Herzensdinge…

Herzensdinge…

Wenn da jemand ist, der dein Herz zum Hüpfen bringt…

Wenn da jemand ist, der dir Schmetterlinge in den Bauch zaubert…

Wenn da jemand ist, dem du am liebsten entgegenrufen würdest, wie viel er dir bedeutet, du aber kein Wort in diese Richtung herausbringst, weil du irgendwie Angst davor hast, dass deine Gefühle nicht so erwidert werden…

Das ist doch wunderbar aufregend, total schön und berührend, oder?

In einem ganz „normalen“ Alltag sind das ganz „normale“, herzerwärmende Gedanken und Gefühle… Und wer sich an solche Verliebtheitsphasen zurückerinnert (oder sich gerade mittendrin befindet), der weiß, wie anstrengend es sein kann, das auszuhalten… Schön und schwer zugleich…

Als Trauernder – oder vielleicht auch nicht mehr Trauernder (wann ist man eigentlich nicht mehr trauernd?!?), jedenfalls als jemand, dessen Partner verstorben ist – hat man häufig zusätzliche Faktoren, die es noch um ein Vielfaches schwerer machen, dieses Gefühlschaos auszuhalten:

…darf ich das? Darf ich solche Gedanken haben, wenn ich meinen Partner verloren habe? JA, natürlich! Darf ich wieder glücklich sein? JA!

Aber häufig erwartet dein Umfeld entweder von dir, dass du bitte noch eine angemessene Zeit lang (wie lange bitte ist „angemessen“?!?) alleine zu bleiben hast, weil dein Partner ja tot ist. Oder du hättest dir längst einen neuen Partner suchen sollen… Ein „genau richtig“ gibt es irgendwie nicht, oder? Am „besten“ gibt es im Umfeld einen wilden Mix aus beiden Extremen – auf wen hörst du?

Ich stelle mich ganz eindeutig auf die Seite, dass jeder Trauernde den für sich richtigen Weg wählen mag. Wer kurz nach dem Tod eines geliebten Menschen einen neuen Herzensmenschen findet – wie wunderschön! Wer längere Zeit alleine bleibt – schön, wenn es für dich passt! Und wer einfach keine Partnerschaft mehr eingehen möchte – richtig, wenn es sich gut anfühlt!
Ich habe den Eindruck, dass darüber schon viel geschrieben wurde und hoffe sehr, dass auch du an dieser Stelle ausschließlich auf dich und dein Bauchgefühl hörst!
Das Umfeld möge an dieser Stelle bitte still halten und lieber versuchen, den Trauernden auf seinem Weg zu unterstützen. Es sollte egal sein, wie die eigene ganz persönliche Meinung dazu ist, welcher Weg „richtig“ ist: jeder hat es sowas von verdient, glücklich zu sein oder zu werden – und als Trauernder heißt es nicht, dass man vergisst, was war, nur weil man fröhlich und glücklich ist.

So, wenn nun dieses „ich darf glücklich sein“ bestätigt und okay für mich ist und somit feststeht… Wo bitte ist denn dann nun das Problem?

Dazu tauche ich noch ein Stück weiter in die Vergangenheit… Ich habe an anderer Stelle schon einmal erzählt, dass mein Sohn nicht der leibliche Sohn von Andreas ist. Es gibt da also logischerweise noch einen leiblichen Vater.
Worüber ich bislang aber nicht geschrieben habe, ist, dass der leibliche Vater meines Sohnes auch nicht mehr lebt. Darüber zu schreiben fällt mir definitiv ausgesprochen schwer, denn das war eine sehr problematische Geschichte. Wir waren lange getrennt, als er starb und unsere Geschichte verlief ganz anders als meine mit Andreas – und doch mit demselben Ergebnis: Tod.

Naja, und wenn man es dann einmal von außen betrachtet: mir ist bereits zweimal ein Lebensabschnittspartner in jungen Jahren weggestorben… Krass, oder?

Was stimmt nicht mit mir?

Bin ich kaputt? Habe ich irgendetwas an mir, das die Männer an meiner Seite sterben lässt? Was mache ich falsch, dass es mir nicht vergönnt sein soll, mit einem Partner an meiner Seite jahrzehntelang leben zu dürfen?

Das sind Schuldgefühle, die die Welt nicht braucht, was? Und doch: diese Gedanken können aufkommen.
Ich habe diese Gefühle nicht so empfunden – möchte die Gedanken aber trotzdem mit dir teilen. Ich habe sie nämlich von einem anderen Trauernden so gehört und war zu Tränen gerührt und erschüttert. Ich war fassungslos angesichts der Last, die da drückt. Nein, selbstverständlich bist du nicht schuldig! Du bist genau richtig wie du bist ♥
Hier gibt es keine Schuld, die getragen werden will – lass diese schwere Bürde beim Leben, außerhalb deiner Kontrolle…

Was ich aber sehr deutlich spüre momentan ist, dass ich einfach eine irre Angst in mir habe. „Irre“ steht einerseits für die Stärke dieses Gefühls und andererseits für seine Verrücktheit… Diese Angst ist in keinster Weise rational erklärbar.

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Quelle: Pixabay

Aber sie ist eben da…

Hmmmm…

In mir ist diese irre Angst, dass ich noch einmal erleben muss, wie mein Partner stirbt.
Dabei ist es doch eigentlich der ganz natürliche Lauf des Lebens. Früher oder später kommt jede Partnerschaft an einen Endpunkt. Das muss ja nicht einmal zwingend der Tod sein – auch eine Trennung, weil man sich nicht mehr liebt, ist ein Ende… Und dagegen kann man keine Versicherung abschließen oder sonstwelche Garantien vereinbaren… Wer eine Verbindung eingeht, muss auch das Risiko eingehen, dass sie zerbrechen kann. Das nennt man Leben…

Mir ist aber diese Unbefangenheit verloren gegangen. Natürlich habe ich mir immer mal Gedanken gemacht, ob eine Beziehung von Dauer ist… Bislang dachte ich allerdings immer, dass ich es mit in der Hand habe, ob eine Verbindung hält oder nicht.
Den Tod als zusätzlichen „Spielpartner“ hatte ich nie im Blick.
Nun ist er ständig präsent. So wie wir alle geboren werden, werden wir eines Tages sterben.

Diese Endlichkeit hat einen ganz besonderen Zauber in sich: Wie wäre es, einfach so viel Leben und Glück ins Jetzt zu packen, wie nur geht? Angesichts des unausweichlichen Endes alle Liebe im Moment verspüren…? Einfach immer mein Bestes versuchen?

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Eigentlich, ja eigentlich bin ich mutig und packe an, was ich möchte. Hier schlottern mir aber definitiv die Knie und ich mag mich nicht trauen, obwohl ich so sehr neugierig bin, was wäre wenn…

Ich wünsche mir also sehr, dass ein Mann, dem ich genauso viel bedeute, wie er mir… Ja, ich wünsche mir, dass der mutig auf mich zugeht, mich abholt, mich an die Hand nimmt und mir Mut macht:

„Komm, vertrau mir. Lass uns schauen, wo das hinführt…“

Tja, und solange der hier nicht auf seinem Schimmel vorbeigeritten kommt oder ich einen wagemutigen Schritt gehe – solange genieße ich dieses pure Leben, das ich in mir spüre ♥♥♥

Zeitmaschine…

Zeitmaschine…

Ach, noch viel schöner, als einmal den geliebten Menschen  besuchen zu können („Ich würd‘ dich gern besuchen“) wäre doch, einfach durch die Zeit zurück zu reisen zu den Zeitpunkten mit den schönsten Erinnerungen ♥

Kinder sind großartige Wesen und in ihrer Phantasie noch so wunderbar frei…

„Wir bauen eine Zeitmaschine und fliegen einfach durch die Zeit zurück!“

So denkt sich ein Kind die Welt passend… Durch die Zeit zurückfliegen zu der Zeit, wo Papa oder Mama noch da war… Wo die Welt noch heil war… Wo alles irgendwie gut war…

Tja, als Erwachsener ist man schnell auf der „Vernunft-Schiene“ und versucht das Kind ganz behutsam wieder auf den Teppich zu holen. Ist es doch recht unwahrscheinlich, dass Zeitreisen in absehbarer Zeit möglich sein werden – das Kind soll einfach nicht enttäuscht werden in seinen Erwartungen…
Als Elternteil möchte man sein Kind schützen. Schließlich war der Schmerz schon unfassbar groß, diesen geliebten Menschen zu verlieren – da soll nicht noch mehr Schmerz durch nicht erfüllbare Hoffnungen generiert werden…

Was wäre wenn…

Aber… was wäre wenn genau diesem Kind später einmal der entscheidende Durchbruch gelingt und es eine Zeitmaschine baut…? Und wenn nicht dieses Kind, dann vielleicht eines, das später lebt…?

Zeit wird spätestens dann relativ und *schwupps* wäre es auf einmal möglich, diese Wunschzeitreise zu starten…

Wäre das nicht wunderbar?
Alleine davon zu träumen ist doch schon großartig…

Eines Tages holt dich diese Zeitreisekapsel ab, drin sitzt eine junge Frau aus der Zukunft (deine Ur-ur-ur-ur-ur-ur-…-Enkelin zum Beispiel) und sagt: „Hey, ich wollte dich abholen und mit dir gemeinsam meine Vorfahren besuchen!“
Wer bitte stellt sich dann hin und sagt: „äh, nein. Das geht doch gar nicht!“

Also, in der Zeit, wo du noch darüber nachdenkst, bin ich schon längst eingestiegen ;0)

Ich habe spontan irre viele Ideen, was ich gerne tun würde, wenn das möglich wäre… Ich würde zuallererst… und dann… und… undundund… Ein wunderbares, buntes Kopfkino!

Es gibt sie längst!

Sie ist da, diese Zeitmaschine! Und das Tollste daran: sie ist nicht zugangsbeschränkt und dazu noch vollkommen gratis!!!

Glaubst du nicht?

Jeder von uns trägt sie in sich: es sind unsere Erinnerungen!
Es hat mich unglaublich berührt, zu hören, wie ein Papa erzählt, dass er seinem Sohn so etwas wie dies hier gesagt hat:

„Du kannst jederzeit auf die Reise gehen…“

Du kannst dich jederzeit aus dem Alltagsgeschehen ausklinken und an einen Ort oder Zeitpunkt deiner Wahl träumen…
Wenn du dich so richtig fallen lassen kannst, werden diese Erinnerungen bunt und lebendig.

Wenn ich die Augen schließe und „verreise“, kann ich sogar Gerüche und Geräusche erinnern, das Meer zum Beispiel riechen, das Tosen der Wellen hören… Ich spüre die Kälte des Wassers an den Beinen, fühle die Sonne auf meiner Haut…
Ein Blick aus diesen Augen, von denen ich dachte, ich wüsste gar nicht mehr, wie genau die aussahen… DOCH! Es ist alles da…

Wie oft hatte ich manchmal fast panische Angst, ich könnte die Erinnerungen verlieren, könnte vergessen, wie es war… Wie er war…
Bei solchen Erinnerungsreisen merke ich aber: es ist unfassbar, wie viele Details ich erinnere. Das Herz ist ein irrer Speicher…

Klar, es kann auch unglaublich schmerzen, wenn man „nur noch“ die Erinnerungen hat, eigentlich aber ja viel lieber neue Erinnerungen schaffen würde… Zeit mit dem geliebten Menschen verbringen… Das Leben aufsaugen, lieben,…
Aber dieser Schmerz erinnert mich daran, wie viel Glück ich in meinem Leben spüren durfte. Er macht und hält mich lebendig…
Und bleibe ich aber bei dem, was gerade möglich ist, kann ich den Schatz der Erinnerungen genießen und die Glücksgefühle greifen, die ich in mir wiederfinde…

Und: vielleicht, ganz vielleicht wird eines Tages ja doch das Unmögliche möglich…?

Ich bin dann mal weg…

 

Inspiriert zu dieser Zeitreise haben mich meine lieben Zugehörigen-Café-Teilnehmenden – habt Dank für die wunderbaren Gespräche! ♥

Feel you in my heart…

Feel you in my heart…

Mit diesem Bild hier schicke ich dir, liebe Leserin und lieber Leser, herzliche Grüße – und meinen Lieblingsweihnachtsspruch:

„Maybe I can’t see you – but in the silent night I feel you in my heart…
And know everything will be alright.“

Ich wünsche dir, dass du besonders heute spürst, dass dein geliebter Mensch bei dir ist – in deinem Herzen… Als Stern… Wie auch immer… Und dir beisteht… Ich wünsche dir, dass du die Feiertage gut verbringst. Ruhig oder laut, traurig oder fröhlich, in Gesellschaft oder alleine… Alles darf, nichts muss… Höre auf dein Herz, was dir gut tut ♥

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Quelle: Princess Sassypants

 

Heimatlose Liebe

Heimatlose Liebe

Jetzt, so am Ende des Jahres, schaue ich einmal zurück auf das vergangene Jahr… Viel Glück, viel Schmerz – ich habe es als extrem intensiv und ereignisreich empfunden…

Ich möchte diese Intensität sehr gerne mit in das neue Jahr nehmen. Ich spüre es förmlich in mir trappeln… Da ist ganz viel Energie, die noch nicht entfesselt darauf wartet, loszustürmen. Noch finde ich das ganz schön verwirrend… Ja, wohin soll sie denn stürmen? Was soll daraus werden?
Ich gönne mir an dieser Stelle ein Innehalten. Von Natur aus mit einem großen Topf Ungeduld überschüttet, fällt mir das nicht leicht. Dennoch tut es gut.

Mit der gestrigen Wintersonnenwende hat die „Zeit außerhalb der Zeit“ begonnen. Zwölf Rauhnächte beginnen mit der längsten Nacht des Jahres (hier findest du eine schöne Erklärung und Darstellung der Rauhnächte, wie ich finde: „Magie der Rauhnächte“). Für mich ein schöner Impuls, der so herrlich wohltuend der ganzen Weihnachtshektik und Feierei entgegensteht…

Ich versuche, zu vertrauen auf das, was da kommen mag. Schließlich hat das Bauchgefühl mir gut gezeigt, wann welcher Schritt „dran“ ist. Manches Mal habe ich meiner Intuition noch nicht vertraut. Habe sie ignoriert, weil ich zu der Zeit überzeugt war, etwas anderes zu wollen ;0)

In diesem Jahr bin ich meiner Intuition gefolgt, habe einen für mich monstermutigen Schritt getan und diesen Blog begonnen… Und es war ein so toller Schritt! Der Austausch zu diesem Thema ist bereichernd und ganz wunderbar für mich. Ich bin sehr dankbar für all‘ die Kommentare, Diskussionen, Gespräche und Nachrichten, die mich erreicht haben. Danke ♥
…ich freue mich auf alles, was sich hieraus noch entwickeln wird!

Einen Spruch habe ich dieses Jahr „geschenkt“ bekommen – der beschäftigt mich heute:

„Trauer ist heimatlos gewordene Liebe“

Als ich ihn das erste Mal las, habe ich genickt und konnte voll mitgehen… JA, wenn ein geliebter Mensch stirbt, dann liebt man irgendwie ins Leere… Der Mensch ist nicht mehr da, der eben noch der Empfänger dieser Liebe war… Und das schmerzt so unsagbar… Und dann fängt man an zu suchen, wo man mit dieser Liebe abbleiben soll – sie hört ja nicht einfach auf – daraus entsteht eine unglaubliche Sehnsucht…
Diese Sehnsucht habe ich bei Trennungen und auch nach meiner Scheidung erlebt. Auch da wird die Liebe irgendwie heimatlos… Beim Tod empfinde ich das aber noch irgendwie anders… Bislang gab es immer einen Grund für den Trennungsschmerz – wie auch immer gelagert, konnte mein Verstand auf eine Weise greifen, warum diese Trennung sein „musste“. Manches Mal war auch die Liebe erloschen. Jedenfalls hat einer die Entscheidung getroffen, dass eine Trennung gesünder ist, als ein Zusammenbleiben…

Als Andreas starb, hat keiner von uns diese Entscheidung getroffen – das wurde an mir unbekannter Stelle beschlossen…
Einen vorsichtigen Schritt nach dem anderen habe ich gelernt, diese heimatlose Liebe zu wandeln. Liebevolle Erinnerungen zu fördern oder zu gestalten… Einen neuen Platz für Andreas zu finden… Mein Leben neu zu gestalten… All das war nur möglich mit dieser Liebe, die „frei“ geworden ist… Sie birgt eine ganz magische Energie in sich.

Interessant fand ich die Erfahrung für mich, dass meine Liebe zu Andreas dabei einfach weiter existieren darf… Mein Herz ist so groß und liebensfähig – ein Teil liebt ihn weiter, ohne dass meine Liebensfähigkeit in irgendeiner Form eingeschränkt wäre.
Ich habe gelernt, dass das auch für alles gilt, was mir in meinem Leben begegnete und nicht mehr in meinem Leben sein darf. Es sind warme, schöne Erinnerungen an Begegnungen und die Liebe, die da entstand, die bleibt…

Bei kurzen Begegnungen habe ich dann spüren dürfen, dass auch zu mir Liebe strömt. Klingt vielleicht abgefahren, wenn man das liest – ich habe es für mich so erlebt.
So bleibt eine liebevolle Verbindung, die einfach – ja, ich nehme jetzt einfach dieses seltsame Wort: beglückend ist.

Heute habe ich das Gefühl, dass meine Liebe nicht mehr heimatlos ist. Nach vielem Suchen, Zweifeln, Verzagen, Irrungen und Wirrungen ist sie zurückgekehrt, wo sie zu Hause ist: verbunden und bei mir ♥

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Quelle: Pixabay