Geschenke…

Geschenke…

Du hast Geburtstag und ich bekomme die Geschenke!!!

Yay… Wie toll!!!
…oder?!

Ich habe nun bestimmt 10mal in den Kalender geschaut und nachgezählt… 5?!? 5 Jahre?!? Der 5. Geburtstag ohne dich??? Egal, wie oft ich zähle. Es bleibt dabei.
Und ich bin irgendwie fassungslos.

Fassungslos und traurig. Nicht zu Tode betrübt, aber traurig… Du fehlst…

Und wieder einmal war ich auf diese Traurigkeit nicht vorbereitet. Mit Fertigstellen des Buches habe ich noch so viele Tränen vergossen, dass ich wirklich dachte, nun sei auch erst einmal wieder gut.
Und überhaupt bin ich doch momentan so glücklich und lebendig – wie passt es da, dass ich dich vermisse?

Tja, ich habe aufgehört mit dem Versuchen, diese Gefühle zu verstehen. Sie sind halt da.

Zurück zu den Geschenken:

Ich fühle mich reich beschenkt, denn ich habe Menschen in meinem Leben, mit denen ist eine ganz fantastische Bandbreite an Gesprächen möglich.

Ohne deinen Tod hätte ich diese Menschen so nicht getroffen… Ich weiß ja nicht, wie es so ist, da, wo du jetzt bist – aber ich kann mir gut vorstellen, dass du mich um diese Begegnungen beneidest… beneiden würdest?! Hm, für solche Formulierungen gibt es im Deutschen wohl nicht die richtige Zeitform ;0)

Wenn ich so überlege, sind das Menschen, die den Tod direkt gespürt (im Sinne von erlebt oder gesehen) haben oder die ihn ganz direkt in ihrem Leben aushalten können. So viel Lebendigkeit ist möglich, wenn man den Tod als Zeichen der Endlichkeit akzeptiert.

Gerade auf der Messe „Leben und Tod“ habe ich viele solcher lebendigen Gespräche geführt: in der einen Minute fällt man sich vor Wiedersehensfreude um den Hals und lacht schallend über ein ulkiges Erlebnis – in der nächsten erzählt man auf einmal, wie man dem Tod begegnet ist.

Facebook-Verknüpfungen in die Realität holen, virtuelle Blog-Bekannte live und in Farbe treffen (liebe Grüße an die Waldträumerin!),… Ein Geschenk, was für herzliche Verbindungen aus diesen sehr oberflächlichen Medien entstehen!

Wertvoll, wenn man Menschen begegnet, mit denen man sehr kurzfristig und echt zwischen lustig und tief wechseln kann. Selten, deshalb besonders. Danke!

(Stefan Bitzer)

Das finde ich so schön und treffend formuliert, dass ich gefragt habe, ob ich es hier in meinen Blog kopieren darf (danke Stefan!).

Noch ein Geschenk 💙

Ja, und das sind teilweise wirklich krasse Schicksalsschläge, die man sich da berichtet. Manchmal auch Geschichten, bei denen mir der Gedanke kommt „ich könnte das nicht aushalten“ (obwohl ich ganz genau weiß, dass das so nicht stimmt – und: würde ich glauben, dass ich meine eigenen Erlebnisse (er)tragen könnte, wenn ich sie nicht bereits erlebt hätte?!?).
Ich kann gut verstehen, dass nicht jede oder jeder es aushalten kann, frei darüber zu sprechen, sondern sich lieber hinter einer Maske oder in sich selbst versteckt… Und auch nicht jeder oder jede kann nach solchen Erzählungen von ganz persönlichen Dramen lachen und Witze machen…
Umso mehr schätze ich es, wenn man mir mit der gleichen Offenheit und Ehrlichkeit begegnet, die ich für mich als selbstverständlich erachte…

Mir gibt das eine ganz besondere Freiheit und Leichtigkeit… Ohne Maske ist Fliegen möglich… Und dann schaffe ich es manchmal, einen übergeordneten Blick zu finden

Vom Mond aus betrachtet, spielt das Ganze gar keine so große Rolle.

Oder aber von über den Wolken… Danke, liebe Silke, für dieses Foto (wieder ein Geschenk), das ich hier so passend finde:

Freunde geben die nötige Leichtigkeit in Zeiten der Trauer
(c) Silke Kaiser

…und wenn ich schon da oben herumschwebe, fühlt es sich fast so an, als könne ich dir winken…

Danke, dass du in meinem Leben warst und dass durch dich mein Leben eine so besondere Wendung genommen hat…

Träne aus dem Augenwinkel wischen (schluchz, doch mehr als eine…) und dankbar lächeln…

Alles Liebe zum Geburtstag, Andreas ♥♥♥

…und dann?!?

…und dann?!?

Die lieben Totenhemd-Bloggerinnen haben zu einer Spontan-Blogaktion im Februar gerufen… Und ich fühlte mich von den Fragen inspiriert:

  • Wie stelle ich mir das Leben nach dem Tod vor?
  • Was kommt nach dem Tod?
  • Welcher Gedanke, welches Bild tröstet mich?

Bis vor gar nicht allzu langer Zeit war meine Antwort auf das „danach“ ganz simpel:

tot ist tot!

Wenn ist sterbe, dann ist Schluss. Fertig. Punkt.

Diesen Gedanken finde ich auch weiterhin ganz attraktiv:

RUHE!

Die Vorstellung hat etwas Friedliches für mich. Ein Gefühl von „geschafft“.
Vielleicht auch so, als würde man über die Ziellinie rennen, alle jubeln und freuen sich… Applaus! Und dann drückt jemand die Stopptaste und der Film endet…

Schön, oder?

Najaaa…
Aber wie geht es weiter? Das fragt man sich doch sofort, wenn ein Film abrupt endet und man mit der Hauptakteurin so tief verbunden ist.
Die große Regisseurin zuckt dann nur bedauernd die Schultern: „Das Engagement dieser Schauspielerin wurde nicht verlängert.“

Hmpf… Was ist mit der Hoffnung darauf, die vielen Menschen wiederzusehen, die aus meinem Leben schon weggestorben sind?
Ich freue mich doch schon so darauf: Wir alle mit baumelnden Beinen auf einer Wolke da oben. Kichern darüber, worüber die da unten sich so aufregen… Was da unten so groß und wichtig erscheint, plötzlich nichtig und klein… Reinhard Mey hatte also Recht…

Über den Wolken…

Aber Moment mal… Das ist mir echt zu kitschig… Tragen wir gar alle weiße lange Hemdchen und haben Engelsflügel?!? Ochnööööööö…

Also doch: Schluss, aus, Ende…?

Das passt nicht recht zu meinen etwas spirituellen Gedanken oder etwa Begegnungen…
Etwas bleibt von uns – da bin ich ziemlich sicher. Nur glaube ich (zumindest aktuell) nicht, dass wir als Personen wiedergeboren werden oder in Parallelwelten wandeln…

Ich finde dieses Bild sehr tröstlich: unsere Seele, die bleibt. Nicht als Form oder Ding oder in irgendeiner anderen Weise vorstellbare Existenz. Sie ist bereits in uns (im Leben) nicht greifbar, sondern etwas Schwebendes – wie eine Wolke aus mini-mini-mini-mini-mini-…-Partikeln. Jedes dieser winzigen Anteile enthält unsere komplette Existenz. Erlebnisse, Gefühle, Eigenschaften, Erinnerungen, Schmerz, Lachen, Freude, Trauer,… Alles, was uns ausmacht. Stirbt unser Körper, so wird diese Wolke frei… Wer in unserer Nähe ist, kann etwas davon einatmen und bei sich tragen. Die Wolke bleibt wie sie ist oder teilt sich mit dem Wind… So ist es möglich, dass Begegnungen stattfinden können. So können wir auch nach dem Tod sehen, wie es weitergeht – ohne Handeln zu müssen…

So, haltet mich für verrückt, aber diese Idee finde ich schön. Vielleicht ist es so, vielleicht ist es anders… Wenn es ganz doof läuft, werde ich nach meinem Tod wiedergeboren als Kieselstein und liege irgendwo rum… Bestenfalls an einem schönen Meeresstrand… Hm, zumindest Geduld würde ich dann lernen ;0)

Mir hat das Beschäftigen mit den Fragen sehr viel Freude bereitet – und meine Idee wurde erst beim Schreiben konkreter. Wie siehst du das?

Wie auch immer: Angst vor dem „Danach“ habe ich nicht. Ich bin einfach gespannt… Vielleicht werde ich es erfahren, vielleicht ist auch einfach…

…Schluss.

Memento mori

Memento mori

November bedeutet: Totenhemd-Challenge-Zeit! Es ist wieder soweit: Petra Schuseil und Annegret Zander rufen mit ihrer jährlichen Blog-Challenge auf:

Memento mori – werdet kreativ!

Also eigentlich hatte ich was Kreatives vor – aber da der Zustelldienst meine Lieferung sonstwem geliefert hat (jedenfalls nicht mir), musste ich umdisponieren…

Ich möchte euch gerne an meinen Erinnerungen teilhaben lassen: heute vor 4 Jahren ist mein Liebster gestorben… Ein Brief in den Himmel ♥

…aaaber, ich schreibe nicht an Andreas – wie ich es erst vorhatte – ich schreibe an jemand anderen:


 

Lieber Tod,

ich schreibe dir – dabei hätte ich viel lieber meinen Andreas gerade heute, gerade JETZT neben mir… Vorhin hatte ich kurz das Gefühl, er sei da… Kann das sein? Oder hast du mir mit einem Hauch zeigen wollen, dass ich noch hier und am Leben bin?!

Ja, ich lebe… nur heute schmerzt dieses Leben unfassbar! Ich tauche durch Erinnerungen, die weh tun, denn ich vermisse ihn gerade sooo sehr. Warum hast du ihn mitgenommen?!

Er fehlt mir sooo…

Ich erinnere mich an diesen letzten Abend, bevor Andreas starb… Er war ganz unruhig, wollte unbedingt aufstehen, obwohl das zu dem Zeitpunkt nur noch mit meiner Hilfe und ganz viel Mut und Kraft zu machen war. Sein Körper war schon so weit eingeschränkt… Aber da ihm das so wichtig war (ich weiß gar nicht mehr, wie er mir das zu verstehen gab – sprechen war schließlich auch nicht mehr möglich?!), habe ich ihm diesen Wunsch erfüllt… Er wollte partout auf der Couch sitzen. Für Sohn und mich war „Voice of Germany“-Zeit – da wollte er gerne dabei sein und fernsehschauen. Ich weiß noch, wie anstrengend das für ihn war… Aber wir saßen tatsächlich ungefähr 5 Minuten alle drei einträchtig gemütlich auf der Couch… Aneinander gekuschelt fühlte sich das tatsächlich so herrlich vertraut und „normal“ an… Seufz…

Nach diesem innigen Moment war es, als hättest du bereits im Raum gestanden, um nach uns zu schauen… Vermutlich hast du dich doch erweichen lassen, als du uns so gemeinsam gesehen hast, oder? Ich hatte plötzlich das Gefühl, es gäbe einen kleinen Aufschub für uns. Und doch war da dieser kalte Schauer gefühlter Endlichkeit.

Danke! Danke für diesen schönen letzten gemeinsamen Moment… Danke für diese letzte Nacht, die noch so liebevoll und innig und ohne Ängste verlaufen durfte… Danke, dass du mir nicht übel genommen hast, dass ich dich nicht wahrhaben wollte… konnte…

Ach, was habe ich mit dir gerungen, wollte dich weder sehen noch akzeptieren… Du hast das ignoriert – hattest deine Vorgaben, Pläne oder irgendwelche Gründe… Du hast mir schließlich meinen Herzensmenschen einfach so gestohlen. Dabei hatten wir doch Pläne und Träume… Ich war so unerhört wütend auf dich!

Weißt du, ich hätte so sehr eine Erklärung gebraucht von dir: warum muss ein so junger Mensch sterben? Wo ist da der Sinn? Was hast du dir dabei gedacht???????

Ich habe bis heute keine Antwort auf diese Fragen… Mittlerweile habe ich das akzeptiert: es gibt einfach keine Antwort. Nicht jetzt. Aber glaube mir: ich hebe mir diese Frage auf! Eines Tages, da begegnen wir uns ja auch direkt und persönlich. Dann mach‘ dich darauf gefasst, dass ich dir einiges um die Ohren hauen werde!
…vielleicht aber werde ich auch dann bereits verstanden haben… Wer weiß.

Was ich nun zu verstehen glaube ist ein großes Geschenk, dass du mir ganz nebenbei dagelassen hast (war das Absicht?):

Ich soll end-lich leben!

Mit Haut und Haaren, mit Liebe aus vollem Herzen, Glück aus tiefster Seele, unaushaltbar scheinendem Schmerz, schallendem Lachen, tränengerührten Gesprächen, erquickender Musik,… Die ganz große Achterbahn mit drölfzig Loopings! Her mit dem Leben!

…und das tue ich! Neulich gerade habe ich mich darüber beschwert, dass diese Achterbahnfahrt so immens anstrengend ist – aber, weißt du was? Sie ist soooooo großartig, denn sie lässt mich das Leben mit voller Wucht und in so großer Bandbreite spüren, dass es diesen Kraftakt sowas von wert ist!

Tschakkaaaaa!

Pläne, die mache ich nur noch kurzfristig in absehbarer Zeit – und zwar so, dass ich es ganz unproblematisch finde, wenn sie nicht umgesetzt werden können. Träume… ja, die gibt es. Aber ich träume nicht lange vor mich hin: meistens braucht es nur einen Ruck, um sie Wirklichkeit werden zu lassen… Und wenn nicht, sind sie auch einfach nicht so wichtig.
Ich fühle mich noch weit davon entfernt, dass ich so lebe, als könnte ich jeden Moment sterben und das wäre okay. NEIN! ICH WILL NOCH NICHT! Ich möchte bitte noch hier bleiben!

Aber ich sehe dich jetzt, lieber Tod! Ich verstecke mich nicht, sondern ich nutze die Zeit, die ich habe.

…und wenn du dann eines Tages zu mir kommst, werde ich bereit sein. Ich glaube, wir werden uns wie Freunde umarmen und ich werde mich freuen, mit dir gehen zu dürfen. Das wird nämlich eine große Ehre sein und die Ängste, die wir Menschen uns hier zusammenreimen, sind einfach komplett irrsinnig…

Bis dahin sei aber so gut und gib mir Zeit, ja? Ich möchte mein end-liches Leben genießen!!!

Deine Anja

PS: …untersteh‘ dich und hole meinen Sohn vor mir ab! Dann bist du fällig!

PPS: …denk‘ dran, ich erwarte eine Antwort auf meine Fragen!


 

Ein herrlicher Erinnerungsnachmittag im Ruheforst… Es sind viele Tränen geflossen, denn ich kann es kaum fassen, dass es 4 Jahre her ist, dass du sterben musstest… Ich fühlte mich dir ganz nah… Und gleichzeitig warst du so weit weg…

Da war dieser Raubvogel, der eigentlich auf Beutezug war und dann auf einmal zu uns flog… Magisches Licht im Wald… Wind von Ost, der das Meer aufwühlt… Laubrascheln…

Wir haben dir einen „waldgerechten“ Altar aufgebaut. Rosenblätter, eine Muschel vom Strand, ein Brief, ein Herz aus Vogelfutter… eine Kerze, damit du uns leuchten sehen kannst… Das Windlicht haben wir wieder mit heim genommen, denn das darf ja im Wald nicht stehen bleiben…

…wish you were here!

Fenster…

Fenster…

Sehr seltsam… Seit einiger Zeit schlafe ich wieder bei geöffnetem Fenster… Ja, ich weiß – bei dieser Hitze momentan ist das wohl unausweichlich – aber auch vorher schon ist es mir aufgefallen.

Warum das seltsam ist? Seit Andreas‘ Tod habe ich die Fenster nachts geschlossen gehalten. Das Leben draußen war mir zu laut, zu unruhig, zu aufmerksamkeitsheischend, zu… Zu halt… Ich konnte es nicht aushalten – war der Schlaf doch so schwer zu finden, den wollte ich nicht auch noch von außen gestört wissen. Zu kostbar jede Minute, die der schwer mit dem Leben kämpfende Körper endlich einmal die wild in tiefe Tiefen kreisenden Gedanken besiegt und zur Ruhe gekommen ist.

Nun scheint dieser Kampf irgendwie ausgekämpft und ich wieder offener für eine Öffnung nach Außen zu sein…?

Mir schießt dazu immer wieder dieser Spruch bzw. dieser Brauch durch den Kopf, der zum Tragen kommt, wenn jemand stirbt:

Öffne das Fenster, damit die Seele davonfliegen kann…

Als Andreas starb, habe ich das ganz automatisch getan – ohne auch nur im Mindesten darüber nachzudenken… Einzig die Bestätigung der Begleiterin vom Palliativdienst im Sinne von „ja, das ist gut, dass du das Fenster öffnest, dann kann seine Seele davonfliegen“ hat meine Aufmerksamkeit darauf gelenkt.

Braucht die Seele ein Fenster?

Aber: braucht die Seele tatsächlich ein Fenster, um davonzufliegen? Geht das nicht „einfach so“? Warum muss das Fenster offen sein?
Vielleicht ist es ja auch eine Art Beschäftigungstherapie für die Begleitenden. Wenn man die ganze Zeit im „Helfen“-Modus gefahren ist und der Mensch, den man begleitet, stirbt, dann gibt es von jetzt auf gleich nichts mehr zu tun. Dann kann man wenigstens das Fenster öffnen und einmal tief durchatmen ;0)

Denn die Seele oder was immer bleiben mag, wenn jemand stirbt – und ich bin fest davon überzeugt, dass etwas bleibt – ich denke, dass es noch eine Weile ganz dicht um uns bleibt. Nicht im Körper, der bis zum Tod belebt wurde, aber doch irgendwie präsent.

Noch wichtiger als das Fensteröffnen war für mich persönlich das bewusste Abschiednehmen… Das Begreifen, dass er nun wirklich tot ist.
Dazu fand ich die Begleiterin des Palliativdienstes einfach bereichernd: sie war da, hat mich ganz fest in den Arm genommen (zwischen der mir bis dahin gänzlich unbekannten Frau und mir war angesichts des Todes eine spontane Nähe – sehr schön!) und mich auch ermutigt, mich mit dem toten Körper zu befassen – ich danke dir von Herzen, du Liebe, dass du so sehr und so besonders für mich da warst ♥

Diese letzten Kontakte, sie waren und sind so unsagbar wertvoll für mich. Ihn zu berühren, im wahrsten Sinne „begreifen“ zu können, dass er nun tot ist – ich habe keine Ahnung, wie ich das ohne diesen Kontakt hätte verstehen oder gar akzeptieren können…

Diesen Menschen, den man lebendig so oft berührt, umarmt, gestreichelt hat – den man von oben bis unten und von hinten und von vorne in und auswendig zu glauben kennt… Mit dem Tod wird er auf einmal unheimlich (mir jedenfalls). Haben wir das in unserer Gesellschaft so gelernt? Ich habe jedenfalls zuvor nie einen Menschen beim Sterben begleitet und Andreas war auch der erste Tote, den ich erlebt habe.

Bis dahin habe ich mich immer an dem in unserer Gesellschaft so verbreiteten Ausspruch festgehalten „behalte ihn/sie so in Erinnerung, wie du ihn/sie gekannt hast“.
Ja, klar, es ist leichter, den Menschen so im Kopf zu behalten, wie er erfüllt von blühendem Leben durch die Welt marschiert ist – aber ist das tatsächlich leichter?!? Wie bitte schafft der Verstand es dann, nachzuvollziehen, weshalb dieser Mensch auf einmal in einer Holzkiste oder einem vasenähnlichen Gefäß verschwunden ist? Da fehlt doch etwas?

Berührungsschreck…?

Nun war da diese Frau, die mich fragte, ob ich Andreas mit ihr gemeinsam waschen würde?

What?!? Ich soll einen Toten anfassen?!? Neeeeeein!!!

Doch! Hab ich! Und es tat so gut! Es hatte überhaupt gar nichts Unheimliches, sondern war ein Teil des Begreifens, dass er nun nicht mehr lebt – dass das, was wir da waschen, nur seine Hülle ist.
Mir dann zu überlegen, was er wohl am liebsten getragen hätte im Sarg – tieftraurig und doch so begreifend. Schließlich wusste ich genau, was er am liebsten trug. Das sollte er nun auch anziehen. Ganz praktisch etwas zu tun – die Kleidungsstücke zusammensuchen – hat mich in der Realität gehalten, hat mir dabei geholfen, nicht umzufallen.

Ich bin auch sehr dankbar, dass ich die Gelegenheit genutzt habe, ihn noch ein wenig zu Hause zu behalten… Der Hausarzt kam, hat die offiziellen Untersuchungen durchgeführt (da war ich nicht dabei – ich glaube, das ist auch etwas, das man sich ersparen sollte…?), den Totenschein ausgefüllt – die automatische Folgerung wäre eigentlich, den Toten vom Bestatter abholen zu lassen.
Ich bin von dem von mir gewählten Bestatter in keinster Weise begeistert – schön war aber der Hinweis, dass der Körper nicht sofort abgeholt werden muss, sondern er noch eine Weile bleiben kann, wenn wir das möchten. Sie seien 24h erreichbar und kämen jederzeit, wenn sie den Verstorbenen abholen sollen.*

Nach und nach die Veränderungen seiner Hülle zu beobachten war direkt ein bisschen spannend – mein Sohn war nach den ersten Berührungsängsten ganz fasziniert und hat bei jeder Gelegenheit Bericht erstattet.
Für uns war es so leichter, Andreas‘ Körper abholen zu lassen. Ja, es hat mich vor Schmerz zerrissen, als die Männer vom Bestattungsinstitut ihn abgeholt haben – aber trotz alledem war es okay, denn sie haben mir nichts nehmen können, das nicht schon fort gewesen wäre…

Puh… Auch nach all‘ der vergangenen Zeit ist es sehr intensiv für mich, hierüber zu schreiben…

Ich bin aber dankbar und in Frieden mit diesem Abschied.

Woher aber kam nun dieses „Phänomen“, dass ich seit diesem Abschied nicht mehr bei geöffnetem Fenster schlafen konnte? Wollte ich all seine Energie im Haus halten? Die Luft, die er geatmet hat, weiter atmen? Nein, das passt nicht, denn frische Luft tat mir total gut… Ich denke, es war eher diese Überempfindlichkeit gegenüber allen Einflüssen von außen. Diese gefühlte Schutzlosigkeit gegenüber dem Leben… und dem Tod…
Da war Ruhe extrem wichtig.

Nun darf das Fenster also wieder geöffnet bleiben, während ich schlafe…
Ist das ein weiterer Abschied? Nein – einfach nur schön… Es ist einfach so passiert… Wandel durfte stattfinden…

Ich stelle mich ans Fenster und atme tief ein… und aus… Hach, Leben!

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Foto: Pixabay

* Wusstest du, dass Verstorbene eine Weile zu Hause bleiben dürfen, bevor sie vom Bestattungsinstitut abgeholt werden? Bis zu 36h sind offiziell gestattet – es ist aber meines Wissens noch niemand verhaftet worden, der diese Frist überschritten hat und es gibt prominente Beispiele, die von einer längeren Aufbahrung berichten.

Frage beim Bestatter nach, wenn du unsicher bist – wenn du sicher bist, was du tun möchtest, dann frage nicht (wer viel fragt,… Und so ;0)

Es gibt zu dem Thema eine schöne Folge von „Talk about Tod“ vom Bestattungsinstitut Pütz-Roth. Hör doch mal rein…

Und: wusstest du, dass jemand, der im Krankenhaus verstorben ist, auch noch einmal nach Hause überführt und aufgebahrt werden darf?

Dieses Aufbahren ist sicher nicht jedermanns Ding – ich habe mich früher richtiggehend davor gegruselt und mich bei jeder Gelegenheit davor gedrückt. Heute empfinde ich es als seeeeehr wertvoll, auf diesem Wege Abschied zu nehmen. Und ich finde es wichtig, dass wir mehr und mehr solche Abschiede als natürlich akzeptieren (egal, ob wir es nun selbst tun würden oder nicht).

Wie immer: lass dich von Herz und Bauch leiten… ♥

Eigentlich…

Eigentlich…

Eigentlich ist alles gut – Zustand: zufrieden und glücklich!

Uneigentlich spüre ich diese Traurigkeit in mir… Oder ist es Sehnsucht? Sehnsucht nach dem, was einmal war…? Oder Vermissen? Ich weiß auch nicht… Es ist halt, wie es ist.

In meinem Kopf ist jedenfalls eine riesengroße 4…

Das vierte Mal… Schon der vierte Geburtstag, den wir nicht mit dir gemeinsam feiern können. Das will einfach nicht in meinen Kopf. Wie kann das sein? Wo ist die Zeit geblieben? (naja, einmal kurz in den Spiegel geblickt – da sind ausreichend Zeichen der Zeit, die diese Zeitspanne bestätigen ;0)

Trotzdem stolpere ich immer und immer wieder über diese Fassungslosigkeit. So viel Zeit ist vergangen – ohne dich. Irgendwann in naher Zukunft werde ich mehr Zeit „nach dir“ verbracht haben als „mit dir“.
Das macht mich irgendwie traurig.

Nur: was ist eigentlich „Zeit“ in diesem Zusammenhang? Ist nicht viel bedeutungsvoller die Intensität, die Nähe, die man verspürt oder verspürt hat?

Weitergehen…

Schwierig zu fassen ist eher das Gefühl, dass man „so lange schon“ doch weitergehen konnte. Und das auch noch so erfüllt, glücklich und aufregend. Wie geht das?!? Dachte ich doch nach Andreas‘ Tod, dass mein Leben – wenn überhaupt – nur dunkel und schwer weitergehen kann…
Schmerzhaft erinnere ich mich an diese Sprüche nach dem Motto „ach, das wird schon wieder“ – wie oberätzend war es, das in tiefster Trauer zu hören. Auch wenn man jetzt wo es mir gut geht meinen könnte, dass an diesem schlauen Spruch doch etwas Wahres ist – ich empfinde das nicht so. Nein, es wird nicht wieder! Es wird anders, ja! Und es wird auch wieder gut und schön, ja! Aber es macht den Tod nicht weniger schwer und es schmälert auch nicht die Gefühle… Und vor allem wird es nie mehr, wie es war.

In den letzten Tagen läuft im Radio ständig U2… Ja, es ist sicher eine Laune der Radiomoderatoren, was sie auf die Playlist setzen und sicher auch stimmungsabhängig, ob und wie man das überhaupt wahrnimmt – aber gleich morgens zum Frühstück ist das irgendwie wie ein Boxhieb in den Magen.
Von meinen selbst erstellten Playlists habe ich U2 jedenfalls (vorerst) verbannt.

Beim Grübeln hatte ich zuerst das Gefühl, dass mich diese Schwere zurück in die Vergangenheit zieht… Geht es mir jetzt so schlecht wie früher?
Und dass sie gleichzeitig große Fragezeichen an die Zukunft malt… Muss ich immer und immer und immer wieder durch diese Schwere stapfen?
Aber: nein! Diese Schwere ist hier und gerade jetzt und hat wieder eine Aufgabe für mich mitgebracht: Annehmen, was da ist. Erneut.
Und akzeptieren, wie ich nun mal bin. Mit allen Facetten. Leicht und schwer zugleich.

Kraft tanken

Im Wald am Meer, da fühle ich mich dir – mir – uns nah. Dort die Ruhe unter den Buchenblättern genießen, dem Vogelgezwitscher und Blätterrascheln lauschen, das Meer rauschen hören… Einfach sein und atmen. So wohltuend!
Ja, ich werde auch einen Baum umarmen und Kraft tanken. Und an meinem Lieblingsplatz sitzen und auf die Ostsee hinaus schauen… Und (mindestens) die Füße ins Wasser stecken. Ich freue mich drauf!

Es ist herrlichstes Wetter, die Sonne lacht. Für dich zum Geburtstag!

Du fehlst…

Herzlichen Glückwunsch ♥

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Quelle: Pixabay
Chapeau!

Chapeau!

Heute… Heute mache ich mal etwas ganz Seltsames: ich ziehe den Hut vor mir…

Chapeau, meine Liebe! Du bist einfach toll ♥

Huch? Wer mich kennt, weiß, dass das so gar nicht meine Art ist… Ich bin aufgewachsen mit dem Glaubenssatz „Eigenlob stinkt“ und dem quasi omnipräsenten „ach, naja, sooo toll war das jetzt auch nicht.“

Woher kommt also dieser „Ausbruch“?
Ich habe gestern mein E-Mail-Postfach aufgeräumt und wollte „nur mal ganz kurz“ noch nach einer E-Mail-Adresse schauen… Schwupps… Mit dem Hauch einer Sekunde saß ich in der Vergangenheit…

Dieser Ordner mit den E-Mails, die ich geschrieben und erhalten habe, als die Diagnose kam und in den 5 1/2 Wochen danach… als ich verzweifelt war… Ich habe sogar geschrieben, was für eine Scheiß-Angst (sorry, aber dafür gibt es einfach kein „korrektes“ Wort, das diese Wucht ausdrückt) ich habe angesichts der übermächtigen Verantwortung, die da auf mich zu rollte…

In mir tobt und tost es, während ich versuche, diese Zeilen zu formulieren… Es ist kein Schmerz im Jetzt, es ist der Schmerz, den ich damals fühlte… Ich erinnere mich…

Wenn ich könnte – ich würde zurückreisen zu dieser Zeit… Ich würde mich neben mich setzen und mich in den Arm nehmen. Mich selbst festhalten und mit mir aushalten, was da alles auf mich einstürzt…

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Quelle: Pixabay

Das war alles einfach übermenschlich groß und eigentlich nicht aushaltbar.
Ist es vielleicht sogar so passiert? Habe ich als Zukunfts-Anja neben der leidenden und zitternden Anja-2014 gesessen und ihr beigestanden? Wie sonst hätte ich das alles überleben können?!?

Denn… Ich bin da mitten durch. Ich habe mich von meiner Angst nicht einschüchtern lassen… Ich habe mir in der Situation bereits selbst geholfen, indem ich meine Sorgen aufgeschrieben habe…
Spannend finde ich, dass ich mich an das Meiste davon gar nicht mehr erinnern kann…
Ich habe in einer Klarheit kommuniziert, die ein wenig schockierend und doch gerade dadurch so passend war… Und durch diese Klarheit habe ich auch genau die Rückmeldung bekommen, die ich in dem Moment gebraucht habe. Wer schockiert war, hat halt nicht geantwortet – wer das aushalten konnte, hat mir zurückgeschrieben, was mir in der Situation gut tat.
Ich habe darum gebeten, dass man mir nur Ermutigendes schreibt. Mitleid und Schwere hätte ich partout nicht aushalten können – war doch mein ganzes Leben zu der Zeit schon leidig und schwer…

Die Nachrichten, die ich daraufhin erhielt, waren daher motivierend, mitfühlend und haben mich durch die Zeit getragen… Ich danke an dieser Stelle allen, die mir mit ihren Nachrichten in dieser Zeit zur Seite gestanden haben.

Ich habe keinen Schimmer, ob ich mich bereits bedankt habe. Wo sich die Gelegenheit bot, habe ich es sicher getan (bin ja schließlich wohlerzogen ;0)… Dennoch ist es mir wichtig, diesen Dank noch einmal explizit auszudrücken – er kommt aus tiefstem Herzen:

…einfach: DANKE!!!

Was mir auch am Herzen liegt: ich möchte mir selbst danken!!! Ich bin beeindruckt und gerührt, was ich da alles gestemmt habe. Das habe ich unfassbar toll geschafft!

Ich habe in dieser unermesslich niederschmetternden Zeit in meinem Leben gut für mich gesorgt. Das was sooo groß!

Steige ich so richtig tief ein in diese schmerzhafte Phase… Wie unglaublich und unfassbar ist es bitte, dass ich heute lachend und hüpfend durchs Leben gehe? Wie ist das möglich?

„There is within each of us a potential for goodness beyond our imaginings.“

(Elisabeth Kübler-Ross)

In mir liegt eine fast magische Kraft, die ich heute feiern möchte. Mit dir gemeinsam am liebsten – machst du mit? Auch du hast diese Kraft in dir – sie steht dir zur Verfügung, wenn du sie brauchst. Es braucht Vertrauen… Oder eben einfach pure Verzweiflung, die das Nachdenken ausschaltet und dieses Urvertrauen zulassen kann…

Hüpfen, tanzen, lachen,… Nie hätte ich gedacht, dass solche Leichtigkeit zurückkehren kann. Dass ich Glück verspüren kann in unterschiedlichsten Abstufungen und Intensitäten. Dass ich auch die dunklen Tage und Wochen durchschreiten kann, weil ich weiß, dass das Licht am Ende dieser Zeit auf mich wartet und mich wieder strahlen lässt…

Ich bin so dermaßen froh und dankbar, dass ich es tatsächlich geschafft habe, diesen Kraftakt zu stemmen – ich war ja aber auch zu keiner Zeit wirklich einsam: Neben so vielen wichtigen Herzens- und Wegbegleitern:

…ich war stets an meiner Seite… ♥

 

 

Weg… einfach weg…

Weg… einfach weg…

Völlig gedankenverloren stehe ich abends im Bad, träume so vor mich hin, leicht müde vom Tag,…

Rechte Hand… Ring abstreifen… Ring hinlegen…

Linke Hand… Ring abstreifen… äh… Ring ab… ääääähhh…? Wie jetzt?!? Zack, hellwach und alarmiert ein ungläubiger Blick auf meine linke Hand: leer!

Er. ist. weg.

Ich bin einfach nur verdattert, irgendwie überfordert und ja, einigermaßen fassunglos. Mein Ring ist einfach nicht mehr da, wo ich ihn glaubte zu wissen.

Ich habe nichts bemerkt, ich habe bis zu dieser Sekunde nichts vermisst… Wie kann das sein??? Dieser Ring ist mir sooo wichtig und nun *schwupps* ist er nicht mehr da…?
Hab ich ihn schon abgelegt und es nicht gemerkt? …nein.

Ich hätte immer gedacht, ich verzweifle, sollte ich diesen Ring jemals verlieren – ich wäre tieftraurig und betrübt… Aber: bin ich nicht! In mir ist diese seltsame Ruhe… „Gut, dann soll es so sein.“ Vielleicht liegt er irgendwo… Vielleicht auch nicht…

Der Ordnung halber: ich habe die ganze Bude auf den Kopf gestellt, meinen Sohn verrückt gemacht, alle Taschen durchwühlt, wäre beinahe durch den Schnee gestapft, um alle Wege des Tages noch einmal abzulaufen… So viel zu dieser seltsamen Ruhe ;0)

…aber dennoch bleibt dieses Gefühl, dass es genau richtig so ist. Vielleicht war dieser Ring ein symbolischer Begleiter für die letzten 2 1/4 Jahre… Und nun ist es Zeit, neu zu denken…
Ich konnte mich so wunderbar an ihm „festhalten“. Es war ein silberner Drehring mit zwei darauf drehenden Ringen… Wenn ich Halt brauchte, konnte ich mich mit diesen beiden Drehringen beschäftigen – das war wie eine Erdung für mich. Ganz wunderbar…

Und nun?

Bin ich nun halt-los?

Nein, ganz und gar nicht. Ich fühle mich mittlerweile tief in mir gefestigt. Obwohl „fest“ irgendwie falsch ist. Habe ich doch für mich gelernt, dass man sich manchmal einfach umpusten lassen muss – mit der Bewegung, mit der Welle, mit dem Sturm (was auch immer) mitgehen, statt sich dagegen aufzulehnen. Das spart wertvolle Energie und hilft dadurch einfach, durchzuhalten…

Für eine Weile war mir dieser Ring aber ein wertvoller Begleiter… Es war kein Ehering oder sonst ein Ring, den ich von Andreas geschenkt bekommen hätte. Ich habe ihn mir selbst geschenkt – vielleicht macht es ihn daher noch wertvoller…?

Von Andreas hatte ich einen Ring geschenkt bekommen, den ich sehr liebte und der mich stets begleitet hat. Ungefähr ein dreiviertel Jahr nach seinem Tod konnte-wollte ich diesen Ring nicht mehr tragen. Von einem Moment zum anderen fühlte sich das total falsch an. Ich habe ihn versuchsweise abgelegt und in ein kleines Schatzkästchen getan – das war besser.
Nun fehlte aber ein Ring am Finger – der Platz durfte nicht leer bleiben… So habe ich ein wenig recherchiert und solche Drehringe entdeckt. Das gefiel mir ganz extrem gut. Im Kontakt mit der Goldschmiedin habe ich mir mein ganz persönliches Modell kreiert… Der schön geschwungene Silberring trug einen schmalen Silberring mit dem Aufdruck

„Alles ist gut – anders, aber“

Andreas hat so oft zu mir gesagt „alles ist gut“, das ist sehr hängen geblieben… Im Kreis geprägt war das mein Mantra: „Alles ist gut – anders, aber alles ist gut – anders, aber alles ist gut – anders, aber alles ist gut………“

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© Sonja Thiemann Schmuckdesign

Als zweiten Ring habe ich mir einen schmalen rotgoldenen Ring gewünscht – auf diesem waren die Koordinaten von Andreas‘ Ruhestätte im Ruheforst gedruckt.

An dieser Stelle einen lieben Gruß an Sonja Thiemann, die den Ring für mich gefertigt hat – *klick* ihr Shop… ♥
…vielleicht werde ich Kontakt aufnehmen und mir einen neuen Ring bestellen – wer weiß *lach*

Anjas-Ring
© Sonja Thiemann Schmuckdesign

Tja, nun ist er weg…

Es fühlt sich gut an, dass ich nicht von elender Verzweiflung überspült werde und unsagbar traurig bin.

Ich gebe zu: die Perfektionistin in mir hat ganz schön herumgezickt:
„Warum hast du denn nicht besser aufgepasst???“
„Du Schussel…“
„Weißt du eigentlich, was der gekostet hat???“
„Wieder nicht gut genug drauf geachtet…“
Kopfschüttel…
„Musste das jetzt sein?“

Tja, statt ihr beizupflichten habe ich sie nett angelächelt, ihr über den Kopf gestreichelt und zu ihr gesagt:

Alles ist gut ♥

Zeitmaschine…

Zeitmaschine…

Ach, noch viel schöner, als einmal den geliebten Menschen  besuchen zu können („Ich würd‘ dich gern besuchen“) wäre doch, einfach durch die Zeit zurück zu reisen zu den Zeitpunkten mit den schönsten Erinnerungen ♥

Kinder sind großartige Wesen und in ihrer Phantasie noch so wunderbar frei…

„Wir bauen eine Zeitmaschine und fliegen einfach durch die Zeit zurück!“

So denkt sich ein Kind die Welt passend… Durch die Zeit zurückfliegen zu der Zeit, wo Papa oder Mama noch da war… Wo die Welt noch heil war… Wo alles irgendwie gut war…

Tja, als Erwachsener ist man schnell auf der „Vernunft-Schiene“ und versucht das Kind ganz behutsam wieder auf den Teppich zu holen. Ist es doch recht unwahrscheinlich, dass Zeitreisen in absehbarer Zeit möglich sein werden – das Kind soll einfach nicht enttäuscht werden in seinen Erwartungen…
Als Elternteil möchte man sein Kind schützen. Schließlich war der Schmerz schon unfassbar groß, diesen geliebten Menschen zu verlieren – da soll nicht noch mehr Schmerz durch nicht erfüllbare Hoffnungen generiert werden…

Was wäre wenn…

Aber… was wäre wenn genau diesem Kind später einmal der entscheidende Durchbruch gelingt und es eine Zeitmaschine baut…? Und wenn nicht dieses Kind, dann vielleicht eines, das später lebt…?

Zeit wird spätestens dann relativ und *schwupps* wäre es auf einmal möglich, diese Wunschzeitreise zu starten…

Wäre das nicht wunderbar?
Alleine davon zu träumen ist doch schon großartig…

Eines Tages holt dich diese Zeitreisekapsel ab, drin sitzt eine junge Frau aus der Zukunft (deine Ur-ur-ur-ur-ur-ur-…-Enkelin zum Beispiel) und sagt: „Hey, ich wollte dich abholen und mit dir gemeinsam meine Vorfahren besuchen!“
Wer bitte stellt sich dann hin und sagt: „äh, nein. Das geht doch gar nicht!“

Also, in der Zeit, wo du noch darüber nachdenkst, bin ich schon längst eingestiegen ;0)

Ich habe spontan irre viele Ideen, was ich gerne tun würde, wenn das möglich wäre… Ich würde zuallererst… und dann… und… undundund… Ein wunderbares, buntes Kopfkino!

Es gibt sie längst!

Sie ist da, diese Zeitmaschine! Und das Tollste daran: sie ist nicht zugangsbeschränkt und dazu noch vollkommen gratis!!!

Glaubst du nicht?

Jeder von uns trägt sie in sich: es sind unsere Erinnerungen!
Es hat mich unglaublich berührt, zu hören, wie ein Papa erzählt, dass er seinem Sohn so etwas wie dies hier gesagt hat:

„Du kannst jederzeit auf die Reise gehen…“

Du kannst dich jederzeit aus dem Alltagsgeschehen ausklinken und an einen Ort oder Zeitpunkt deiner Wahl träumen…
Wenn du dich so richtig fallen lassen kannst, werden diese Erinnerungen bunt und lebendig.

Wenn ich die Augen schließe und „verreise“, kann ich sogar Gerüche und Geräusche erinnern, das Meer zum Beispiel riechen, das Tosen der Wellen hören… Ich spüre die Kälte des Wassers an den Beinen, fühle die Sonne auf meiner Haut…
Ein Blick aus diesen Augen, von denen ich dachte, ich wüsste gar nicht mehr, wie genau die aussahen… DOCH! Es ist alles da…

Wie oft hatte ich manchmal fast panische Angst, ich könnte die Erinnerungen verlieren, könnte vergessen, wie es war… Wie er war…
Bei solchen Erinnerungsreisen merke ich aber: es ist unfassbar, wie viele Details ich erinnere. Das Herz ist ein irrer Speicher…

Klar, es kann auch unglaublich schmerzen, wenn man „nur noch“ die Erinnerungen hat, eigentlich aber ja viel lieber neue Erinnerungen schaffen würde… Zeit mit dem geliebten Menschen verbringen… Das Leben aufsaugen, lieben,…
Aber dieser Schmerz erinnert mich daran, wie viel Glück ich in meinem Leben spüren durfte. Er macht und hält mich lebendig…
Und bleibe ich aber bei dem, was gerade möglich ist, kann ich den Schatz der Erinnerungen genießen und die Glücksgefühle greifen, die ich in mir wiederfinde…

Und: vielleicht, ganz vielleicht wird eines Tages ja doch das Unmögliche möglich…?

Ich bin dann mal weg…

 

Inspiriert zu dieser Zeitreise haben mich meine lieben Zugehörigen-Café-Teilnehmenden – habt Dank für die wunderbaren Gespräche! ♥