Gedankenstrich…

Gedankenstrich…

Heute ist ein ganz besonderer Tag: mein Blog hat Geburtstag!!!

Heute vor 3 Jahren bin ich mit „…ein Stück untröstlich“ online gegangen und seitdem steht mein Trauerblog mit meinen Gedanken nun für alle sicht- und lesbar im Netz. WOW!

Viel Herzblut ist in diesen 3 Jahren in und auf diese Website geflossen… Wie ihr nachlesen könnt, war ich am Anfang sehr viel aktiver als in letzter Zeit. Es passt gut zu meiner Entwicklung: mittlerweile sind es oft nicht mehr ganze Blogbeiträge, sondern eher kurze Impulse, die ich dann auf Instagram und Facebook teile. Eine Begeisterung für Social Media darf gerne stets mit einem Fragezeichen betrachtet werden – was ich jedoch unschätzbar wertvoll finde, sind die vielfältigen Angebote und Netzwerke, die dort gemacht werden. Toller, inspirierender, wertvoller Austausch (in der Regel auch wertschätzend!) findet dort statt und jede und jeder hat dort die Möglichkeit, für sich passende Kontakte zu knüpfen. Ich gestalte meinen Anteil daran gerne mit…

Während dieser 3 Jahre hat sich vieles bewegt. Als ich als Bloggerin mit dem Thema Trauer startete, gab es noch nicht allzu viele, die im Netz zu den Themen Sterben, Tod und Trauer veröffentlicht haben. Mittlerweile gibt es eine tolle, sichtbare, starke, bunte, vielfältige Community!
…hm, da fällt mir mal wieder auf, dass meine Ver-LINK-te Trauer… bei weitem nicht alle Lieblingsseiten zeigt. Da geht noch was ;0)

The dash…

Als Geburtstagsspecial möchte ich ein englischsprachiges Gedicht mit dir teilen, das eine liebe Freundin im Irland-Urlaub entdeckte… Ein laminierter Zettel im Gras, ziemlich unscheinbar und doch so wertvoll mit seinen Worten, wie ich finde:

the dash – poem by Linda Ellis

I read of a man who stood to speak
At the funeral of a friend.
He referred to the dates on the tombstone
From the beginning… to the end.

He noted that first came the date of birth
And spoke of the following date with tears,
But he said what mattered most of all
Was the dash between those years.

For that dash represents all the time
They spent alive on earth.
And now only those who loved them
Know what that little line is worth.

For it matters not, how much we own,
The cars… the house… the cash.
What matters is how we live and love
And how we spend our dash.

So, think about this long and hard;
Are there things you’d like to change?
For you never know how much time is left
That still can be rearranged.

To be less quick to Anger
And show appreciation more
And love the people in our lives
Like we’ve never loved before.

If we treat each other with respect
And more often wear a smile…
Remembering that this special dash
Might only last a little while.

So, when your eulogy is being read
With your life’s actions to rehash…
Would you be proud of the things they say
About how you lived your dash?

(„The Dash Poem“ von Linda Ellis)

Ich weiß nicht, wie es dir geht – mir ist dieser Text sehr ans Herz gegangen… Dieser Strich, dieser Gedankenstrich zwischen zwei Daten… Wie häufig kommt er uns erst ins Bewusstsein, wenn er feststeht: wenn ein Leben zu Ende gegangen ist.
So häufig ist das Bewusstwerden dann mit dem Gedanken verbunden „hätte ich/er/sie/es doch…“ oder „warum?“… Das schmerzt dann fies, oder?

Reflexion…

Vielleicht ist es mit Mitte 40 im Leben eh „dran“, Rückschau, Innenschau und Vorausschau zu betreiben… Ich kann allerdings nicht mit Sicherheit sagen, dass ich diese Reflexion ohne Andreas‘ Tod angegangen wäre.
Wie auch immer: ich fühle mich dankbar, dass ich nun so bewusst durchs Leben gehe. Nein, nicht immer in jeder Minute und auch nicht an jedem Tag – aber sehr häufig:

Ich hole mir diesen „-“ ins Bewusstsein und prüfe, wie ich ihn für mich gestalten kann. An verrückten, glücklichen Tagen würde ich ihn am liebsten schnappen, aufpusten und mit dem entstandenen Luftballonstrauß durch die Gegend hüpfen. An nicht so leichten Tagen würde ich ihn lieber nur mit Bleistift ziehen oder noch lieber einfach übermalen.
Wenn ich schon jetzt zurückblicke, mir meinen „-“ anschaue: ui, da ist ordentlich was los. So ein mit Tastatur getippter Bindestrich wird dem in keinster Weise gerecht. Und das ist gut so! Das Leben ist bunt!

Heute…

Ich schaue heute auch auf so einen „dash“: 1. Juli 2017 – 1. Juli 2020

Ich habe mit-bewegt und mitgeholfen, das Thema Trauer aus der Tabuzone zu holen. Darauf blicke ich nun ein wenig stolz zurück. Gleichzeitig habe ich vor, weiter mit-zu-bewegen… Denn, es gibt trotz aller Sichtbarkeit noch immer viel Handlungsbedarf. Da schwirren mehrere Ideen in meinem Kopf… Wollte auch längst endlich mal wieder etwas fürs Trauer-Radio aufzeichnen undundund…
Gab es zwischendurch einmal den Gedanken, den Blog zu schließen und quasi einen Punkt hinter diesen Blog-Zeitraum zu setzen, fühlt es sich jetzt gerade anders an:

…ich darf hinter diesen Zeitraum die von mir über alles geliebten „…“ setzen, denn es geht ja weiter ;0)
Wie und in welcher Intensität, das weiß ich Stand heute noch nicht. Wie lang und wie dick der Strich werden wird, zeigt sich beim Weitermachen <3

…und ich frage dich:

How do you intend to live YOUR dash?

Lieblingsessen…

Lieblingsessen…

Ich grüble seit dem Wachwerden: Was war dein Lieblingsessen?!
…es will mir nicht einfallen… Erst hat mich das ganz traurig gemacht. Wieso weiß ich das nicht mehr? Weshalb finde ich keine Erinnerung dazu? Vergesse ich?

Fakt ist: ich könnte es dir heute nicht kochen, weil es mir nicht einfallen will… Fakt ist auch: das macht nichts, denn du bist nicht hier…

Das 6. Mal schon…

Der sechste Geburtstag, den du nicht mehr mit uns gemeinsam feierst… 54 Jahre könnten wir heute feiern – wenndenndann…
Nein, heute gibt es keine Party, kein Erinnerungsfeiern. Mir ist nicht danach.
Aber ich fühle mich dir heute ganz besonders verbunden, bin in Gedanken bei dir.

„Du bist ein Geschenk…“

Was für eine tolle Wertschätzung, wenn man so etwas gesagt bekommt, oder? Ich fühle mich reich beschenkt, dass ich Menschen in meinem Leben habe, die solche Sätze zu mir sagen und denen ich solche Sätze sagen mag.
…tja, und diese Menschen sind nur in meinem Leben, weil du nicht mehr da bist… Das fühlt sich ein wenig traurig an – aber tatsächlich nur ein wenig…

Denn… eigentlich bist du gar nicht so weg, wie ich das anfangs dachte (am Anfang der Trauerzeit). Es ist tatsächlich eine Verbundenheit geblieben und als Teil von mir, von meinem Leben, gehst du weiter mit mir mit. Jede/r auf der jeweiligen Seite… Zu spirituell? Zu abgedreht? Nein, finde ich nicht. Ich fühle mich frei, weil da diese Verbindung besteht. Ob das andere auch so fühlen, kann mir dabei gleichgültig sein.

Vor ein paar Tagen hast du mich im Traum besucht. Das war voll schön, denn ich hatte gar nicht mit dir gerechnet… Dein Bild war in meinem Alltag gar nicht so recht präsent. So war es schön, kurz mit dir zu reden – allerdings traumgesteuert, ich hatte da keinen direkten Einfluss… Ich glaube, das war ziemlicher Blödsinn, den wir da geredet haben ;0)

Rosenkohlabenteuer…

Nun ist mir auch eingefallen, dass es wohl gar kein Lieblingsgericht gab, das dein absoluter Favorit war. Du warst einfach stets sehr „dankbar“ beim Essen, hattest keine großen Ansprüche. In einem Haushalt groß geworden, in dem das Kochen eher „Glückssache“ war (wie oft habe ich wohl die Augen verdreht, wenn du mal wieder getönt hast, wie lange es angeblich gedauert habe, bis du wusstest, dass Rosenkohl beim Kochen nicht braun werden muss – hahaha…), hatte das Essen keine große Wichtigkeit.

Essen gehen, sich im Restaurant verwöhnen lassen – das hast du geliebt…
In diesen Zeiten ist ein Restaurantbesuch nicht so schön, wie er sein müsste, um dich zu feiern… Wir holen das nach, ja?

Auf dich!

Trauer muss nicht immer traurig aussehen...
…du fehlst!

Alles Liebe zum Geburtstag!!!