Ein Ort zum Trauern…

Ein Ort zum Trauern…

Bisher war ich steif und fest der Ansicht, ich brauche keinen Ort zum Trauern. Gedenken kann ich schließlich wann und wo ich das möchte. Das kann ich auch gar nicht so recht kontrollieren, wann und wo mir danach ist…?

Ich brauche und möchte kein Grab auf dem Friedhof. Stein an Stein und eingezäunte Gräber. Schweigen und höfliches Hüsteln, wenn man mal jemanden trifft. Mein inneres Bild vom Friedhof ist sicher nicht richtig, aber diese Vorstellung schreckt mich ab. Andere finden sich in dieser Ordnung wieder, fühlen sich wohl – so hat eben jeder seins.

Momentan jedoch spüre ich Wandlung.

Heute zog es mich mit Macht in den Ruheforst… Obwohl ich keine große Lust auf einen Ausflug hatte, habe ich mich auf den Weg gemacht. Auf der Fahrt Halt gemacht in meiner Lieblingsgärtnerei mit dem schnuckligen Wohlfühl-Café, fühlte sich alles falsch an. Zu viele Sonntagsausflügler, zu viel Touri-Palaver, zu viel dies, zu viel das. Nicht einmal die Pflanzen wollten mir gefallen (und das will was heißen…). Also schnell ab ins Auto und weiter in den Wald am Meer.

Dort Atmen und das Rauschen der Blätter in den Buchen in mich aufsaugen hat meine Anspannung gelöst.

Ich habe viel geweint heute… Eine tiefe Traurigkeit wollte gefühlt werden… Ich weiß noch nicht, wo sie herkommt und was sie mir sagen will… Aber hier war der richtige Ort, um sie zuzulassen.

Trennung?

Ein wenig habe ich das Gefühl, dass mir eine Trennung gut tut. Im Alltag dürfen mich neue Gedanken beschäftigen, darf Neues beginnen, darf Veränderung sein. Zu Hause darf mich das Leben führen.
Ab und an braucht aber diese Traurigkeit ihren Raum. Den habe ich in den letzten Monaten und Jahren in meinem Alltag eingeräumt. Platz gemacht und ausgehalten.

Ich finde noch immer, dass das eine gesunde Art und Weise ist…

Vielleicht bin ich aber jetzt an einem Punkt, wo dieses Fühlen getrennt werden darf. Ich fahre in den Ruheforst, besuche den Findling am Grab und ziehe dann weiter ans Meer. Auf meinem Lieblingsplatz auf einem Buchenbaumstumpf oben an der Steilküste aufs Meer schauen… Die dunklen, schweren Gedanken dem Wind anvertrauen… Mit einer Möwe den Platz tauschen und über die Wellen segeln… Fasziniert von den Farben der Ostsee lernen: genau wie das Meer hier nicht nur einfach blau ist, sondern in unzähligen Schattierungen von dunkelschwarzblau bis hin zu karibisch anmutenden grün-türkis-farbigen Streifen schillert – genau so sind auch meine Gefühle nicht nur tiefschwarzdrückendschwer, sondern da ist so viel mehr!

Unten am Meer, die Füße im weichen Ostseesand, spüre ich ein Lächeln in meinem Herzen, ein Glücksgefühl, das sich bis in meine Mundwinkel schleicht und die Augen blitzen lässt…

Auch das kann ich weder begründen noch greifen… Muss ich aber auch nicht:

Ich genieße es einfach! ♥

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(c) Anja Pawlowski

2 Gedanken zu “Ein Ort zum Trauern…

  1. Der Traurigkeit durch Worte gleichzeitig wieder so viel Leichtigkeit gegeben.🧡
    Dein Beitrag sprüht förmlich vor Achtsamkeit!
    In dir bewegt sich also auch immer wieder etwas neu.. mit den Wellen des Meeres. Schön, dass du dich auch von dieser Dynamik anstecken lässt.

    Warum habe ich direkt ‚Somewhere.. beyond the sea..‘ im Kopf? ;-)

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    1. Liebe Bianka,

      schön, wenn diese Stimmungswandlung gut transportiert wurde!

      Ich habe den Text tatsächlich im Ruheforst geschrieben – ganz analog auf Papier ;0)
      Er mag daher tatsächlich von Wind und Meer beeinflusst sein…
      Ja, das Meer bewegt mich – ich wüsste nicht, wie ich an einem anderen Ort zurecht käme. Hier bin ich genau richtig – ich.

      Hihi… ich habe das Lied immer auf französisch im Ohr: „La mer… qu’on voit danser… le long des golfes clairs…“
      Lala lalaaaa…

      Herzliche Grüße,
      Anja

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