Für dich…

Für dich…

Nun sitze ich hier vor dieser Karte… Ich habe sie ausgesucht und finde sie total passend.

Mir will aber nicht recht der Start gelingen… Was schreibe ich dir?!

Dass ich dir schreiben möchte, ist klar – aber die weiße Karte schaut mich an, will gefüllt werden… Sie ist zu groß und gleichzeitig viel zu klein, denn ich möchte dir so viel mehr sagen, als hier Platz ist.

Als ich nachfragte, wie es dir geht, hätte mir aufgefallen sein können, dass du dich ein paar Tage nicht gemeldet hattest – ist ja aber durchaus „normal“. Hab‘ ich geahnt, was los ist? Nein, definitiv nicht. Ich war viel zu sehr mit mir und meinen ganz persönlichen Turbulenzen beschäftigt – eher plagte mich ein schlechtes Gewissen, weil ich mich nicht gemeldet hatte… Wie auch immer: ich war auf diese Nachricht genauso wenig vorbereitet, wie du es wohl warst:

„Letzten Mittwoch ist völlig überraschend mein Vater gestorben.“

Uff… Was?! Gerade noch hattet ihr den Umzug ins Heim gemanagt und ich dachte, nun kehrt für euch alle erst einmal Ruhe ein.
Dass diese Ruhe nun so dermaßen endgültig werden sollte…

So sehr hätte ich euch gewünscht, dass ihr nun noch entspannte Zeit miteinander verbringen könnt.
Nun… Das sollte nicht sein.

Umso mehr freue ich mich, dass ihr als Familie so wunderbar beisammen steht. Da wird mir das Herz so warm…
Dazu noch ulkig-niedlich verdrehte Kindergedanken, die ein Erwachsener wohl nie gewagt hätte auszusprechen – danke für den Lacher (vielleicht darf ich das ja irgendwann mal zitieren ;0)

Ich hätte ihn gerne kennengelernt

Du hast mir von ihm erzählt und ich habe gespürt, wie wichtig dieser Mensch in deinem Leben ist – dein alter Herr. So wurde ich neugierig auf den Menschen hinter den Worten.
Aber weißt du was? Ich habe das Beste von ihm doch bereits kennengelernt – durch dich! Du hast so viel von ihm mitbekommen (ja, das geht und ja, du hast sicher auch einiges von ihm abbekommen, auf das du hättest verzichten können ;0)

Gänsehaut, als ich die Traueranzeige lese: dein Vater war nicht nur derselbe Jahrgang wie meiner (wusste ich ja schon…) – er trägt auch den gleichen Vornamen… Da klopft doch direkt die Endlichkeit auf meine Schulter und räuspert sich leise…

Heute nun verbringe ich den Tag mal wieder etwas bewusster mit dieser Endlichkeit. Einatmen… Ausatmen… Gedanken fliegen lassen…
Wo ich das am besten kann? Natürlich am Wasser.
Mein Lieblingsort ist ja eigentlich das Meer – Zweitlieblingsort ist dieser See. Du weißt schon wo. Dort stehe ich und denke ganz intensiv an dich. Meine Gedanken und Worte begleiten dich die nächste Zeit so viel du magst: wuff!

Deinem Vater schicke ich Grüße für den Weg:

AHOI – gute Fahrt!

(c) Anja Pawlowski
Trauer lässt sich leichter (er)tragen, wenn man sich an Orte begibt, an denen man sich wohl fühlt.


Darf man das?! Ein Kondolenzschreiben veröffentlichen?! Ich habe gezögert, ja… Aaaber: ich schreibe hier, weil es mir so aus dem Herzen spricht. Du findest keine Namen und nichts Verfängliches, meine ich.

Ein zweiter Grund, diesen Brief öffentlich zu teilen ist, dass ich damit ermutigen möchte, solche Texte zu schreiben (auf welchem Weg auch immer) – Mitgefühl so ausdrücken, wie es aus der Feder (oder Taste) fließt… Ich finde das schön. Du auch?

…die Karte schreibe ich nun übrigens auch noch – ganz privat!

4 Gedanken zu “Für dich…

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