Abenteuer Gefühle…

Abenteuer Gefühle…

Heute möchte ich über Gefühle schreiben…
Schwupps, habe ich mir alle männlichen Zuleser aus dem Blog gekegelt (oh, wie schön, dass ich so herrlich vorurteilsfrei bin, oder? – belehrt mich eines Besseren, sollte nur ein dummer Witz sein ;0)…

Was mich umtreibt ist, dass ich den Eindruck habe, als hätte mir die Trauer eine Hautschicht abgetragen. Ich bin dünnhäutiger, feinfühliger – äh, und ich empfinde mich dabei nicht als jemand, der jemals in seinem Leben besonders dickhäutig und oberflächlich gewesen wäre…

Es fühlt sich an, als habe ich bisher gar nicht meine volle Bandbreite an möglichen Emotionen ausgenutzt. Kann das sein? Vielleicht ist aber das Bewusstsein jetzt einfach ein anderes.

Im Fahrstuhl…

Ich habe nun schon einige Tiefs in meinem Leben durchgestanden, aber die Trauer hat mich in ein Tief geschmissen, das ich so noch nie erlebt habe. Man meint, mit dem Tod des so ans Herz gewachsenen Menschen sei man am absoluten Tiefpunkt… In den Tagen und Wochen nach dem Tod merkt man aber: es geht noch tiefer… Es ist ein wenig wie in einem Fahrstuhl, der nur nach unten fahren kann. Ab und zu hält er an: es gibt Momente, die den Gedanken aufkommen lassen „so, nun habe ich es aber geschafft – es geht mir heute mal nicht schlechter als gestern, hurra!“. Ja, für diesen Moment stimmt das voll und ganz. In der Regel folgt darauf aber ein Einbruch – zack, sitzt du gefühlt noch eine Etage tiefer und fragst dich, ob das jemals enden wird.

Ja, es endet – versprochen! Irgendwann ist diese Talfahrt zu Ende. Wie lange das dauert? Das kann ich leider nicht beantworten. Es liegt in dir. Diese Gefühlsabwärtsspirale muss durchlebt werden, damit es dir anschließend besser gehen darf.

Intensiv und anstrengend…

Dieses Gefühle so intensiv fühlen und durchleben ist ungeheuer anstrengend, finde ich – es kostet irre viel Kraft… Aber vielleicht ist das so vorgesehen, damit man sich besser spüren kann? Wenn du Schmerzen vor lauter Sehnsucht hast, spürst du: ich lebe! Bist du traurig und verzweifelt, merkst du dennoch: ich lebe! Dieses Vermissen, dass dir das Herz zu zerreißen droht, zeigt dir: ich lebe!
Der Mensch, der gestorben ist, kann dir keinen Halt mehr geben und das ist Mist… Anstatt aber den Halt zu verlieren, findest du über die Emotionen Halt im Leben, im Hier und Jetzt, in dir… Du darfst weiterleben und dein Körper und deine Seele zeigen dir mit diesen extremen Gefühlen, dass du noch da bist und dass du weitermachen darfst.
Es klingt vermutlich irgendwie zynisch, wenn ich schreibe „darfst“, wenn du ohne den geliebten Menschen eigentlich gar nicht mehr sein magst… Aber hey, das ist dein Geschenk und deine Aufgabe – du bist da! Mach was draus! Für den fehlenden Menschen mit!

Was das Schöne daran ist? Es gibt auch die andere Seite der Bandbreite – die Glücksgefühle! Und ja: auch die wirst du wieder zu spüren bekommen.
Auch von der Intensität dieser schönen Gefühle war ich teilweise überrumpelt… Wie großartig es sich anfühlte, wenn ich mal wieder lachen konnte – so aus vollem Herzen (wenn ich mich direkt ein wenig erschreckt umdrehen mochte: „war ICH das jetzt?!?“)… Oder wenn es mal einen Moment leichter wurde: mit den Füßen im Meer, die Nase im Wind, Salz auf der Haut, spüren, dass die Schwere für einen Augenblick abfällt und ich einfach nur „sein“ konnte.
Kleinigkeiten, die man bisher gar nicht so richtig wahrgenommen hatte (oder?), werden auf einmal viel bedeutsamer – sie berühren intensiver als zuvor:
Zum Beispiel die Freude, wenn dir Kollegen einen Kaffee vorbeibringen ohne dass du darum gebeten hast – voll schön!
Das Glücksgefühl, wenn dich irgendetwas komplett überrascht, wenn einfach so mal was Schönes passiert – ein Fest!
Wenn dich jemand zur Begrüßung fest umarmt – ohne Grund (nicht, weil es dir schlecht geht oder so, sondern nur aus Wiedersehensfreude) – wow!

…aber huiiiiii… Lebendig!

Kennt ihr diese Schaukeln auf Abenteuerspielplätzen? Diese viele Meter hohen Gestelle, auf denen man mit viel Schwung unheimlich hoch schaukeln kann? Bis in den Himmel? Ich sitze auf so einer, hole Schwung… mehr Schwung… bis ganz nach oben… Und genieße das Kribbeln im Bauch da oben an diesem gefühlt luftleeren Punkt… Das ist Leben pur!

Ich weiß, dass die Schaukel auch wieder zurückschwingt. Es wird auch Tage geben, wo ich einfach nur so dasitze und keine Kraft habe, um Schwung zu holen. Auch das ist Leben pur… Aber ich weiß, dass ich das aushalten kann. Mittlerweile kenne ich meine Grenzen besser – wenn ich alleine keine Kraft finde, habe ich mittlerweile gelernt, um Hilfe zu bitten. Und wenn ich dann knopfäugig dastehe und bettle „kannst du mir Anschwung geben? Büüüüütteee?!?“ Wer kann da schon nein sagen ;0)
Und ich kann sicher sein, dass auch wenn ich nicht um Hilfe bitte, wenn ich zu lange stillsitze irgendwann jemand vorbei kommt und mir Schwung gibt.

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Quelle: Pixabay

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