Da berühren sich Himmel und Erde…

Da berühren sich Himmel und Erde…

Dies ist mein Beitrag im Rahmen der März-Blogaktion vom Totenhemd-Blog:

„Wo spaziert der Tod durch euer Bild?“

Ich muss gestehen, dass ich nicht sofort inspiriert war, teilzunehmen – genau genommen: gar nicht. „Tolle Aktion, aber dieses Mal ohne mich!“ waren meine Gedanken… Mein Fokus war so ganz woanders und mir fiel nichts ein…

Nunja, irgendwie sperrt sich der Beitrag noch immer sehr vor mir – wenn ich meine Gedanken hier so festhalte und veröffentliche, werden sie noch ein wenig realer… Will ich das überhaupt?
Bekloppt? Ja, ein wenig… Manchmal hätte ich einfach ein wenig weniger Realität…

Tja, nun liest du hier von mir… Wie kommt das?!

Einwurf (abschweifende Gedanken): ich muss immer Tränen verdrücken, wenn ich den Titel dieses Beitrags lese… Kennst du das Lied dazu? Das hat die liebe Christine Kempkes neulich geteilt und es ging mir *zack* direkt ins Herz – ja, und auf die Tränendrüse ;0)
So, nun habe ich es nebenbei in ungefähr 5 unterschiedlichen Varianten gehört – nun geht’s, keine Tränen mehr…
Einwurf-Ende…

Wir sind wohl alle momentan im Ausnahmezustand und der Tod ist täglich allgegenwärtig – man muss schon sehr gut wegschauen, um ihn nicht durchs Bild huschen zu sehen (genau genommen huscht er gar nicht, sondern ist laut und groß und präsent)…

…von diesem Ausnahmezustand handelt mein Text jedoch nicht.

Sondern?

Da gibt es diesen Menschen, den ich Freundin nenne – obwohl wir uns weder besonders lange noch besonders intensiv kennen, habe ich bei ihr das Gefühl, unsere Seelen hätten schon einmal gemeinsam auf einer Wolke gesessen und mit den Beinen gebaumelt.
…und gekichert hätten sie ganz sicher!

Diese wunderbare Frau schleppt schon seit einigen Jahren eine Krebserkrankung mit sich mit – und das macht sie so mutig, offensiv und vorbildlich, dass ich jedes Mal den Hut vor ihr ziehen wollen würde.
Lange Zeit hat sie dem Krebs den Stinkefinger gezeigt… Nun revanchiert er sich. Was für ein Sch…

#KrebsisteinArschloch

Sie geht weiter ihren Weg und teilt ganz viel davon mit ihrer Community. Ich bin ganz doll stolz auf sie, dass sie das so macht, wie sie es eben macht – auf ihre ganz eigene Weise…

Ich könnte nun einfach die Augen schließen oder woanders hinschauen… „Den Tod?! Hab ich nicht gesehen…“ *pfeif*
Puh, hab ich aber nicht hinbekommen.
Stattdessen hat sie wieder einmal angeklopft: die Endlichkeit.
Vor knapp einem Jahr hatten wir auf der Messe „Leben und Tod“ in Bremen einen Riesenspaß in der Fotobox. Zu fünft haben wir in verschiedenen Konstellationen Fotos geschossen, die jeweils mit dem Aufdruck „ich werde sterben“ aus dem Drucker kamen. Total witzig, denn das ist ja kein großes Geheimnis – gilt doch eh für jede und jeden von uns.
Uff, nun wird der Aufdruck greifbarer… Bald wird eine von uns nicht mehr bei uns sein. Bin ich dann die Nächste?!
Völlig irrational und sinnfrei, ja… Schließlich ist das definitiv außerhalb meiner Kontrolle – hättewärekönnte ja auch sein, dass ich zuerst „dran“ bin?!?
…ich habe trotzdem geheult.

Ich versuche, dieses Gedankenkarussell zu stoppen und rufe einfach mal ganz laaaaaaut:

Jetzt noch nicht!!!

Ich will nicht, dass sie geht und ich will nicht, dass ich gehen soll und ich will auch nicht, dass überhaupt irgendwer jetzt schon gehen soll…

Ich freue mich über jeden Tag Aufschub, der uns vergönnt ist. Und ich bin gerade wieder sehr bei mir und beim „heute“. Auf Social Media habe ich gerade das Geheimnis von Beppo Straßenkehrer aus „Momo“ von Michael Ende geteilt… Schritt für Schritt… Strengt man sich zu sehr an, kriegt man es mit der Angst zu tun und ist zum Schluss ganz außer Puste.
Ich versuche, wieder bewusster einen Tag nach dem anderen zu leben, so gut wie ich es kann…

Einwurf (abschweifende Gedanken):
Zwei Seelen sitzen beinebaumelnd auf einer Wolke und kichern vor sich hin… Wackelt die eine mit den Bömmeln: „weißt du, warum die nicht endlich alle hierher zu uns kommen?“ Antwort der anderen mit bömmelnden Bömmeln: „nö, aber die wissen halt einfach nicht, wie schön’s hier ist…“
Einwurf-Ende…

Humor hilft durch Tiefs…

Wenn man herumalbert, kann man nicht gleichzeitig trauern – oder? Doch, natürlich bleibt die Trauer da, aber sie wandert für den Moment in den Hintergrund. Ab und an hilft mir das sehr, schwere Phasen durchzustehen.
Mittlerweile bin ich gut darin, mit mir ganz alleine herumzuulken. Ich setze mir Bömmel auf, wackle wie wild damit und versuche, möglichst viele unterschiedliche Grimassen einzufangen… Zu schlicht für dich? Probiere es doch einmal aus?!

Wer Quatsch macht, kann nicht gleichzeitig trauern...
(c) Selbstportrait mit wackelnden Bömmeln (daher sind sie unscharf)

Worte an eine einzelne Leserin, die das hoffentlich liest: Ich danke dir (ja, genau du bist gemeint!) für die Inspiration, immer etwas zum Aufheitern greifbar zu haben! Du bist meine Lieblingsbömmelfrau und ich habe bestellt, dass du noch zu einer meiner Lesungen kommen können sollst. So!


In meiner Phantasie berühren sich gerade Himmel und Erde – und jemand flüstert mir zu:

„Bleib ganz ruhig… Es gibt Verbindungen, die bleiben!“

Ein Licht…

Ein Licht…

In vielen Zimmern brennen heute nicht nur zwei Kerzen – schließlich ist heute der zweite Advent – eine weitere steht ab 19 Uhr im Fenster und leuchtet in die Welt… Wie jedes Jahr am zweiten Sonntag im Dezember gedenken wir der Kinder, die zu früh verstorben sind…

Heute ist wieder Worldwide Candle Lighting Day – auf den habe ich bereits vor zwei Jahren aufmerksam gemacht:

*klick* Ein Licht geht um die Welt…

Ich stelle heute Abend erneut ein Licht ins Fenster… In Gedanken erweitere ich den Gedenktag nämlich immer ein wenig für mich: ist doch schließlich jeder schmerzlich vermisste Verstorbene Kind von jemandem…
Und erneut erfüllt mich Sehnsucht danach, über die Welt zu fliegen und dem Lichtermeer zu folgen…..

Kerzentiere

Gaaanz ganz besonders zauberschöne Grafiken von Melanie Garanin passen ganz wunderbar zu diesem Tag! Melanie hat nach dem Tod ihres Sohnes Nils angefangen, diese Kerzentiere zu zeichnen… Mittlerweile gibt es 365 davon – für jeden einzelnen Tag des Jahres eines.

Das Licht ist so wichtig, wenn man in dieser dunklen Traurigkeit ist. Denn man lebt ja und versucht, die Tage wieder hell zu machen.

(Melanie Garanin auf ihrer Website: https://melaniegaranin.com/kerzentiere/)

Ich finde, nicht nur das Kerzenleuchten soll heute um die Welt gehen, sondern auch Melanies Kerzentiere – daher mag ich ihren Blogbeitrag teilen:

*klick* zu Melanies Blog

Ihr findet dort einen Link, über den ihr bis Montag früh (9.12.2019) ihre Kerzentiere anschauen und auch herunterladen dürft. Ein zauberhaftes Geschenk von ihr, oder? Bitte beachtet vor dem Download die Regeln, die sie zur Verwendung vorgibt!

Ich konnte mich kaum entscheiden, welches mir am besten gefällt… Aber der Lemur rührt mein Herz am meisten:

Nummer 312: der Lemur
Kerzentiere von (c) Melanie Garanin – ein Ausdruck ihrer tiefen Trauer um Sohn Nils

Was für eine tolle Ausdrucksform für Trauer – traurig, (irr)witzig, rührend, wütend, lustig, verzweifelt… Wie viele Facetten hat die Trauer wohl… Unzählige, oder?

Leuchtet auch bei dir heute ein Licht? Wen vermisst du…?

Bild von Hans Braxmeier auf Pixabay

PS: diesen Blogbeitrag kann man ganz vielleicht als Werbung verstehen – die erfolgt aber unbeauftragt und unbezahlt aus Überzeugung ;0)