Das Grau

Das Grau

Es gibt so Tage… die sind einfach grau… Nicht schwarz, nicht weiß, nicht grün oder gelb oder blau… Sie sind einfach grau und bleischwer…

Ich bin gar nicht sicher, ob dieses Grau immer trauerbedingt zu mir kommt – vielleicht sind es kleine Tiefs in meinem Leben, die ich nun einfach intensiver spüre…
Wie auch immer fällt es mir schwer, diese Nicht-Farbe anzunehmen. Hinzunehmen, dass ich morgens nicht fröhlich aus dem Bett hüpfe und „hurra, ein neuer Tag“ rufe. Zu akzeptieren, dass ich dann einfach kraftlos und unmotiviert bin.

Zu Beginn meiner Trauerzeit waren das Tage, an denen ich mir nur noch die Bettdecke über den Kopf gezogen habe, nachdem ich meinen Sohn zur Schule geschickt habe (und mich dieses kleine Bisschen Funktionieren eigentlich schon an meine Grenzen gebracht hat) und gehofft habe, dass der Tag endlich vorbei geht…
Ich würde jetzt gerne etwas Motivierendes, Hoffnungmachendes schreiben – etwas, das dir zeigt, dass diese Tiefs vorbei gehen… Tut mir leid… Sie verschwinden nicht. Bei mir jedenfalls nicht.

Aber es darf sich für mich etwas ändern, indem ich mein Verhalten ändere bzw. anpasse. Es gibt weiterhin diese Phasen, wo einfach nichts so richtig gut geht. Ich übe mich darin, sie einfach auszuhalten. Ich schraube meine überhöhten Erwartungen an mich selbst zurück und nehme mich an, wie ich gerade bin.
Atmen und aushalten… Das hilft!

Gerade jährte sich zum dritten Mal der Todestag meines Schwiegervaters… Das ist traurig… Ich vermisse ihn…
Vor drei Jahren begann nach seinem Tod die schlimmste Zeit meines Lebens… Die Erinnerungen machen mich traurig. Ich könnte mich jetzt dagegen sträuben, mich ablenken und mir einreden, dass doch nun alles gut ist – es ist doch schon soooooo lange her.
Das möchte ich aber gar nicht. Diese Traurigkeit gehört doch zu mir… Ich lade sie ein, setze mich dazu und schweige gemeinsam mit ihr…

Offen und ehrlich

Ja, und wenn mich jemand in diesem Schweigen anspricht, rede ich darüber, dass es mir nicht gut geht. Nicht immer und auch nicht mit jedem… Aber es gibt ja diese Menschen in meinem Leben, die das aushalten können. Diese Menschen geben sich mit meiner Antwort auf die Frage „wie geht’s dir?“ nicht zufrieden… Mit einem „Naja, ich bin gesund.“ komme ich nicht davon 🙂
Und das tut gut. Danke!

Und dann gibt es da in diesem Grau plötzlich Lichtblitze – schöne, berührende Ereignisse… Manchmal klitzeklein und doch ganz wunderbar. Das Tolle ist: gerade in diesem matten Grau strahlen sie so herrlich.

Am letzten Arbeitstag der Woche, durch die ich mich echt gequält habe, kommt eine Kollegin zu mir und berichtet strahlend von einem Konzert, das sie am Vorabend gehört hat. Dass dort eine Adaption von „The Rose“ gesungen wurde, die ganz berührend umgesetzt wurde. Ihr Strahlen und ihre Freude waren in dem Moment ein ganz bezaubernder Lichtstrahl direkt in mein Herz.
Schwupps, war sie kurz weg und kam mit einem Ausdruck des Liedtextes zurück. „Für dich“… Danke ♥

Wer nie weint und niemals trauert, der weiß auch nichts vom Glück

Das sind meine Lieblingszeilen aus diesem Text. Ich denke, wir brauchen einfach diese Kontraste in unserem Leben. Schmerz und Traurigkeit, um Glück und Leichtigkeit wertzuschätzen… Das Grau, um die Farben leuchten zu sehen…

Ich möchte gerne den ganzen Liedtext teilen, weil ich so überrascht war, wie schön ich ihn finde (auf Englisch kenne ich das Lied nur sehr theatralisch gesungen – das schrappte bei mir immer so sehr an der Schmerzgrenze, dass ich dem Text nie so recht folgen konnte, sorry ;0)

Liebe ist wie wildes Wasser
Das sich durch Felsen zwängt
Liebe ist so wie ein Messer
Das dir im Herzen brennt
Sie ist süß und sie ist bitter
Ein Sturm, Wind und ein Hauch
Für mich ist sie eine Rose
Für dich ein Dornenstrauch

Wer nie weint und niemals trauert
Der weiß auch nichts vom Glück
Wer nur sucht, was ewig dauert
Versäumt den Augenblick
Wer nie nimmt, kann auch nicht geben
Und wer sein Leben lang
Immer Angst hat vor dem Sterben
Fängt nie zu leben an

Wenn du denkst, du bist verlassen
Und kein Weg führt aus der Nacht
Fängst du an, die Welt zu hassen
Die nur and’re glücklich macht
Doch vergiss nicht, an dem Zweig dort
Der im Schnee beinah erfror
Blüht im Frühjahr eine Rose
So schön wie nie zuvor

(„Die Rose“ – A. McBroom / Bearb.: Michael Kunze)

Auch wenn sich das Leben manchmal anfühlt wie ein Dornenstrauch… Auch wenn mir manchmal grau ist… Oder vielleicht auch gerade WEIL…

Ich finde mein Leben so schön wie nie zuvor!

sdr
Quelle: Martine Blankenburg

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