Wenn zählen nicht hilft…

Wenn zählen nicht hilft…

Maaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaannnnnnn!!! Grrr… Ich bin so wütend… Ich könnt’…

…ja, was denn?!?

Eigentlich wollte ich heute von meiner Wut schreiben – da gibt’s so Tage, da könnt‘ ich boxen… Brüllen… Mit dem Fuß aufstampfen… Heute ist so einer…

Tja, und dann habe ich ein passendes Foto zu diesem Beitrag gesucht… Und bei den Suchergebnissen hab ich erst die Stirn gerunzelt… Dann zuckte ein Mundwinkel… Und schließlich saß ich hier und habe schallend gelacht. Ich finde, dass Menschen unfassbar witzig aussehen, wenn sie wütend sind :)

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Quelle: Pixabay

Es gibt aber auch Zeiten, da ist so ein Wutgefühl nicht so schnell verschwunden. Ich weiß gar nicht so genau, ob die Wut erst so richtig präsent in Verbindung mit meiner Trauer wurde?! Spüre ich sie so stark, weil irgendwie alle Gefühle so potenziert auftreten?!? Oder macht Trauer einfach ab und an irre wütend?

Wie auch immer – ich habe so meine Probleme mit ihr… dieser Wut… Die passt nämlich nicht zu alten Glaubenssätzen, die ich gut verinnerlicht habe: so ein „sei hübsch brav“ oder „benimm dich!“… Da kann man nicht einfach so herumbrüllen, oder?!?

DOCH!

Ich kann das aber nur zu Hause am Meer oder im Wald – wenn keiner guckt… Manchmal würde ich mich gerne freier fühlen und meine Wut einfach raus lassen.
Jedenfalls merke ich, dass es mir so ohne Gebrüll nicht gut geht… Da brodelt es richtig in mir. Wut kocht… Und irgendwann fliegt der Deckel hoch. Und das meist in völlig unangemessenem Rahmen.

Ich kenne Trauernde, die lassen so richtig die Sau raus. Wenn nämlich die Wut so irre groß ist, dass man es nicht mehr aushalten kann – dann muss ein Ventil her. Denn sonst könnte sich die Wut gegen einen selbst richten… Ja, und wie alle unterdrückten Gefühle auch irgendwann krank machen.

Austoben…

Hilfreich ist es, wenn man dann eine Möglichkeit findet, wo man sich austoben kann ohne anderen zu schaden… Zum Beispiel:

  • Kissen boxen: einfach mal völlig hemmungslos das Kopf- oder Sofakissen vermöbeln. *zack* druff… Boxen, hineinbrüllen, an die Wand werfen… Da kann man herrlich Energie ablassen – und niemand kommt zu Schaden
  • Gartenschlauch: als Steigerung kann man auch ein Schlauchstück nehmen – die Tätigkeit bleibt die selbe: Draufhauen!
  • Crash-Room: die gibt’s in immer mehr Großstädten… Hier kann man sich einen möblierten Raum mieten und den nach Herzenslust mit Baseball-Schläger oder einem Hammer zerlegen.
  • Rasenmähen in erhöhtem Tempo: einfach super! Das Adrenalin wird abgebaut und hinterher ist auch noch der Garten schön ;0)
  • Joggen gehen, Kick-Boxen, Inlinerfahren,… Körperliche Aktivität baut Adrenalin ab – geh‘ raus und tob‘ dich dort aus!

Eine Übung hat meine Trauerbegleiterin mit mir gemacht. Kennst du noch von früher aus der Kindheit die nein-doch-Diskussionen? So ähnlich funktioniert das auch:

Man steht sich zu zweit gegenüber, hält sich an beiden Händen, schaut sich in die Augen… Einer von beiden beginnt mit einem lauten, wütenden „NEIN!!!“, der andere brüllt zurück „DOCH!!!“ oder „JA!!!“ so energisch und laut wie es geht… Das dann fröhlich abwechseln, immer hin und her…
Ogottogott, war das peinlich… Und meine Nachbarn haben sehr sicher gedacht, ich bin total bekloppt… Aber irgendwie war es auch befreiend – und letztlich sogar lustig *lach*

Tja, und was ich gerade merke: darüber schreiben hilft mir… Je länger ich hier tippe, umso friedfertiger werde ich.

Also: finde deinen Ausdrucksweg, um deine Wut rauszulassen. Sie darf da sein, sie darf explodieren… Und dann darf sie auch wieder gehen… still und friedlich…

…oder mit einem enormen Türenknallen!

Anders, als gedacht…

Anders, als gedacht…

Es gibt diese recht breit gültige Ansicht, dass es eine besondere Ehre sei, wenn man dabei sein darf, wenn jemand stirbt.

Mal ganz unwissenschaftlich daher geschrieben: Sterbende scheinen in gewisser Weise ihren Todeszeitpunkt „steuern“ zu können. Mal scheint jemand, der im Sterben liegt, ausgerechnet dann zu sterben, wenn der Betreuende einkaufen gegangen ist. Oder aber es liegt jemand im Sterben und scheint zu warten, bis noch jemand ans Sterbebett kommt, mit dem noch ein klärendes Gespräch geführt werden muss, bevor er oder sie sterben „darf“… Read more ›

Bist du etwa immer noch traurig?!?

Bist du etwa immer noch traurig?!?

JA, verdammt… Bin ich… Jedenfalls ab und zu…

Ich glaube, diese Frage steht auf der Rangliste der „Hass“-Fragen bei Trauernden gaaaaanz weit oben… Es wurde schon häufiger darüber geschrieben und so langsam, langsam dreht sich vielleicht etwas an der breiten Akzeptanz und Trauernde werden nach und nach in ihrem eigenen Tempo „gelassen“.

Aber ich habe sie mir nun einmal selbst gestellt (bissel masochistisch vielleicht?!?) Read more ›

Das Grau…

Das Grau…

Es gibt so Tage… die sind einfach grau… Nicht schwarz, nicht weiß, nicht grün oder gelb oder blau… Sie sind einfach grau und bleischwer…

Ich bin gar nicht sicher, ob dieses Grau immer trauerbedingt zu mir kommt – vielleicht sind es kleine Tiefs in meinem Leben, die ich nun einfach intensiver spüre…
Wie auch immer fällt es mir schwer, diese Nicht-Farbe anzunehmen. Hinzunehmen, dass ich morgens nicht fröhlich aus dem Bett hüpfe und „hurra, ein neuer Tag“ rufe. Zu akzeptieren, dass ich dann einfach kraftlos und unmotiviert bin. Read more ›

Atmen und Aushalten…

Atmen und Aushalten…

Du liebe Güte… Heute – nein, gestern (es ist nach Mitternacht) hatte ich ein Flashback, sitze immer noch ein wenig neben mir… ist es wirklich fast 3 Jahre her…?

Eine liebe Kollegin hat Abschied gefeiert – in ihrer Abschiedsrede wurde viel erzählt… Warum ich dir das jetzt erzähle? Nun, es wurde auch eine Veranstaltung erwähnt, die mir sehr am Herzen lag. Ein Gedenksymposium für den Wegbegleiter, dessen 60. Geburtstag im August gewesen wäre… Ich war in die Vorbereitungen eingebunden, war am Morgen des Events ganz aufgeregt und mega-hektisch… Vielleicht kannst du nachvollziehen, wie wichtig mir diese Veranstaltung war – schließlich war mir dieser Wegbegleiter so wichtig… Dieses „in Memoriam“ sollte etwas ganz Besonderes werden – ihm zu Ehren… Read more ›