Der Trauer davongelaufen…

Der Trauer davongelaufen…

Neulich… im Baumarkt…

Fangen so Geschichten an?!? Hm, meine heute ja…

Ich wünschte mir einen neuen Übertopf für meine Grünpflanze. Also: ab in den Baumarkt, wo es eine große, breite Auswahl gibt – so war der Plan.

Dort angekommen begegneten mir lauter „Weißt-du-nochs“:

  • da an der Straße… am Tor… da hast du so oft gewartet nach Feierabend
  • hier auf dem Parkplatz, da war diese große Einweihungsaktion… Wir zu dritt… Sohnemann war noch so klein…
  • und da hinten war der Tannenbaumverkauf in dem einen Jahr… Ich erinnere mich noch an den viel zu großen Baum…
  • dort haben wir gemeinsam Kies geschippt… Wofür eigentlich?!? Achja…

…und überhaupt…

Kopf aus, Erinnerungen weggeschoben… Ich habe mich innerlich kurz geschüttelt und dann mein Ziel neu angepeilt: Übertopf aussuchen.

Also: hinein in den Baumarkt.

Was soll ich sagen?! Ich war total überfordert… Natürlich ist der Laden irre groß und es ist schon an sich überwältigend, diese Riesenauswahl zu überblicken… Aber das war gar nicht der Punkt – also mein Punkt: in jeder Abteilung lief so ein Mensch mit roter Weste herum. Und mein Herz (was ja nicht zwingend – also eher gar nicht – mit meinem Kopf verknüpft ist) hüpfte jedes Mal „oh“… und „da ist er“… Atmen und Verstand einschalten… Mit einem „nein, das kann nicht sein“ und „es ist so lange her“ habe ich es zu den Übertöpfen geschafft. Dort liefen keine be-weste-ten Mensche herum, so konnte ich mich in Ruhe auf die Auswahl konzentrieren.

Aber irgendwie wollte mir keiner so recht gefallen.

Na gut. Einer war ganz okay. Den habe ich mir gegriffen und bin ab zur Kasse marschiert.

Just beim Bezahlvorgang stellte sich heraus, dass an dem Topf kein Preisschild zu finden war. „Kein Problem – ich mache schnell einen Ausruf“ beruhigte mich die Kassiererin und tat das auch.

Keiner kam…

Niemand fühlte sich zuständig, keiner hatte Lust, alle waren gerade zur Pause – whatever: es tauchte einfach kein Mitarbeiter auf, der den Preis weitergeben konnte.

Und ich? Ich stand da, fühlte mich zunehmend unwohl und wollte einfach nur weg. Nur: ich wollte ja auch diesen Topf kaufen und rief mich selbst zu Geduld und Ruhe.

Wenn man jedoch so nutzlos in der Gegend herumsteht, kann das Herz ja wieder auf seltsame Ideen kommen: „da fehlt einer!“

Nein, Andreas hat nicht in dieser Abteilung gearbeitet – sonst wäre ich an der Stelle vermutlich durchgedreht.
Trotzdem verließen mich letztendlich die Nerven… Ich habe den Topf abgestellt, für die Kassiererin noch mein höflichstes Lächeln hervorgekramt und versucht, ihr ganz ruhig beizubringen, dass ich leider keine Geduld mehr habe.

Nein, nein… es liegt nicht an Ihnen

Das lag es ja wirklich nicht. Aber eine vernünftige Erklärung gab es nun auch nicht.

In jeder anderen Situation wäre ich einfach zurückgelaufen und hätte ein Exemplar mit Preisschild herausgesucht – zurück zur Kasse – fertig.
Wieso nicht jetzt?

Es ging halt nicht…

Ich habe den Baumarkt eher fluchtartig verlassen – bloß raus da… Ich bin meiner Trauer davongerannt.
Die Sonne schien, der Tag war wunderschön… Und ich fix und fertig von einem Nicht-Einkauf… Verrückt… Ver-rückt…

Die Wellen der Trauer werden flacher… Ich habe gelernt, sie zu surfen oder mich von ihnen treiben zu lassen – ganz gut jedenfalls. Im Auto sitzend konnte ich schon wieder lachen.

Anstrengend ist es trotzdem, denn: Ja, auch fast 4 Jahre danach gibt es Situationen, die mich aus der Bahn werfen – ganz besonders dann, wenn ich mich zwar stark fühle, in Wirklichkeit aber gar nicht recht in Balance bin. Es ist also mal wieder an der Zeit, ein wenig besser in mich hineinzuspüren und auszuloten, wie es mir tatsächlich geht.

So war dieser Tag mir eine Lehre: sei achtsam mit dir und sorge dafür, dass es dir gut geht! Verlasse Situationen, in denen du dich nicht wohlfühlst! Tue dir Gutes!
In den nächsten Tagen steht bei mir ganz viel auf dem Plan, das mir gut tut. Besonders wichtig für diese Zeit der schweren Erinnerungen, die nun ansteht…

…und einen viel schöneren Übertopf habe ich übrigens dann in einem anderen Laden gefunden ♥

6 Gedanken zu “Der Trauer davongelaufen…

  1. Ich war letzte Woche auf Lanzarote im Urlaub. Ringsum Meer. Wie damals an der Adria. Ich stand am Strand und blickte hinaus in die Wellen. Wie damals, als mein Mann hinausschwamm (das tat er gern und oft), für meinen Nichtschwimmerinnen-Geschmack viel zu weit hinaus, und ich mich fragte, was wohl wäre, wenn er jetzt NICHT wiederkäme. Und auf Lanzarote, wo wir zusammen nie gewesen sind, stand ich da und blickte auf die Wellen und WUSSTE, dass er nicht wiederkommt. Und ich weiß jetzt auch, wie das ist. Du hast es sehr schön beschrieben in deinem Artikel, es ist dem nichts hinzuzufügen.

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  2. „Die Wellen der Trauer werden flacher“ – eine schöne Beschreibung, die ich gut nachvollziehen kann. Und manchmal kommt dann eben doch noch eine Welle, die einem kurzzeitig die Füße wegreißt und dann ist Frau auf der Flucht. Für mich war und ist es wichtig zu akzeptieren, wie meine Trauer „funktioniert“. Ich bin ich. Und ja, manchmal mache ich „verrückte“ Sachen, einfach weil eine Situation da ist, die eine neue Welle mit sich bringt. Und das ist ok!

    Danke, dass Du Dein Trauer Erlebnis geteilt hast und weiter alles Gute für Dich!
    Liebe Grüße
    Nicole

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    1. Wie schön, dass du dich so annehmen kannst, wie du gerade bist, liebe Nicole – das finde ich so wichtig… Und doch ist es nicht immer leicht.
      Ich hoffe, du kannst deine „Ver-rücktheit“ auch ein wenig genießen – sie macht jede von uns so besonders ;0)

      Auch für dich alles Liebe!
      Herzliche Grüße
      Anja

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      1. Die Ver-rücktheit genießen… oh ja, liebe Anja, das kann ich! :D Und dass annehmen ist wahrlich nicht leicht, wird aber mit der Zeit leichter, wie ich festgestellt habe. Und für sich selber einstehen tut so gut!
        Liebe Montags-Grüße
        Nicole

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      2. Übung macht die Meisterin 😉
        Das ist eine große Herausforderung, das anzunehmen, was da ist – aber wie herrlich, wenn man spürt, dass es leichter wird… Schön!
        Schönen Montag und liebe Grüße von der Ostsee, die sich gerade von der sonnigen Seite zeigt ☀️
        Anja

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