraus entsteht eine unglaubliche Sehnsucht…
Diese Sehnsucht habe ich bei Trennungen und auch nach meiner Scheidung erlebt. Auch da wird die Liebe irgendwie heimatlos… Beim Tod empfinde ich das aber noch irgendwie anders… Bislang gab es immer einen Grund für den Trennungsschmerz – wie auch immer gelagert, konnte mein Verstand auf eine Weise greifen, warum diese Trennung sein „musste“. Manches Mal war auch die Liebe erloschen. Jedenfalls hat einer die Entscheidung getroffen, dass eine Trennung gesünder ist, als ein Zusammenbleiben…

Als Andreas starb, hat keiner von uns diese Entscheidung getroffen – das wurde an mir unbekannter Stelle beschlossen…
Einen vorsichtigen Schritt nach dem anderen habe ich gelernt, diese heimatlose Liebe zu wandeln. Liebevolle Erinnerungen zu fördern oder zu gestalten… Einen neuen Platz für Andreas zu finden… Mein Leben neu zu gestalten… All das war nur möglich mit dieser Liebe, die „frei“ geworden ist… Sie birgt eine ganz magische Energie in sich.

Interessant fand ich die Erfahrung für mich, dass meine Liebe zu Andreas dabei einfach weiter existieren darf… Mein Herz ist so groß und liebensfähig – ein Teil liebt ihn weiter, ohne dass meine Liebensfähigkeit in irgendeiner Form eingeschränkt wäre.
Ich habe gelernt, dass das auch für alles gilt, was mir in meinem Leben begegnete und nicht mehr in meinem Leben sein darf. Es sind warme, schöne Erinnerungen an Begegnungen und die Liebe, die da entstand, die bleibt…

Bei kurzen Begegnungen habe ich dann spüren dürfen, dass auch zu mir Liebe strömt. Klingt vielleicht abgefahren, wenn man das liest – ich habe es für mich so erlebt.
So bleibt eine liebevolle Verbindung, die einfach – ja, ich nehme jetzt einfach dieses seltsame Wort: beglückend ist.

Heute habe ich das Gefühl, dass meine Liebe nicht mehr heimatlos ist. Nach vielem Suchen, Zweifeln, Verzagen, Irrungen und Wirrungen ist sie zurückgekehrt, wo sie zu Hause ist: verbunden und bei mir ♥

heart-2020968_1920
Quelle: Pixabay
Das Grau

Das Grau

Es gibt so Tage… die sind einfach grau… Nicht schwarz, nicht weiß, nicht grün oder gelb oder blau… Sie sind einfach grau und bleischwer…

Ich bin gar nicht sicher, ob dieses Grau immer trauerbedingt zu mir kommt – vielleicht sind es kleine Tiefs in meinem Leben, die ich nun einfach intensiver spüre…
Wie auch immer fällt es mir schwer, diese Nicht-Farbe anzunehmen. Hinzunehmen, dass ich morgens nicht fröhlich aus dem Bett hüpfe und „hurra, ein neuer Tag“ rufe. Zu akzeptieren, dass ich dann einfach kraftlos und unmotiviert bin. Read more