VIP?!?

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Wow, ich habe tatsächlich mein erstes Interview gegeben – ist das krass!

Wie kam es dazu? Für mich total überraschend, wurde ich von Thomas Achenbach kontaktiert mit folgender Idee und Frage: „Vielleicht hättest Du Lust, Dich von mir für meinen Blog in einem kleinen E-Mail-Interview interviewen zu lassen?“

https://untroestlich.files.wordpress.com/2017/08/557ac-thomas2bachenbach-8.jpg?w=202&h=302
Foto: Stefanie Hiekmann

Thomas bloggt selber auf „Trauer ist Leben“ – ein paar Details findest du auf Ver-LINK-te Trauer oder direkt auf seinem Blog (lesenswertvoll!!!).

Ja, ich hatte Lust und fand die Idee wunderbar. Es hat mir riesigen Spaß gemacht, die von Thomas gestellten Fragen zu beantworten. Lustig und traurig, nachdenklich und berührend… Ich war gerührt und teilweise auch geschüttelt – meine Antworten fielen teils ganz leicht, teils kamen sie aus überraschend tiefer Tiefe… In jedem Falle enorm bereichernd, so offen über Tod und Trauer zu „reden“!

Ich freue mich wie Bolle, dass ich euch das Ergebnis auch hier auf meinem Blog präsentieren darf. Lest selbst:

 

Thomas: Hast Du eine Ahnung, warum ich Dich so gerne interviewen wollte?

Anja: Huch? Darüber habe ich mir ehrlich gesagt gar keine Gedanken gemacht… Ich habe mich einfach gefreut… Lass mich mal überlegen: Du warst von meinem Charme und Humor total überwältigt. Nee, Moment, wir kennen uns ja noch gar nicht persönlich 😉
Dann warst Du wohl von meinem Schreibstil geflasht und dermaßen begeistert, dass Du nicht anders konntest, als mich zu fragen 😉
Naja, die Anzahl Blogger, die sich mit dem Thema Trauer und Tod beschäftigen, ist überschaubar – die Auswahl ist also nicht sooo riesig… Alle anderen haben abgesagt *g*

Ich gebe auf – ich weiß es einfach nicht… Verrätst Du mir, warum?

Okay, ich will Dich nicht länger auf die Folter spannen: Weil Du auf Deinem Blog betonst, wie wichtig es Dir ist, dass viel mehr über Themen wie Tod, Trauer und Sterben gesprochen wird. Das habe ich mir selbst zum Credo gemacht. Überrascht?

Oooooch… doch nicht mein Schreibstil?!?! Hihi… Scherz…
Wie cool, dass wir da so gut matchen. Und schwupps sind wir mittendrin im „Darüber sprechen“. Ich finde es toll, wenn wir es schaffen, die Themen weiter ins Leben zu rücken. Jeder einzeln für sich (Du auf Deinem Blog, ich auf meinem,…) und dann auch im Austausch miteinander, um den Kreis größer zu ziehen – vielleicht verändern wir die Welt gemeinsam ein kleines bisschen…?

Als Du Deinen Mann verloren hast, war es eine knallharte Zeit: Erst die Diagnose Hirntumor, wie aus dem Nichts. Und dann nach nur fünfeinhalb Wochen: Der Tod. Da muss man erstmal hinterherkommen. Wie lange ist das jetzt her?

Ohja, während der Phase habe ich Zeit überhaupt nicht realisiert. Erst im Nachhinein ist es immer wieder krass, wie kurz dieser Zeitraum war, der durch seine Intensität unglaublich viel Raum eingenommen hat.
Ich freue mich übrigens, dass Du nach „meinem Mann“ fragst – offiziell waren wir nämlich nicht verheiratet. Da wir aber wie Eheleute gelebt und füreinander eingestanden haben ist es für mich ganz natürlich, ihn als meinen Mann zu bezeichnen.
Andreas ist im November 2014 gestorben. Also (rechne…) etwas mehr als 2 ½ Jahre ist das her.

Ab wann war Dir klar, dass Du zu Deiner Geschichte einen Blog aufmachen wolltest – und wie kam das?

Das hat sich nach und nach entwickelt, denke ich. Ich habe im letzten Jahr viel auf Silke Szymuras Blog „In lauter Trauer“ gelesen und habe auch Kommentare hinterlassen. Dieser kleine Austausch mit ihr und den anderen Kommentierenden hat mich sehr inspiriert.
Ich hatte dann immer häufiger eigene Einfälle und dachte mir, dass ich das mal aufschreiben könnte (hab ich aber nicht).
Im März wurde ein Interview mit meiner Geschichte auf „Dein Tod und ich“ veröffentlicht. Und dann habe ich mich mit „Darf ich bitte trotzdem Witwe sein“ an Silkes Aktion „Alle reden über Trauer“ beteiligt. Das Feedback, das mich daraufhin erreicht hat, war überwältigend schön. Danach hat es bei mir „klick“ gemacht und ich habe mich tatsächlich intensiver mit dem Gedanken beschäftigt, einen eigenen Blog ins Leben zu rufen. Bis zur Umsetzung hat es dann noch ein wenig gedauert, aber seit dem 1. Juli laufe ich nun irgendwie ein bisschen nackt durch die virtuelle Welt 🙂

Im Nachhinein kann ich nicht nachvollziehen, weshalb ich nicht viel früher mit dem Schreiben begonnen habe – egal, in welcher Form. Das Aufschreiben meiner Gedanken hat mir schon immer gut getan. Aber irgendwie war diese Option wohl bis dahin für mich blockiert und hat sich erst dann gelöst. 

Gab es irgendwann in Deinem Trauerprozess einen Augenblick, wo Du aus vollem Herzen sagen konntest: Ja, es ist wahr, jetzt habe ich es wirklich begriffen, mein Mann lebt nicht mehr?

… als ich diese Frage das erste Mal las, saß ich hier *zack*, tränenüberströmt. Auch jetzt habe ich Tränen in den Augen… Puh…!
Ich versuche mal eine Antwort: Mein Verstand hat begriffen, dass mein Mann nicht mehr lebt, als er aufgehört hat zu atmen. Ich habe Andreas ja beim Sterben begleitet, durfte da sein, als er starb. Da war dann dieser Zeitpunkt, als sein Körper aufgehört hat zu funktionieren… Er war noch eine Weile hier, bevor die Bestatter kamen. In der Zeit konnte ich beobachten und fühlen (begreifen im wahrsten Sinne des Wortes), wie sich sein Körper verändert hat, wie seine Seele nicht mehr in diesem Körper zu wohnen schien. Sein Körper war nur noch Hülle. Da war klar: er lebt nicht mehr, er ist fort…
Tja, aber das ist wie gesagt der Verstand, der das begriffen hat. Das Herz… nun, das Herz spielt da nicht mit. Das ist es auch, glaube ich, was mich bei dieser Frage so anrührt. Mein Herz sagt mir: „Ich verstehe die Frage nicht… wieso soll ich begreifen, dass er nicht mehr lebt? Er ist doch noch immer noch da? Schau, hier, hier tief drin in mir ist er doch noch…?
Also muss ich Deine Frage wohl mit „Nein, nie“ beantworten, oder?
Das soll jetzt bitte nicht so wirken, als würde ich ignorieren, dass er gestorben ist. Ich führe mittlerweile ein glückliches Leben und fühle mich frei, liebe und lebe. Aber Andreas wird immer einen Platz in meinem Herzen behalten, ohne anderem Raum zu nehmen.

Dass Du beim Sterben dabei sein konntest, war sicher sehr wertvoll. Als ich Deine Antwort gelesen habe, musste ich an mein Lieblingszitat aus Julian Barnes‘ wunderbarem Buch „Lebensstufen“ denken: Wenn jemand tot ist, heißt das zwar, dass er nicht mehr am Leben ist, aber es heißt nicht, dass es ihn nicht mehr gibt… Trifft es das?

Ja, ich glaube, das kommt dem ziemlich nah.

Mir fiel als Vergleich noch etwas Erklärendes ein, wie diese Liebe zum verstorbenen Partner weiter da sein kann. Du hast doch Kinder, oder? Das ist ein wenig so wie die Liebe zum eigenen Kind – die ist da und allumfassend, trotzdem kannst du deinen Partner von ganzem Herzen lieben. Das darf beides gleichzeitig da sein und keine Liebe stellt die andere in Frage. Ich glaube, so füllt uns auch die Liebe zu Verstorbenen. Sie bleibt, bereichert und wärmt uns, stellt aber keine anderen Gefühle in den Schatten.
„Lebensstufen“ setze ich direkt mal auf meine Wunsch-Leseliste…

In Deinen dunkelsten Trauerphasen – wie dunkel war es da?

Oberzappenduster… es gibt kein passendes Wort, das diese Dunkelheit genau beschreiben kann.

Was hat Dir damals gut getan?

  • eine stillschweigende Umarmung von meinem Sohn
  • Telefonate mit meiner Trauerbegleiterin (Gisela Sender – mein Stern)
  • Spaziergänge am Meer
  • Whatsappen mit meiner Trauerbegleiterin
  • „Aussteigen“ aus den Alltagsverpflichtungen, nicht funktionieren, still sein
  • einmal hat mich ein Baum getröstet (klingt verrückt, gell? Bäume umarmen tut aber echt gut und bringt Energie… Hast Du das schon mal gemacht?)
  • einer Freundin die Ohren vollsabbeln oder –heulen

Mich ablenken habe ich auch versucht – das hat aber nie lange funktioniert und anschließend war der Schmerz umso fieser.
Übergreifend hat es mir immer gut getan, Orte aufzusuchen, wo ich für mich sein und Weite spüren kann (Meer, Wald,…) oder mich mit Menschen zu umgeben, die mich in meiner Trauer aushalten können und mich so lassen, wie ich bin.

Wie hat Dein Umfeld reagiert? Vor allem nach einer längeren Zeit?

Alle waren sehr hilfsbereit und gleichzeitig irgendwie hilflos… Ich habe schon während Andreas‘ Krankheitsphase sehr offen kommuniziert, was bei uns gerade los ist und wie ich mich fühle. Es gab überraschend schöne Reaktionen darauf und jede einzelne hat mir gut getan. Mir ging es auch am besten mit denjenigen, die ebenso mutig mit mir kommuniziert haben (mit einem „ich bin total sprachlos“ kann ich besser umgehen als wenn man gar nicht mit mir spricht…).
Tja, nach längerer Zeit dann, da merkt man, wem man am Herzen liegt – wer macht diesen Trauermarathon mit? Wer bleibt auf der Strecke?
Mein Umfeld hat sich definitiv verändert. Zu den wenigen Marathonläufern haben sich neue wunderbare Menschen in mein Leben gesellt. Ich bin dankbar und glücklich, dass es nun so ist, wie es ist.
Was ich gerade spannend finde: ich habe mir keine Sprüche anhören müssen wie „nun ist es aber auch mal gut. Es wird Zeit, dass du nach vorne schaust.“ Ich vermute, niemand hat sich getraut, mir so etwas zu sagen. Einerseits wohl, weil ich so offen kommuniziert habe, wie es mir gerade geht. Andererseits hat Gisela mich immer darin bestärkt, dass ich genau so richtig und gut unterwegs bin, wie ich es zu dem Zeitpunkt gerade bin. Mit meinen offenen Worten und mit Giselas Bestärkung habe ich wohl ein entsprechendes Selbstverständnis vermittelt, das keinen Widerspruch duldet 😉

Was hat Dich am meisten genervt in Deinem Trauerprozess? Oder wütend gemacht?

Ich mag Deine Fragen, Thomas! Du solltest vielleicht mal überlegen, ob Du das beruflich machen könntest… Es gab Phasen, da war ich ungeduldig mit mir. Ich wollte bitte endlich wieder funktionieren, wieder „normal“ sein (äh, was ist das eigentlich?!?). Ich konnte mich manchmal selber nicht gut aushalten, das hat mich total genervt. Auch hier ein dickes Dankeschön an meine Trauerbegleiterin Gisela, die mir da den Kopf gerade gerückt hat und das auf eine soooo liebe Art und Weise…
Was mich so richtig, richtig wütend gemacht hat, das war das Verhalten der Verwandten meiner Schwiegermutter. Ohne Trauschein war ich nach Andreas‘ Tod quasi nicht existent, obwohl ich trotz meiner eigenen Trauer immer und überall für meine trauernde Schwiegermutter da war. Hinzu kommt dieses Ohnmachtsgefühl den Behörden gegenüber. Als Lebenspartnerin darf man zu Lebzeiten zwar immer für den Partner geradestehen, Kost und Logis und alles teilen – aber nach dem Tod verschwindet man in einer Art Nicht-Existenz ohne Rechte… Einen großen Teil dieser Wut habe ich in meinem Artikel „Darf ich bitte trotzdem Witwe sein“ verarbeitet.

Was würdest Du sagen: Wie weit bist Du in Deinem Prozess?

Auf einem sehr guten Weg, denke ich.
Ich bin sehr stolz auf mich, dass ich mich so gut durch diesen Prozess geboxt habe. Ich finde die Anja, die ich jetzt gerade bin, großartig (huch? Doch, das kann ich mir mal selber sagen, finde ich). Mich hat die Trauer sehr verändert und gleichzeitig sehr auf mich zurückgeworfen. Mein Umfeld hat mir allerdings nicht gespiegelt, dass ich nicht mehr wiederzuerkennen sei. Ich bin wohl mehr „ich“ als ich bisher jemals war.

Hättest Du damals – so am Anfang – gedacht, dass Du soweit kommen würdest?

Nie im Leben, Thomas. Ich dachte, ich zerbreche… ich schaffe es nicht durch diesen Schmerz.

Gibt es überhaupt so etwas wie ein „Ziel“ in einem Trauerprozess – was würdest Du sagen?

Hm, nein… Irgendwie passt „Ziel“ für mich nicht zum Trauern. Das würde ja bedeuten, dass man irgendwann „fertig“ ist damit. Geht das? Ich denke, dass das nicht geht. Die Lücke, die Andreas hinterlassen hat, die bleibt ja. Egal, wie sich mein Leben weiterentwickelt, wieviel Liebe in mein Leben kommt, wie glücklich ich mich fühlen werde… Und auch die Trauer bleibt ein Teil von mir – nicht als Belastung oder Schwere und als Gefühl, das mich traurig macht. Nein, als Bereicherung oder Erweiterung meines Gefühlsspektrums.

Im Trauerprozess kann man aber sicher Teilziele erreichen. Wieder atmen können… Wieder lachen können… Glück spüren… einen Tag lang schmerzfrei sein… Dankbarkeit spüren… Hach, im Trauerprozess erlebt man so viele kleine „tschakka“-Momente, da weiß ich gar nicht, was ich noch alles aufzählen soll und was nicht.

Okay, ich will ehrlich sein, das war eine der Fragen, die ich mit Hintergedanken gestellt habe… eben weil ich im Gespräch mit Trauernden gerne sage, nein, es gibt jetzt erstmal keine Ziele für Sie. Es gibt nur ein Hindurchgehen. Was Du jetzt geantwortet hast, finde ich aber besonders wertvoll – das Wahrnehmen, ach ja, ich atme ja, als eine wichtige, sagen wir mal, Zwischenetappe auf dem Weg… Ich freue mich übrigens für Dich, dass Du an eine offenbar wirklich gute Trauerbegleiterin gekommen bist – wie hast Du sie entdeckt?

Oh, das klingt jetzt vielleicht kitschig, aber ich habe das Gefühl, sie wurde mir geschenkt…
Ich habe erst nach Andreas‘ Tod überhaupt davon gehört, dass es Trauerbegleitung gibt – vorher wusste ich gar nichts darüber… Hier in Lübeck habe ich ein paar Optionen ausprobiert, aber es gab für mich nicht das passende Gegenstück.
Eine liebe Freundin (so ein kleines herziges Helferlein – sie liest bestimmt mit: Danke, du Liebe!) ist da eingesprungen. Sie kannte Gisela aus anderem Zusammenhang und wusste um ihre Trauerbegleiterausbildung. Mit feinem Gespür hat sie vermutet, dass wir zwei gut zusammenpassen. Tja, wir haben uns dann nach kurzem schriftlichen Austausch persönlich getroffen und siehe da: es passte!
Ein Haken daran war höchstens, dass wir räumlich getrennt waren – Gisela lebt in Bremen. Es ist sicher schöner, wenn man sich persönlich austauschen kann… Aber was nicht passt, wird passend gemacht. Wir haben einen tollen Weg miteinander gefunden.

Du machst Dich ja, wie gesagt, dafür stark, dass viel mehr über Themen wie Tod, Trauer und Sterben gesprochen werden soll – ist das Schreiben Deines Blog für Dich eine Art therapeutischer Akt oder ein missionarischer?

Oh, das ist eine spannende Frage, finde ich. Ich dachte, ich wäre mit meiner Trauerbewältigung so weit fortgeschritten, dass ich relativ entspannt aufschreiben kann, was mir wichtig ist. Mein erster Ansatz war also eher missionarisch, denke ich. Beim Schreiben habe ich aber festgestellt, wie gut mir das Aufschreiben tut. Wie viele kleine Klötzchen sich nochmal neu sortieren und an einen anderen Platz fallen. Wie mir dann doch die Tränen laufen, wenn ich versuche, Erinnerungen zu greifen und in Schrift zu bringen…
Toll ist, wenn ich über Tod, Trauer und Sterben schreiben kann und damit dazu beitrage, dass darüber gesprochen wird. Also… ich fände es großartig, wenn mein Blog einfach beides sein darf – Therapie für mich und Hilfestellung und Aufrütteln für andere… Was meinst Du?

Nach allem, was ich bei Dir so gelesen habe, stimme ich dem zu: Es ist beides. Mal Hand aufs Herz: Misst Du bei Deinem Blog auch die Einschaltquoten?

What?!?! Du nicht???

Okay, das ist fair – provokative Frage erzeugt Gegenfrage. Klar messe ich meine Einschaltquoten. Ich habe Themen gemacht, die laufen nach wie vor wie verrückt, auch weil sie über die sozialen Medien geteilt werden, ich habe auch Themen gemacht, die laufen gar nicht. Aber ich richte mich nur sehr begrenzt danach. Weil mich mein Blog im Moment des Schreibens kreativ erfüllt. Das ist das Allerwichtigste, was er soll… ehrlich… und vielleicht ein bisschen auf mich aufmerksam machen, zugegeben… 🙂

Hahaha… Siehst Du?
Ich wünschte, ich hätte das Selbstbewusstsein, dass es mir tatsächlich schnurzpiepegal wäre, ob mein Blog gelesen wird oder nicht. Da bin ich aber noch weit von entfernt 😉
Naja, und würde ich nur so vollkommen für mich schreiben, könnte ich das ja offline tun.
Bei WordPress gibt es ein Tool, das dir die Einschaltquoten anzeigt – das finde ich total spannend. Ich hätte wohl nicht von mir aus irgendwas eingerichtet, aber da das existiert, schaue ich natürlich auch rein. Und über Facebook verkünde ich auch, wenn ich etwas Neues veröffentlicht habe.
Es scheint ja doch eine ziemliche Hürde für Leser zu sein, öffentlich Kommentare zu hinterlassen. Ohne Kommentare weiß ich aber gar nicht, ob es irgendwen da draußen interessiert oder gar berührt, was ich da tippe.
So erfahre ich zumindest das Interesse mittels einer Zahl und freue mich über jeden einzelnen Aufruf meiner Seite 🙂

Während des Schreibens jedoch überlege ich nicht, was den Lesern gefallen könnte und was nicht – da bin ich ganz bei mir (ich nehme an, das ist das, was Du als kreative Erfüllung bezeichnest).
Da wir eben ja auch über „Mission oder Therapie“ diskutiert haben und wir augenscheinlich beide eine Mission zu erfüllen haben, soll diese ja auch ankommen. Ist also wichtig, dass wir zwischendurch mal schauen, ob wir Leser treffen oder nicht…

Hast Du jemals überlegt, aus Deiner Erfahrung heraus anderen Trauernden zu helfen – wie es ja oft geschieht nach einem eigenen Trauerprozess?

Na klar! Ich bin schon mittendrin. Ich habe im Frühjahr eine Ausbildung zur Trauerbegleitung im Ehrenamt abgeschlossen und werde ab September trauernde Erwachsene in einem Elterncafé begleiten. Ich finde es eine unglaubliche Bereicherung, Trauernden zur Seite zu stehen. Einerseits ein wenig aus Dankbarkeit, weil mir so wunderbar geholfen wurde und weil es mir wichtig ist, dass es mehr Hilfsangebote für Trauernde gibt – andererseits glaube ich, dass ich durch meine Erfahrung sehr authentisch begleiten kann.

Das finde ich spannend – Du gehst  in die Begleitung trauernder Eltern? Ein ganz anderes Feld als das, was Dich erreicht hat. Interessant… Eine steile These: Vielleicht wärest Du beim Thema Verlust des Ehepartners noch zu sehr am eigenen Grundwasser für eine aufrechte Begleitung (also, bei mir ist das Thema Kindsverlust, bei dem ich auf mich selbst besonders gut aufpassen muss in der Begleitung – nicht , weil mir das passiert wäre, Gott sei Dank, aber weil es einer der größten Alpträume für mich wäre…. Mein Grundwasser)?

Ah, nein, da ist der Begriff „Elterncafé“ in der Tat missverständlich. „Eltern“ kommt daher, dass unser Verein schwerpunktmäßig für Kinder und junge Erwachsene da ist. Die Eltern werden aber auch unterstützt. Ich surfe also tatsächlich mitten durch – wie Du so schön schreibst – mein eigenes Grundwasser und begleite Eltern, die einen Partner verloren haben. Da muss ich Dich mit Deiner steilen These leider auflaufen lassen 😉
Ich denke, dass mir bei der Begleitung meine emotionale Nähe da eine Hilfe ist. Ich bin den Weg schon ein Stück weiter gegangen und kann hoffentlich mit meinem Licht einen Weg zeigen…
In unserem Verein werden auch verwaiste Eltern begleitet – diese Aufgabe möchte ich später einmal sehr gerne übernehmen, fühle mich ihr aber noch nicht gewachsen. Ich habe (glücklicherweise!!!) hier keine Vorerfahrung, habe aber das Gefühl, dass mich da etwas „ruft“ – klingt bissel komisch, aber vielleicht weißt Du, was ich meine? Meinst Du nicht, dass man dort, wo man emotional am stärksten involviert ist auch am… sagen wir …glaubhaftesten begleiten kann?

Magst Du verraten, was Dich dazu bewegt hat, Trauerbegleiter zu werden?

Ich freue mich über Dein Interesse, aber, nee, so läuft das hier nicht… (lach). Weil ja „Interview“ drübersteht, sind die Spielregeln: Ich stelle die Fragen, Du antwortest. Aber weil ich ganz oft gefragt werde, warum ich eigentlich Trauerbegleiter geworden bin, schreibe ich bald mal einen Blogbeitrag drüber. Einverstanden? Dir ein herzliches Danke für das Sich-Zeit-nehmen und Fragen-beantworten. Und fürs offene Weinen. Ein gutes Zeichen, finde ich!

Achso… Stimmt ja, sorry. Aber wenn nicht nur ich neugierig bin, ist es eine tolle Idee, wenn Du mal einen Blogbeitrag dazu schreibst – ich bin gespannt.

Ich freue mich sehr, dass Du mit diesem Interview auf mich zugekommen bist! Trotz und gerade wegen der Tränen, zu denen Du mich gerührt hast, hat es mir sehr viel Spaß gemacht, Deine Fragen zu beantworten. Herzlichen Dank dafür!

 

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Quelle: Pixabay

2 Gedanken zu “VIP?!?

  1. Liebe Anja,
    Seit einigen Wochen verfolge ich dich, zwar mehr auf Facebook bzw über den Newsletter, lese aber deine Beiträge super gerne.
    Ich habe zwar nicht meinen Mann, sondern vor 15 Jahren innerhalb von 3 Jahren stief Papa, Mama und Oma verloren, dennoch treffen mich viele Beiträge im innersten.

    Damals gab es noch keine trauerbegleitung. (Na wahrscheinlich doch, aber war mir nicht bekannt.). Ich war jung, in der Ausbildung. Und irgendwie musste alles laufen.
    Durch meine Kinder kann ich nochmal viel aufarbeiten. Die sind so offen für das Thema, aber sprechen natürlich Dinge einfach an. dann stehst ich da und darf Rede und Antwort stehen. 😅
    Vieles erscheint durch Kinderaugen einfacher, vieles ist kaum zu verstehen.

    UPS das ist ein halber Roman geworden.

    Danke jedenfalls für deine inspirierenden und tiefgreifenden blogartikel.

    Herzlichst
    Franzi

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Franzi,

      vielen lieben Dank für deinen Kommentar – ich bin ganz gerührt!

      Mein Beileid, da hast du ja ein ganz schön schweres Päckchen aufgeladen bekommen. So wichtige Personen in so kurzer Zeit zu verlieren muss schwer sein… Kinder sind großartig, wenn es um Trauer geht, oder? So wirst du dazu angehalten, deine Trauer noch einmal neu zu beleuchten. Egal, wie lang oder kurz es her ist: es kostet Kraft… heilt aber Vieles…

      Ich weiß gar nicht, seit wann es Trauerbegleitung gibt. Jedenfalls gibt es auch heute noch deutlichen Verbesserungsbedarf, das für alle bekannter und leichter zugänglich zu machen, finde ich.

      Alles Liebe für dich!
      Herzliche Grüße
      Anja

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