Durchhänger

Durchhänger

Ich muss zugeben, dass ich heute nicht inspiriert schreibe, sondern mich ein wenig dazu dränge… Das ist eigentlich nicht meine Art.

Wieso ich dann überhaupt schreibe?

Mir geht es momentan nicht gut. Das kommt mal vor und geht auch wieder vorbei – aber heute schreibe ich einmal darüber, um dir zu zeigen, dass auch das sein darf:

Einfach mal traurig sein…

…und das dann auch öffentlich teilen? Ja! Denn ich finde es unnatürlich, wenn auf Social Media immer nur zu sehen ist, wer mit wem wo ach so viel Spaß hat und überschwappend glücklich ist. Das ist doch Augenwischerei, oder?

Puh, das sagt sich erstmal so leicht – und ist sooo anstrengend! Wenn du dich fragst: „was’n los?“ und für dich keine Antwort hast… Eigentlich ist doch alles gut.

Tja, und un-eigentlich sind diese Tage einfach schwer. Ich dachte, ich hätte mich langsam daran gewöhnt, aber nein: ich vermisse noch immer und weiterhin den weltbesten Adventskalenderzusammensteller ♥
…denn der ist tot und bastelt mir keinen mehr. Schnüff…

Das ist für mich viiiiiiiiel schlimmer zu ertragen als die Vorweihnachtsbeleuchtung (die finde ich schön, weil sie die dunklen Monate erhellt) oder Weihnachtsmarktgedränge (mag ich gerade auch ganz gerne)…
Andreas hat mir mit dem Adventskalender jeden Morgen ein kleines Geschenk gemacht – jeder Tag war dadurch irgendwie besonders.

…und dieses Fehlen kann auch nichts ersetzen:

  • Pralinen-Kalender: mjammi, lecker!
  • Adventskalenderpostkarte: zauberhaft und sooooo herzig von meiner Freundin („Jeder braucht einen Adventskalender, egal in welchem Alter“)
  • Mini-Schneekugel auf dem Schreibtisch
  • Mitbringsel von meinem Sohn
  • Nikolaus-Überraschung im Büro

Ich freue mich über jedes einzelne davon von ganzem Herzen – so richtig mit Lachen und Glücklichsein…
…und gefühlt direkt anschließend fällt die Klappe und ich fühle mich wieder grau.

Morgens beim Aufwachen schon seufzen… Ich gehe mir dabei selbst auf die Nerven. Aber es ist wie es ist und es hilft auch nicht, mich selbst zu pushen.

Dann geht der Tag eben ein wenig ruhiger los… Langsamer… Und mein Sohn muss aushalten, dass ich dünnhäutig bin und entsprechend reagiere… Und dann bin ich eben mal später im Büro und habe auch mal die Tür zu… Ruhe… Zuhause einmuckeln… Kerzenlicht… Seufzen… Termine wahrnehmen, wenn es passt… Zur Laufgruppe, durch die Gegend rennen (lief gut! tat gut!)… spontan ins Chor-Konzert (schööön!)…

Ich fühle mich fremd mit mir – bin aber freundlich zu mir, wie ich es mit Fremden eben bin.

Was brauche ich? Was tut mir gut? Was nicht?

Ich gehe sehr achtsam mit mir um.

Schön finde ich, wenn ich dann (trotzdem oder gerade deswegen) auf Menschen treffe, die das gut aushalten können. Die mit mir am Strand laufen ohne zu lachen… Die fragen, was sie für einen tun können – und nicht beleidigt sind, wenn es irgendwie nichts zu tun gibt… Und die aushalten, dass ich nicht immer fröhlich und gut gelaunt bin…
Eine Kollegin fragte im Vorbeigehen: „Hey, hallo! Wie geht’s dir?“
Ich habe nicht neutral oder positiv geantwortet, sondern wahrheitsgemäß: „naja, nicht so…“
„Warum? Was ist los?“
„Nix… Ich weiß es nicht… Bin betrübt.“
…schwupps, wurde ich liebevoll umarmt und gedrückt. Dann war sie wieder weg. Das tat gut.

Ich wünsche dir bei traurigen Phasen auch solche Menschen an die Seite. Und ich wünsche dir, dass du gut auf dich achtest und bald wieder hüpfen kannst!

Ich weiß, dass solche Phasen wieder vorbei gehen… Das Adventskalendervermissen geht vorbei, der Beerdigungserinnerungstag ist rum, der Sterbetag der Schwiegermutter ist geschafft… Diese Traurigkeit, sie hat ihren Sinn und ihren Grund… Jetzt ist sie gerade schwer, bald hüpfe ich wieder mit ihr durch die Gegend.

Und so endet dieser grautraurige Beitrag nicht mit einem positiven Ausblick, den ich für meine Texte versuche zu finden (oder hat sich da doch was eingeschlichen? Hüpfen…?). Ich lasse es einfach traurig stehen. Punkt.

...mal nachdenklich, mal traurig...
© Louises Art

8 Gedanken zu “Durchhänger

  1. Hallo Anja, es tut gut, dass du auch mal in einem Moment schreibst, in dem es dir nicht so gut geht! Auch wenn wir positiv in die Zukunft schauen, sind da weiterhin auch diese traurigen und schweren Momente mit den Erinnerungen an das alte Leben… und das darf jeder, der in dieser Situation ist, auch immer wieder zeigen und auch zulassen! Denn es gehört einfach zu uns! Und ja, es gibt tatsächlich immer wieder Menschen die denken: „ Man, so langsam muss sie aber durch sein mit der Trauer“… diese Menschen darf man getrost auch mal in dem Glauben lassen und die Trauer hinter einer Maske aus lächeln verstecken… aber dann gibt es da auch diese Menschen, die ehrlich fragen und auch mit einer ehrlichen Antwort umgehen können und einen dann einfach – ohne nach Worten zu suchen – in den Arm nehmen:-)
    Habe heute das Buch:@emails an den Tod bekommen und sofort angefangen zu lesen…kann nicht mehr aufhören… traurig aber auch schön…bringt mir nochmal eine ganz andere Sichtweise auf den letzten Weg mit meinem kranken Mann! Das Buch ist eine sehr rührende Art und Weise, sich mit dem Tod und seinem eigenen Leben auseinander zu setzen! Und dort schreibt der Tod auch, das Weinen eine intensivere und ausdrucksstärkere Emotion ist als Lachen und daher durchaus angemessen ist! Und dass der Sinn des Lebens das leben ist… mit allen Facetten… ups and downs… also: lass‘ uns einfach weiter hüpfen! Wünsche dir eine angenehme Vorweihnachtszeit mit vielen innigen Momenten
    Claudia

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    1. Liebe Claudia,

      traurig bin ich ja häufiger, wenn ich schreibe – dann schreibe ich mir meine Traurigkeit von der Seele und kann anschließend wieder anders in die Welt schauen.

      Wenn ich deprimiert bin, ist das anders. Dann fällt es mir schwer, einen Antrieb zum Schreiben zu finden. Den Schubs habe ich mir gestern gegeben…

      Wie schön, wenn dir das Buch gefällt – und dir die Möglichkeit für einen Perspektivwechsel erlaubt!

      Ich wünsche auch dir eine schöne Vorweihnachtszeit und herzerwärmende Erinnerungen!

      Herzlich,
      Anja

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    1. Das stimmt…
      Traurigkeit kann ich gut beim Schreiben aushalten – wenn ich aber deprimiert bin, schnecke ich mich aber lieber ein… Dann fehlt mir meist die Kraft zum Schreiben.
      Trotzdem war es richtig und gut, die Worte zu teilen…
      Herzlich,
      Anja

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  2. Liebe Anja, dein Beitrag kommt vielen Trauernden besonders jetzt ganz sicher sehr gelegen.. die Weihnachtszeit ist vermutlich für viele schwer – man wird ja überall getriggert. (mir ging das ne Weile mit der ‚Kinder‘-Schoki-Werbung so:Was wäre Weihnachten ohne Kinder?.. :(…)
    Ich stelle mir gerade vor, wie du so ganz vorsichtig aus deinem Schneckenhaus guckst und diesen Beitrag schreibst. Fertig. Und ganz schnell wieder rein ins Häuschen. Aber immerhin hast du ein wenig von deiner Traurigkeit aus dem Häuschen gelassen. Danke, dass wir auch daran teilhaben dürfen. <3

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    1. Liebe Bianka,

      ja, es geht wohl vielen so… Viele schwere Seufzer sind in dieser Zeit zu hören…
      Ich versuche, mir kleine „Genussmomente“ zu schaffen – uns sehen ich bin lieb zu mir, wenn eben nicht alles möglich ist, was ich gerne tun möchte…
      Manchmal bin ich „aus dem Häuschen“ (hihi) und dann halt wieder eingeschneckt.

      Herzliche Drückung
      Anja

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  3. Liebe Anja,
    ja es geht mir auch so, daß ich gerade in dieser Vorweihnachtszeit so sehr an meinen Frank denke und wehmütig bin aber dann gibt es auch wieder Menschen, bei denen man Mut und Kraft schöpfen kann. Ich war gestern Abend bei den Leuten, wo mein Mann gestorben ist. Uns verbindet seit dem eine Freundschaft und wir haben uns wunderbar unterhalten aber leider gibt es auch viele Menschen, die uns nicht wirklich verstehen können .Wirklich verstehen kann nur der, dem es selber widerfahren ist . Das weiß ich jetzt, ging es mir doch früher auch so!
    LG Marion

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    1. Liebe Marion,

      wunderbar, dass du solche Menschen in deinem Leben hast! …und wie magisch, dass aus so großem Schmerz etwas so Tolles wie diese besondere Freundschaft entstehen darf <3

      Wie war das?!
      "Du siehst alles ein bißchen klarer mit Augen, die geweint haben."
      …hier passt es gut, finde ich. Wer es selbst erlebt hat, versteht… Und ein paar wenige besondere Menschen können das auch ohne eigene Erfahrungen nachspüren…

      Herzlich,
      Anja

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